29.07.2009 · Einen verlässlichen Eindruck über Japans Staatsschuld zu gewinnen ist schier unmöglich. Die verfügbaren Statistiken zur Staatsschuld unterscheiden sich deutlich. Gemeinsam ist ihnen indes, dass sie einen gewaltigen Anstieg der Staatsschuld ausweisen.
Von Patrick Welter, TokioEinen verlässlichen Eindruck über Japans Staatsschuld zu gewinnen ist schier unmöglich. In alter Tradition ist ein Teil der Staatsaufgaben in Agenturen ausgelagert, die als Nebenhaushalte trotz der Koizumi-Reformen noch einen gewichtigen Einfluss auf die Höhe der Staatsschuld haben. Auch von den Sonderfonds, die in Japan als „verborgene Schätze“ mit etwas unklarem Umfang bezeichnet werden, lässt sich kaum ein Bild fassen. Sie werden zuletzt häufiger angerührt, um den Schuldenanstieg zu begrenzen.
Die verfügbaren Statistiken zur Staatsschuld unterscheiden sich daher deutlich. Gemeinsam ist ihnen indes, dass sie einen gewaltigen Anstieg der Staatsschuld ausweisen. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat die öffentliche Verschuldung sich von 69 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 1990 auf 196 Prozent im vergangenen Jahr mehr als verdreifacht.
Schuldenabbau ist verschoben
Auch in den Konsolidierungsjahren seit 2002 wurde das Staatsdefizit lediglich verringert, die Schuld wuchs weiter. Bei sinkenden Steuereinnahmen hat die Regierung dieses Bemühen mit den großen Konjunkturpaketen und im Wahljahr vorerst eingestellt. 2009 wird das Defizit im allgemeinen Haushalt - der nur einen Teil des Staates darstellt - nach Angaben des Finanzministeriums etwa 9,5 Prozent des BIP erreichen. Vor Ausbruch der Krise, 2007, waren es 2,5 Prozent. Die Haushaltskonsolidierung und der Schuldenabbau sind um zehn Jahre auf die Zeit nach 2020 verschoben.
Mit seiner Staatsschuld steht Japan auf dem Spitzenplatz unter den Industriestaaten. Nach Angaben der OECD beläuft sich die Bruttoschuld in diesem Jahr auf fast 190 Prozent der Wirtschaftsleistung. Diese Zahl ist eine Untergrenze. Der IWF beziffert die Bruttoschuld in diesem Jahr auf 217 Prozent. Unabhängige Analysten, die versuchen, auch die Schulden der Nebenhaushalte des Fiskalprogramms für Investitionen und Anleihen (FILP) zu erfassen, nennen noch höhere Zahlen. Stephen Church von der Beratungsgesellschaft Japaninvest sieht die Schuld bei annähernd 250 Prozent des BIP.
Vertrauen ist noch stabil
An den Finanzmärkten ist das Vertrauen in den Schuldner Japan bislang stabil. Der Zinssatz auf zehn Jahre laufende Regierungsanleihen liegt seit gut einem Jahrzehnt niedriger als 2 Prozent; zuletzt schwankte er um 1,4 Prozent - trotz des rasanten Zuwachses der Schulden. Ein dauerhaftes Zinshoch käme die Regierung teuer zu stehen. Der IWF sucht die fehlende Zinsreaktion damit zu begründen, dass die Staatsanleihen weitgehend von Einheimischen gekauft werden.
Die Fonds-Ökonomen beziffern den Anteil der Staatsanleihen, die direkt oder indirekt durch das Sparvolumen der privaten Haushalte finanziert werden, auf mindestens 50 Prozent. Der Anteil ausländischer Gläubiger liegt bei weniger als 10 Prozent. Dieses vorwiegend heimische Finanzierungsmodell aber wackelt. Die Postbank und der staatliche Pensionsanlagefonds sind nicht mehr verpflichtet, japanische Staatsanleihen zu kaufen. Vor allem aber sinkt mit der Alterung der Bevölkerung die Sparquote; 2007 betrug sie nur noch 2,2 Prozent.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.391,32 | +1,06% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2542 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 107,36 $ | +0,09% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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