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Japan Ausstieg in Stufen

02.10.2009 ·  Im Sommer hat die japanische Zentralbank ihre Hilfen zur Stützung der Finanzmärkte verlängert. Der Debatte über den Einstieg in den Ausstieg kann die Zentralbank dennoch nicht ausweichen.

Von Patrick Welter
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Im Juli hat die Bank von Japan die außergewöhnlichen Sondermaßnahmen, die sie nach dem Lehman-Schock im Herbst 2008 zur Stützung der Finanzmärkte eingeführt hatte, bis zum Jahresende und teils darüber hinaus verlängert. Der Beschluss kam im Sommer früher als erwartet; die Bank wollte die Unruhe langer Spekulationen an den Finanzmärkten vermeiden. Mit dem nahenden Jahresende rückt nun abermals die Frage in den Vordergrund, ob und wann die Zentralbank sich von den außergewöhnlichen Schritten verabschieden soll.

Für Japan, dem auch von der Zentralbank bis mindestens 2010 eine Deflation vorhergesagt wird, scheint die Frage nach dem Ausstieg aus den Notmaßnahmen verwegen. Die gerade vorgelegte vierteljährliche Tankan-Umfrage der Zentralbank bestätigt die Prognosen einer nur zögerlichen Wirtschaftserholung. Die Erwartungen der Unternehmen haben sich zwar verbessert, die mauen Investitionspläne aber lassen keinen durchgreifenden und gefestigten Aufschwung erwarten. Zusammen mit der Unsicherheit über die weltwirtschaftliche Entwicklung bleiben so Risiken für das Finanzsystem vorhanden. Der Debatte über den Einstieg in den Ausstieg kann die Zentralbank dennoch nicht ausweichen.

Kaum noch Zeichen einer Störung auf dem Geldmarkt

Der Nikkei-Aktienindex hat sich spürbar erholt, und die großen Unternehmen haben keine grundsätzlichen Schwierigkeiten mehr, Anleihen aufzulegen. Der Geldmarkt und die Märkte für kurzfristige Unternehmensanleihen (commercial papers) zeigen nach dem Einbruch im Winter kaum noch Zeichen einer Störung. Es fällt zunehmend schwer, noch systemische Verwerfungen an Japans Finanzmärkten zu diagnostizieren. Liquidität ist reichlich vorhanden. Die zögerliche Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen ist mindestens ebenso sehr ein Zeichen für die geringe Nachfrage wie für ein scheinbar versagendes Finanzsystem. Dort auszuhelfen ist nicht Aufgabe der Zentralbank, sondern - wenn überhaupt - der Regierung. Zudem liegen die größten Risiken für die großen Finanzhäuser in ihren reduzierten, aber im internationalen Vergleich immer noch hohen Aktienbeständen. Die dort gebuchten Verluste im Zuge der Weltwirtschaftskrise, nicht aber unvorsichtige Spekulationen mit unsoliden Wertpapieren haben die Banken in den vergangenen Monaten belastet. Den Abbau dieser Aktienbeteiligungen kann eine Zentralbank nur mit öffentlichem Druck nahelegen, nicht aber erzwingen.

Angesichts der verbesserten Lage an den Finanzmärkten stießen diverse Sondermaßnahmen der Bank von Japan zuletzt auf eine eher vernachlässigbare Nachfrage der Finanzhäuser. Das Interesse an Dollarkrediten geht gegen null. Der direkte Ankauf von "commercial papers" durch die Zentralbank fand im Februar und März reges Interesse, danach kehrte zunehmend Ruhe ein. Die letzte Auktion im September endete wie schon einmal im Juni sogar ganz ohne Gebot einer Geschäftsbank. Der direkte Ankauf von Unternehmensanleihen durch die Bank von Japan kam nie richtig in Schwung und hat gerade mal ein Viertel des avisierten Volumens erreicht. Nahezu bedeutungslos blieben von Anfang an die Angebote der Zentralbank, Aktien aus den Portfolios der Banken zu kaufen oder nachgeordnete Kredite auszureichen, um die Kapitalbasis der Banken zu stützen. Vor allem die großen systemrelevanten Bankhäuser bevorzugen, sich am Markt mit Geld zu versorgen, auch wenn dies nicht immer billig ist.

Die Finanzhäuser gewöhnen sich an die Hilfen

Richtig gewirkt haben von Beginn an allein die Schritte, mit denen die Zentralbank den Finanzinstituten reichlich und preiswert Liquidität zuführte. Die Senkung des angestrebten Tagesgeldsatzes am Geldmarkt auf 0,1 Prozent, die Sonderfazilität zur in der Höhe unbegrenzten Geldleihe zur Stützung der Unternehmensfinanzierung und die Ausweitung der Sicherheiten für die reguläre Geldleihe sind die Stützen, mit denen die Bank von Japan den Geldmarkt und die Lage der Banken stabilisierte.

Einiges spricht dafür, mit dem Ausstieg aus den Notmaßnahmen in Japan bald zu beginnen. Je länger die Finanzhäuser und -märkte sich an die großzügige Unterstützung durch die Zentralbank gewöhnen, desto schwerer fällt später der Entzug und desto größer wird die Gefahr, dass die Sondermaßnahmen selbst die Märkte stören. Der Bank von Japan kommt dabei zu Hilfe, dass sie mit der Vielzahl ihrer Notprogramme den Ausstieg stufenweise vollziehen kann. Der Verzicht auf eine Verlängerung der ohnehin kaum nachgefragten Programme zum Jahresende würde das wünschenswerte Signal setzen, dass die Finanzmärkte auf Dauer auf eigenen Füßen stehen müssen. Erst im zweiten Schritt und frühestens im kommenden Jahr dürfte die Bank mit dem stufenweisen Abbau der Liquiditätszufuhr beginnen. Die erfolgreiche, jeweils drei Monate laufende Sonderfazilität zur Stützung der Unternehmensfinanzierung dürfte spät fallen, weil die Bank sich damit einen gewissen Einfluss auf mittelfristige Zinsen geschaffen hat. Erst ganz zum Schluss und wohl als letzte der großen Zentralbanken dürfte die Bank von Japan den Leitzins anheben. Solange die Wirtschaft in der Deflation steckt, ist daran nicht zu denken.

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