06.03.2010 · Nichts in Froehlichs Lebenslauf verrät eine grüne Neigung. Aber irgendwann entwickelte sich bei ihm eine Ader für das Soziale und die Umwelt: „Ich habe als meine erste grüne Handlung 1985 meine Aktien an Dynamit Nobel verkauft und dafür Anteile an der Ökobank erworben“, erzählt der Jurist.
„Ehrlich gesagt, bin ich ein Grüner“, sagt Jan Froehlich. Der Berliner Anwalt für IT- und Medienrecht ist bei der Umweltpartei sogar politisch aktiv. Das sieht man dem 48-Jährigen aber nicht an. Mit Anzug und Krawatte würde man den Wirtschaftsanwalt politisch ganz woanders verorten. „Ich komme eigentlich aus einem konservativen Milieu“, sagt der älteste Sohn eines Textilunternehmers. Froehlichs Vater leitete ein über Generationen erfolgreiches Familienunternehmen. Überhaupt wuchs Froehlich umgeben von Unternehmern auf.
Er selbst ging in Bonn bei den Jesuiten zur Schule und machte eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Privatbank Sal. Oppenheim in Köln. Vorher hatte Froehlich sich für zwei Jahre bei den Gebirgsjägern in Bad Reichenhall verpflichtet und wurde Leutnant der Reserve. Später studierte er Jura in Freiburg, Berlin und London.
Nichts in Froehlichs Lebenslauf verrät eine grüne Neigung. Aber irgendwann entwickelte sich bei ihm ein eher kritisches Interesse an gesellschaftlichen Veränderungen, eine Ader für das Soziale und die Umwelt. „Ich habe als meine erste grüne Handlung 1985 meine Aktien an Dynamit Nobel verkauft und dafür Anteile an der Ökobank erworben“, erzählt der Jurist. Im selben Jahr wurde er auf einer Demonstration gegen Wackersdorf in München verhaftet. Das passte kaum zu seiner Rolle als Reserveoffizier, der als Zugführer während seiner Wehrübung für die Sicherung der damaligen „Cruise Missiles“ verantwortlich war. Später finanzierte er Teile seines Studiums durch die Mitarbeit in einer Kreuzberger Kindertagesstätte und als studentische Hilfskraft. Darüber hinaus arbeitete er zeitweise in der Produktion des Unternehmens seines Onkels.
Nach wie vor würde sich Froehlich als eher konservativ bezeichnen, als einen, der an dem marktwirtschaftlichen Fundament der deutschen Wirtschaftordnung nicht rütteln würde. „Trotzdem sehe ich, dass sich bei uns eine Gerechtigkeitslücke aufgetan hat.“Dabei geht es ihm zum Beispiel gegen den Strich, dass in der Wirtschaft teilweise Löhne gezahlt werden, von denen Menschen ihr Leben nicht finanzieren können und deshalb auf staatliche Hilfe angewiesen sind. „Allerdings bleibe ich ein Gegner reiner Umverteilungspolitik“, setzt er hinzu. Eher sei der Ordnungsrahmen für die Marktwirtschaft an vielen Stellen – gerade auch im Hinblick auf die Finanzkrise von 2008 – zu überdenken. Seine Sympathie haben Existenzgründer, nicht die Manager großer Konzerne. „Dazu kommt eine ganz klare ökologische Ausrichtung bei mir“, meint er.
Die Marktwirtschaft, von der Froehlich als Anwalt lebt und überzeugt ist, mehr soziale Gerechtigkeit und ein schonenderer Umgang mit den natürlichen Ressourcen – das machte seiner Meinung nach eine „gute Gesellschaft“ aus. Sollte aus einer der nächsten Wahlen eine schwarz-grüne Koalition entstehen, hätte der Jurist wohl kaum etwas dagegen. Und das, obwohl er aufgrund seiner Prägung durch die Soziallehre der Jesuiten an der Hochschule Sankt Georgen natürlich nie ganz zufrieden wäre. ink.
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