02.02.2009 · J.C. Flowers besitzt in Deutschland den Ruf einer „guten Heuschrecke“. Als der Amerikaner im großen Stil bei der Immobilienbank Hypo Real Estate einstieg, kostete eine Aktie noch mehr als 20 Euro. Inzwischen ist so gut wie alles verloren. Dass Berlin nun erwägt, die Bank zu verstaatlichen, bereitet ihm aber wenig Freude.
Sommer 2008, in einem Münchener Restaurant. "Das ist der richtige Zeitpunkt, um Aktien der Hypo Real Estate zu kaufen", suggeriert ein Banker von der Isar. "Sehen Sie, der Flowers steigt jetzt auch ein, und der weiß, was er macht." Zum Zeitpunkt dieses Gesprächs notierte die Aktie der Hypo Real Estate mit etwas mehr als 20 Euro. J. Christopher Flowers mobilisierte damals 1,1 Milliarden Euro, um 24,9 Prozent an der Münchener Immobilienbank zu kaufen. Die befand sich zwar schon in der Krise, aber der amerikanische Private-Equity-Investor hoffte auf eine Gesundung der Bank. Seinen Zeithorizont benannte er damals mit sieben Jahren.
Nun ist so gut wie alles perdu. Die Aktie der Hypo Real Estate kostet nur noch 1,20 Euro, und die Bank ist nach Auskunft ihres Vorstandsvorsitzenden ohne massive Staatshilfe nicht überlebensfähig. Auf eine Rendite aus seiner missratenen Beteiligung wird Flowers schon lange nicht mehr hoffen, aber einen Totalverlust möchte der Amerikaner auch vermeiden.
Flowers will nicht enteignet werden
Daher bereitet ihm der in Berlin erwogene Plan, die Hypo Real Estate komplett zu verstaatlichen, keine Freude. Flowers sieht zwar auch, dass die Hypo Real Estate als reine Staatsbank vermutlich leichter stabilisiert und anschließend abgewickelt werden könnte, aber auf eine Enteignung ist er nicht scharf. Ihm wäre es wohl lieber, wenn ihm der Staat seine Beteiligung zum Marktpreis abkaufte.
Doch nimmt die Regierung Flowers ernst? In einer Mitteilung stellte der Amerikaner am Montag ernüchtert fest, dass "bis heute weder ich selbst noch einer unserer Geschäftsführer in Europa in dieser Angelegenheit von einer der zuständigen Behörden angesprochen worden ist; das gilt sowohl für die Bundesregierung, den Soffin, die Bundesbank, das Bafin oder irgendeine andere offizielle Stelle." Man sei jederzeit zu konstruktiven Gesprächen bereit, versichert Flowers, der eine Investorengruppe berät, die zusammen 17 Prozent an der Bank hält.
Flowers besitzt in Deutschland den Ruf einer "guten Heuschrecke". Er gilt als ein langfristig denkender Anleger, der die Rendite nicht mit der Brechstange zu erzwingen sucht. Dabei entspricht sein größter Deal nicht der Vorstellung des netten Kapitalgebers von nebenan.
In Deutschland hat Flowers bislang kein Glück gehabt
Als Flowers im Jahre 2000 die in einer schweren Krise befindliche Long-Term Credit Bank in Japan übernahm, sorgte er dort für eine radikale Sanierung, die seinerzeit in Japan als "Blutbad" bezeichnet wurde. Flowers gelang es, die unter einer hohen Schuldenlast leidende Bank vom Kopf auf die Füße zu stellen, und als er das Institut später an die Börse brachte, erzielte er einen riesigen Gewinn. Der Deal könnte in einem Lehrbuch über Private Equity erscheinen.
In Deutschland ist der Amerikaner schon länger auf Pirsch gewesen. Im Jahre 2002 versuchte er vergeblich, bei der Landesbank Berlin einzusteigen. Dann wollte er die in Schwierigkeiten geratene Hypothekenbank ABHR übernehmen, doch konnte er sich gegenüber dem Rivalen Lone Star nicht durchsetzen. Dafür gelang ihm im Jahre 2006 für 1,3 Milliarden Euro der Erwerb einer Beteiligung von etwas mehr als einem Viertel an der Landesbank HSH Nordbank, die er mit Gewinn an die Börse bringen wollte.
Doch auch die HSH Nordbank wurde von der Finanzkrise erwischt. Sie erhielt von ihren Eigentümern frisches Geld und profitiert daneben von Garantien des Bankenrettungsfonds Soffin. Außerdem stieg der Amerikaner im vergangenen Jahr aus einer gemeinsam mit zwei Landesbanken ins Leben gerufenen Abwicklungsplattform für gewerbliche Immobilienkredite wieder aus. Mit seinen Geschäften in Deutschland hat Flowers bislang überhaupt kein Glück gehabt.
Der 50 Jahre alte Amerikaner ist das Musterbeispiel eines Mannes, der nach einer steilen Karriere in einer Bank sein Glück als selbständiger Unternehmer sucht. Flowers studierte Mathematik in Harvard, ehe er mit 20 Jahren bei der New Yorker Investmentbank Goldman Sachs anheuerte und es dort innerhalb weniger Jahre zum Leiter der Abteilung für Fusionen und Übernahmen brachte. Mit gerade 31 Jahren wurde er der jüngste Partner in der Geschichte von Goldman.
Ende der neunziger Jahre verließ der hochangesehene Manager die Bank im Streit, weil ihm der Sprung in die höchste Managementebene verwehrt wird. Daraufhin gründet er die Beteiligungsgesellschaft JC Flowers, in die, wie Gerüchte aus Wall Street wissen wollen, die allerersten amerikanischen Banken und Fonds Geld einschießen. Flowers Privatvermögen wird auf etwa 2 Milliarden Dollar geschätzt. Auch wenn ihn die Krise trifft, wird sie ihn kaum zum armen Mann machen. GERALD BRAUNBERGER
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