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Lagarde wirbt für ruhige Hand : So kontert die IWF-Chefin die Trump-Attacke

Wirbt für eine ruhige Hand: IWF-Chefin Christine Lagarde. Bild: AP

Präsident Trump findet, die amerikanische Notenbank sei „verrückt geworden“. Die IWF-Chefin Lagarde mahnt dagegen zur Ruhe, hält den Kurs der Zentralbank für unvermeidlich – und warnt doch vor „jeder Böe“.

          Seit Tagen wirbt die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) für die ruhige Hand, mit der die Weltwirtschaft in der heraufziehenden Krise gesteuert werden müsse. Zu keinem Zeitpunkt hat sie öffentlich Amerika oder Donald Trump kritisiert, auch weil die Amerikaner zu weiten Teilen die Politik des Fonds mit Sitz in Washington bestimmen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Am Donnerstag aber nutzte die Französin ihre auf der ganzen Welt anerkannten diplomatischen Fähigkeiten, um Trump zu widersprechen. Der hatte in der Nacht gesagt, er glaube, dass die amerikanische Notenbank (Fed) „verrückt geworden“ sei. Zuvor hatte die Fed die Zinsen erhöht. Die Märkte – zunächst in Amerika, dann am Donnerstagmorgen auch in Asien – verbuchten starke Verluste. Der Technologie-Index Nasdaq verlor 4,1 Prozent. Das war der größte Rückgang seit dem überraschenden Brexit-Votum im Juni 2016.

          Lagarde verteidigt die Notenbank

          Lagarde allerdings bezeichnete nun am Morgen auf der Jahrestagung des IWF in Bali Zinserhöhungen als eine „notwendige Entwicklung für solche Volkswirtschaften, die ein stark verbessertes Wachstum zeigen, in denen die Inflation anspringt, die Arbeitslosenrate extrem gering ist.“ Dann schob sie nach: „Es ist unvermeidlich, dass Zentralbanken die Entscheidungen fällen, die sie fällen.“ Zudem habe jeder gewusst, dass insbesondere der amerikanische Aktienindex sehr hoch bewertet sei.

          Allerdings ließ die frühere französische Finanzministerin keinen Zweifel daran, dass die höheren Leitzinsen gefährliche Auswirkungen haben können. Denn während der Tagung auf Bali wächst die Sorge weiter, dass unkontrollierte Kapitalabflüsse aus Schwellen- und Entwicklungsländern diese destabilisieren könnten.

          Die normalerweise sehr zurückhaltende Lagarde sprach von einer „so noch nicht vorgekommenen Situation“ der Weltwirtschaft. Mit Blick auf die Notenbanken der Welt fügte sie an: „Dass die Notenbanken der entwickelten Länder nicht alle in der gleichen Geschwindigkeit vorgehen, verstärkt das Phänomen noch weiter.“

          Alle Spieler auf den Weltfinanzmärkten, insbesondere China und Amerika, bereiteten sich auf das „Was wäre wenn“, eine große, gefährliche Lage vor. „Die öffentliche Verschuldung ist weltweit hoch. Jede Böe kann Kapitalabflüsse auslösen“, sagte die IWF-Chefin. „Ist die Weltwirtschaft stark? Im Moment ja. Aber ist sie stark genug? Nein, sie ist nicht stark genug. Wenn die Spannungen zunehmen, wird die Weltwirtschaft dies deutlich zu spüren bekommen.“

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