03.08.2005 · Der Chef der Banca d'Italia, Antonio Fazio, der unter dringendem Verdacht der Parteinahme steht, bleibt vorerst im Amt. Das italienische Kabinett hat die brisante Entscheidung um seinen Posten bis nach der Sommerpause vertagt.
Der Skandal um das Verhalten der Banca d' Italia beim Übernahmekampf um ein heimisches Geldinstitut bleibt vorerst ohne Konsequenzen für Notenbankchef Antonio Fazio. Das Kabinett vertagte am Mittwoch ihre Entscheidungen über den Umgang der Zentralbank mit verschiedenen Übernahmevorhaben im Bankensektor bis nach der Sommerpause.
Fazio ist wegen seiner Rolle beim Übernahmekampf um die Banca Antonveneta in die Kritik geraten. Ihm wird vorgeworfen, eine Übernahme durch das niederländische Institut ABN Amro verhindern zu wollen. Aus den Reihen von Regierung und Opposition waren bereits Rücktrittsrufe laut geworden. Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi, der wegen Krankheit nicht an der Kabinetts-Sitzung am Mittwoch teil nahm, hat sich derartigen Forderungen indes nicht angeschlossen. Fazio hat einen Vertrag auf Lebenszeit.
Finanzminister soll Lösungsvorschläge erarbeiten
Das Kabinett habe Finanzminister Domenico Siniscalco beauftragt, bis nach der Sommerpause Vorschläge für mögliche Konsequenzen aus dem Verhalten der Bank von Italien zu erarbeiten, sagte Kulturminister Rocco Buttiglione vor Journalisten. Die Vorschläge sollen dann im Herbst der Regierung vorgestellt werden. Buttiglione deutete an, daß die Regierung auf Grund der Erfahrungen in dem Banken-Skandal Vorschriften für die Regulierung des Bankensektors ändern könnte. Das Kabinett werde aber keine vorschnellen Entscheidungen treffen.
Die Regierung versucht so offenkundig, die hitzige Debatte in Italien zunächst etwas abzukühlen. Nach Angaben von Arbeitsminister Roberto Maroni erhob Siniscalco in einem am Mittwoch vorgelegten Bericht zu dem Skandal keine Vorwürfe gegen Fazio. Die Regierung wolle zunächst die Bank von Italien sowie die Börsenaufsicht Consob zu der Übernahme anhören.
Fazio geriet unter anderem durch Telefonmitschnitte unter Druck, aus denen die Presse zitiert hatte. Sie lassen darauf schließen, daß der Notenbank-Chef offenbar die italienischen Interessenten an Antonveneta unterstützte. Da der Bankenmarkt des Landes als nach außen weitgehend abgeschottet gilt, hätte ein Erfolg von ABN Amro weit reichende Folgen für die Branche.
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