http://www.faz.net/-gqe-93kug

Gefahren im Netz : Mehr Geld für Internetpolizei

Die Angst vor Internetkriminalität ist groß. Entwarnung gibt es nicht. Bild: dpa

Angst vor der Internetkriminalität haben viele Nutzer. Ein Bericht des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik bestätigt die Befürchtungen. Jetzt gibt es Streit darüber, wie genau man sich schützen soll.

          Die IT-Sicherheitslage macht den Deutschen Angst. 85 Prozent der Internetnutzer hierzulande glauben, dass die Bedrohung durch Internetkriminalität immer größer wird. Das hat eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Digitalverbandes Bitkom ergeben. 79 Prozent sprechen sich dafür aus, dass die Politik mehr Geld in spezielle Polizeieinheiten investieren sollte, die gezielt gegen Online-Kriminalität vorgehen.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Tatsächlich sind die Sorgen begründet, wie der neueste Lagebericht des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zeigt. Die Studie, die Bundesinnenminister Thomas de Maizière und BSI-Präsident Arne Schönbohm am Mittwoch in Berlin vorstellten, zieht das Resümee: Im Berichtszeitraum Juli 2016 bis Juni 2017 blieb die Gefährdungslage in der digitalen Welt „weiterhin auf hohem Niveau angespannt“.

          Vor allem die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung zeigt zwei Gesichter – ein schönes und ein hässliches. Auf der einen Seite führe sie zu mehr Effizienz, zu mehr Transparenz und zu mehr Komfort im Alltag, heißt es. „Gleichzeitig steigt das Bedrohungspotential deutlich an, da sich die Anzahl möglicher Angriffspunkte erhöht und die zu verarbeitenden Datenmengen sich vervielfachen“, warnt das BSI. Der Lagebericht verweist vor allem auf das Internet der Dinge (IoT).

          Es entwickelt sich den Angaben zufolge immer mehr zu einer Gefahrenquelle für die IT-Sicherheit. Die Datenschützer schieben einen Teil der Schuld der Industrie in die Schuhe. IoT-Geräte – wie beispielsweise smarte Babyphones – seien „einfach angreifbar, weil deren IT-Sicherheit derzeit weder bei der Herstellung noch bei der Kaufentscheidung des Kunden eine ausreichende Rolle spielt“.

          BSI-Präsident Arne Schönbohm sagte, der Lagebericht seiner Behörde mache deutlich, welche zum Teil immensen Auswirkungen Cyberangriffe wie Wannacry, Petya/NotPetya oder der Ausfall Hunderttausender Router für Unternehmen und Bürger in Deutschland haben könnten. Innenminister de Maizière plädierte für ein schärferes Vorgehen gegen Cyberattacken. Zur Abwehr unmittelbar bevorstehender Angriffe oder zur Verhütung weiterer Schäden bei laufenden Attacken halte er aktive Gegenmaßnahmen für richtig, sagte der Minister. Darüber sei auch in den bisherigen Jamaika-Sondierungsgesprächen gesprochen worden, ohne Einigung. „Über den Grundsatz, dass Cybersicherheit verbessert werden muss, besteht Konsens. Kein Konsens besteht über die Frage der sogenannten aktiven Abwehr.“

          Countdown – der politische Newsletter der F.A.Z.
          Countdown – der politische Newsletter der F.A.Z.

          Starten Sie den Morgen mit diesem Überblick über die wichtigsten Themen des Tages. Eingeordnet und kommentiert von unseren Autoren.

          Mehr erfahren

          Schon vor Monaten war über Pläne der Bundesregierung berichtet worden, wonach der Staat bei Hackerangriffen etwa auf kritische Infrastruktur wie Kraftwerke oder auch auf Behörden schnell und effektiv zurückschlagen wolle. Diese Methoden stehen aber auch in der Kritik. Dem BSI-Lagebericht zufolge bleiben bekannte Einfallstore für Cyberangriffe unverändert kritisch bestehen. Vor allem die gestiegene Zahl an Attacken mit Erpressungssoftware, sogenannter Ransomware, zeige, dass Cyberkriminelle eine lukrative Möglichkeit gefunden hätten, um in großem Umfang Geld zu erpressen.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Zur politischen Ökonomie von Sezessionen

          Europäische Union : Zur politischen Ökonomie von Sezessionen

          Spanien, Norditalien, Belgien, Großbritannien: Die EU sieht sich zunehmend nationalen Sezessionsbestrebungen gegenüber. Die Möglichkeit zum Austritt ist immer noch der beste Schutz einer Minderheit vor Ausbeutung durch eine Mehrheit.

          Topmeldungen

          Gescheiterte Sondierungen : Merkels Niederlage

          Durch die gescheiterten Sondierungen hat die Kanzlerin mehr verloren als die FDP. Und vor allem: Die CDU hat noch mehr zu verlieren. Der Knackpunkt ist die Willkommenspolitik – von der sich Angela Merkel partout nicht distanzieren mag. Ein Kommentar.

          Die FDP und Jamaika : Lindner fehlt das Vertrauen

          Die FDP war, was den Erfolg der Jamaika-Sondierungen angeht, nie besonders zuversichtlich. Da sie fürchteten, keine ihrer Projekte verwirklichen zu können, haben sie ein Versprechen platzen lassen.

          Wie geht es jetzt weiter? : So verschlungen ist der Weg zu Neuwahlen

          Steinmeier kündigt Gespräche mit allen Parteien an und fordert mehr Verantwortung. Doch Neuwahlen sind nicht mehr auszuschließen. Reinhard Müller, F.A.Z.-Ressortleiter für Staat und Recht, erklärt, welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.