Home
http://www.faz.net/-gqe-yir1
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Irland Ein Land wird von Banken erschlagen

28.12.2010 ·  In Irland sind die Kosten der Bankenkrise in diesem Jahr dramatisch gestiegen - und im Jahre 2011 könnten sich weitere Bilanzlöcher auftun. Bisher hat die Regierung in Dublin rund 50 Milliarden Euro an Kapitalspritzen für die maroden Großbanken des Landes bereitgestellt. Eine gewaltige Summe für das kleine Land.

Von Marcus Theurer
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

In Irland sind die Kosten der Bankenkrise in diesem Jahr dramatisch gestiegen - und im Jahre 2011 könnten sich weitere Bilanzlöcher auftun. Bisher hat die Regierung in Dublin rund 50 Milliarden Euro an Kapitalspritzen für die maroden Großbanken des Landes bereitgestellt. Für die kleine Volkswirtschaft ist das eine gewaltige Summe: Sie macht fast ein Drittel des irischen Bruttoinlandsprodukts aus. Größter Krisenfall ist die Anglo Irish Bank, die sich mit einer jahrelangen halsbrecherischen Expansion im Immobiliengeschäft an den Rand des Ruins gewirtschaftet hat. Zu den Zeiten des Booms galt die Bank jedoch als Beispiel eines dynamischen Unternehmens und ihr Vorstandsvorsitzender Sean Fitzpatrick als Musterbeispiel eines erfolgreichen Managers. Das schon vor knapp zwei Jahren komplett verstaatlichte drittgrößte Kreditinstitut braucht nach jetzigem Stand allein bis zu 34 Milliarden Euro Hilfe und soll abgewickelt werden.

Weil die irischen Banken im vergangenen Herbst in immer größere Liquiditätsprobleme gerieten, nahm Irland auf Druck der Europäischen Zentralbank und der anderen Euro-Länder Ende November einen von den Euro-Mitgliedern und vom Internationalen Währungsfonds bereitgestellten Notkredit auf. Aus diesem 85 Milliarden Euro schweren Paket sind 35 Milliarden Euro für weitere Eigenkapitalhilfen an die Banken reserviert: 10 Milliarden Euro sollen der Bank of Ireland (BOI), Allied Irish Banks (AIB) und zwei weiteren angeschlagenen Finanzdienstleistern sofort zufließen. Die AIB wird damit fast vollständig verstaatlicht, und beim Marktführer BOI wird der Staat voraussichtlich ebenfalls Mehrheitseigner.

Die restlichen 25 Milliarden Euro sind als Reserve vorgesehen, falls die Banken noch mehr Kapital brauchen sollten. Das könnte sich schon bald erweisen: Anfang des kommenden Jahres will die irische Notenbank in einem weiteren "Stresstest" nochmals die Bilanzen der Geldhäuser durchleuchten. Sollte sich dabei ein unerwartet großer Abschreibungsbedarf zeigen, steht die nächste Runde an Staatshilfen für Irlands Banken an. Ein Ende ist nicht abzusehen. theu.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1972, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

Jüngste Beiträge

Böses Spiel

Von Holger Steltzner

Mit größter Selbstverständlichkeit und in unerträglichem Ausmaß zahlt die Elite Griechenlands keine Steuern und flüchtet mit Milliarden ins Ausland - und jede griechische Regierung lässt sie gewähren. In den Geberländern wächst die Wut der Steuerzahler. Mehr 40 149

29.05.2012 15:05 Uhr
  Vortag
Dax 6.379,98 +0,90%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.390,78 +1,02%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
EUR/USD 1,2546 +0,04%
Rohöl Brent Crude 107,28 $ +0,02%
Gold 1.574,60 $ +0,32%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.