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Iran Die Kaiserin und ihr Kunstschatz im Keller

Eine der größten und wertvollsten Sammlungen westlicher zeitgenössischer Kunst findet sich ausgerechnet in Iran. 35 Jahre lagerten die Werke verborgen in einem Museumskeller. Jetzt soll die Schatzkammer für die Welt geöffnet werden.

Es war einmal eine orientalische Kaiserin, die interessierte sich sehr für Kunst. Sie kaufte Gemälde und Skulpturen aus der ganzen Welt zusammen und ließ für diese ein prächtiges Museum in ihrer Hauptstadt bauen. Kaum war das schöne Ausstellungshaus eröffnet, fegte eine Revolution über das Land und die Kaiserin und den Kaiser aus ihren Ämtern. Den neuen Herrschern, die Wert auf Tradition legten, gefielen die modernen Kunstwerke gar nicht. Sie verbannten sie in den Keller des Museums, wo ein einziger Wärter mit der Aufgabe alt wurde, sie all die Jahre über zu bewachen. Beinahe wären die ungeheuren Schätze, die wertvoller sein sollen als zwei Lastwagen-Ladungen Gold, in Vergessenheit geraten. Beinahe.

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Denn jetzt könnte das Märchen aus Tausendundeiner Nacht doch noch ein glückliches Ende nehmen. Nicht unbedingt für die Kaiserin, aber vielleicht für die Kunstwelt. Die Sammlung, die Farah Pahlavi aufbaute, gebürtige Farah Diba und Ehefrau des letzten persischen Schahs, hat gute Chancen, nach dreieinhalb Jahrzehnten im Untergrund wieder ans Licht der Öffentlichkeit befördert zu werden. Nach Informationen dieser Zeitung will das Museum of Contemporary Art in Teheran die Bilder auf eine Reise rund um die Welt schicken. In den angesehensten Museen sollen sie hängen. Und davon künden, wie weltoffen Iran geworden ist. Bislang sorgte die Kollektion, sofern überhaupt Notiz von ihr genommen wurde, im Westen allenfalls für verwunderte Überschriften wie: „Picasso versteckt sich in Iran“.

Klare Gegenmission

Zu den Protagonisten der neu zur Schau gestellten Offenheit gehört Majid Mollanoruzi. Der 48-Jährige bewegt sich seit langer Zeit in der kulturellen Sphäre des Landes, war zwei Jahrzehnte im Teheraner Kulturministerium tätig und betreute unter anderem den Bereich Kinderbücher. Seit dem 2. März ist er neuer Direktor des Museums, das die insgesamt 1500 Stücke umfassende Sammlung westlicher moderner Kunst bislang erfolgreich vor den Augen von Schaulustigen verbarg. Nun verfolgt er eine klare politische Gegenmission: „Unser Führer hat 2014 zum Jahr der Kultur ausgerufen. Wir wollen eine kulturelle Brücke aufschlagen, um das Bild des Landes richtigzustellen“, sagte er dieser Zeitung. „Wir möchten Künste öffnen, zu denen man seit 35 Jahren keinen Zugang hatte.“

Um was und um wen es geht, steht auf Inventarlisten, die das Museum in diesen Tagen verschickt. Auf ihnen findet sich alles, was Rang und Namen hat in der Kunst seit dem späten 19. Jahrhundert bis hinein in die 1970er Jahre: van Gogh und Picasso, Nolde und Munch, Kandinsky und Klee, Miró und Monet, Chagall und Dalí, Degas und Beckmann, Gauguin und Bacon. Eines der wertvollsten Stücke dürfte „Mural on Indian Red Ground“ sein, ein 1950 entstandenes Werk des Action-Painters Jackson Pollock. Kunstbanausen sagen, das bekomme doch jeder Schlechtgelaunte mit ein paar Farbeimern spielend hin. Kunstexperten sehen Pollocks Werke im großen historischen Zusammenhang; sie symbolisieren demnach die unglaubliche Freiheit im Westen. Für das Bild soll 2003 ein unbekannter Käufer vergeblich 105 Millionen Dollar geboten haben; heute wird es sogar auf 250 Millionen Dollar geschätzt.

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