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IPTV Internet statt Fernsehen

14.05.2007 ·  Fernsehen im Internet scheint die nächste große Sache im Netz zu werden. In aller Welt basteln Teams an der Übertragung der Bewegtbilder über die Internetleitungen. An die Namen der Unternehmen - Joost, Vudu, Zattoo - muss man sich erst noch gewöhnen.

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Das Internetblog Techcrunch hat es mal wieder zuerst gewusst: Die amerikanischen Fernsehsender CBS und Viacom sowie Risikokapitalgeber wie Sequoia Capital, die mit frühen Investitionen in Google und Youtube ein gutes Gespür gezeigt haben, steigen mit 45 Millionen Dollar in das Unternehmen Joost ein, das gerade Internet-fernsehen testet, bevor es in den nächsten Wochen auf den Markt kommt.

Nicht, dass die Joost-Eigner das Geld nötig hätten: Niklas Zennström und Janus Friis wurden mit der Gründung ihrer Musiktauschbörse Kazaa berühmt und mit dem Verkauf ihres Internet-Telefoniedienstes Skype reich. "Diese Unterstützung demonstriert ein gewaltiges Vertrauen in die Joost-Plattform", sagte Friis und meint damit wohl vor allem Vertrauen in den Kopierschutz.

Inhalte schützen, Google abhalten

Wenn Joost schon bald Sendungen von CBS, Viacom, Warner, National Geographic oder MTV im Internet zeigt, möchten die Sender natürlich sicherstellen, dass ihre Inhalte nicht anschließend als Raubkopien durch das Internet geistern.

Das Engagement dürfte aber noch einen strategischen Grund haben: Die Sender möchten mitreden, wer ihre Inhalte vertreibt. Auf keinen Fall wollen sie zulassen, dass Google noch mehr Einfluss auf den Markt für Bewegtbilder im Netz erhält. Seitdem Google die Videoplattform Youtube für 1,3 Milliarden Euro übernommen hat, fürchten die Fernsehsender die neue Konkurrenz im Internet. News Corp. und NBC haben daher schon im März ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, um Filme im Internet zu vertreiben. Nun scheint Viacom nach Branchengerüchten selber an einer Übernahme der Videoplattform Dailymotion interessiert.

Fernseh-Community Joost

Zennström und Friis gehen aber einen anderen Weg. "Joost wird das Internet als Zuliefernetzwerk für das Fernsehen nutzen. Und wir reden hier über große Bildschirme und professionelle Programme. Die Menschen können dann die Filme oder Serien sehen, wann immer sie möchten. In Kombination dazu gibt es die Möglichkeiten sozialer Netzwerke aus dem Internet: Die Menschen können kommunizieren, Inhalte austauschen oder Filme gemeinsam anschauen", beschreibt Zennström das Projekt (F.A.Z. vom 29. Januar).

Geplant ist beispielsweise eine Suchfunktion für Filme, eine Liste der Freunde, die auch gerade online sind, und Bewertungsfunktionen für die Filme, wie es heute im Web 2.0 angesagt ist. Später können die Nutzer ihre eigenen Lieblingsprogramme zusammenstellen und austauschen. Joost soll die erste Fernseh-Community der Welt werden, in der künftig auch die Fernsehsender ihre Filme inklusive Werbung selbst auf die Plattform hochladen können. Da die Nutzer im Internet - im Gegensatz zum Fernsehen - individuell angesprochen werden, versprechen die Internet-Fernsehmacher personalisierbare Werbung, deren Streuverluste geringer sein sollen als im klassischen Fernsehen.

„Ein revolutionäres Produkt“

Neben Joost sitzen eine ganze Reihe Anbieter wie Vudu in den Startlöchern, die das Internetfernsehen als nächste große Welle ausgemacht haben. "Vudu ist ein revolutionäres Produkt, das den Weg, Filme zu erhalten und zu schauen, transformieren wird", verkünden die Gründer des amerikanischen Unternehmens großspurig auf ihrer Internetseite. Im Sommer soll die Vudu-Box auf den Markt kommen, die schon zum Start 5000 Filme - ohne Umweg über den Computer - aus dem Internet auf den Fernsehschirm bringen soll.

In Deutschland hegen ARD und ZDF Pläne, noch in diesem Jahr große Teile ihres Programms ins Internet zu stellen, um junges Publikum anzusprechen. Ihnen könnte allerdings das Schweizer Unternehmen Zattoo zuvorkommen, das die Inhalte der Fernsehsender mit wenigen Sekunden Verzögerung im Internet überträgt. Bisher ist Zattoo nur in der Schweiz, Dänemark und Großbritannien auf Sendung, will aber in diesem Sommer in Deutschland loslegen. ARD, ZDF und die RTL-Sender machen bei Zattoo mit.

„Größte Video-on-demand-Plattform der Welt“

In Deutschland mühen sich Internetunternehmen wie T-Online und Arcor schon seit Jahren mit mäßigem Erfolg ab, attraktive Filme in ihre Online-Bibliotheken zu bekommen. United Internet ist daher eine Kooperation mit dem Fernsehsender Pro Sieben Sat.1 eingegangen, der für die Inhalte im gemeinsamen Videodienst Maxdome sorgt. "1,2 Millionen Videos werden im Monat abgerufen. Damit ist Maxdome die größte Video-on-demand-Plattform der Welt", sagte Ralph Dommermuth, der Vorstandsvorsitzende von United Internet.

Quelle: ht./F.A.Z., 14.05.2007, Nr. 111 / Seite 29
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