04.10.2006 · EADS macht sich bereit für radikale Veränderungen beim Airbus. Alles steht auf dem Prüfstand. In den nächsten Monaten sollen die Details für ein Verbesserungsprogramm ausgearbeitet werden.
Herr Enders, Was bedeutet das Sanierungsprogramm industriell für die einzelnen Standorte?
Christian Streiff, unser neuer Airbus-CEO, hat in sehr kurzer Zeit den Rahmen für ein sehr umfangreiches und auch radikales Verbesserungsprogramm namens Power8 abgesteckt. Das muß in den nächsten Monaten im Detail ausgearbeitet werden. Wir sind daher jetzt noch nicht in der Lage, zu sagen, was dies genau dies für die einzelnen Standorte bedeutet. Aber die Situation von Airbus ist deutlich kritischer als im Juni, als wir mit der Ankündigung der zweiten Verspätung herauskamen. Wir müssen jetzt auch Tabuthemen angreifen, darunter die hergebrachte Arbeitsteilung im Unternehmen, "make or buy"-Themen oder die Endlinienfrage.
Warum waren diese Themen tabu?
"Tabu" steht für national oder polititsch sensitiv. Wir müssen in der jetzigen Situation schlicht und einfach alle Maßnahmen erwägen, die nicht nur die Profitabilität verbessern, sondern auch die Prozesse und Organisation so verändern, daß wir langfristig wettbewerbsfähig bleiben. Nach unserem A380-Audit wissen wir, daß wir hier erheblichen Handlungsbedarf haben.
Die französische Regierung als Großaktionär und andere Regierungen haben bei ihnen Einfluß. Was können sie umsetzen von dem wirtschaftlich Vernünftigen?
Es ist richtig, daß wir erhebliche Leistungen der Regierungen erhalten haben, auch um gegenüber unserem ebenfalls staatlich unterstützten Wettbewerber Boeing konkurrenzfähig bleiben zu können. Insofern ist es nachzuvollziehen, daß es hier politische Anliegen und Befürchtungen gibt. Wir werden zu gegebener Zeit auf die verantwortlichen Entscheidungsträger zugehen, und über unsere konkreten Absichten informieren.
Engen Sie die staatliche Projekthilfen in Ihrer Freiheit ein?
Ich bin davon überzeugt, daß all jene, die in der Vergangenheit zum großen Erfolg von Airbus beigetragen haben - darunter nicht zuletzt die Regierungen - auch in Zukunft daran interessiert sind, daß Airbus wettbewerbsfähig bleibt. Airbus braucht radikale Veränderungen. Das zeigt die A380-Krise. Christian Streiff hat hier meine volle Unterstützung.
Wird Hamburg ein Verlierer der Neuordnung, wenn die A380 abgezogen wird, die A320 aber kommt?
Zunächst einmal gibt es überhaupt keine neue Entscheidung über die Zuständigkeiten von Toulouse und Hamburg. Wir sagen nur, daß wir alle Maßnahmen zur Effizienzsteigerung prüfen werden, darunter auch das Endlinienthema. Hamburg ist und bleibt sicher auch in Zukunft unser zweitwichtigster Airbus-Standort. Es gibt also keinen Grund für Alarmismus.
Kann Airbus noch in diesem Jahr den A350 in Angriff nehmen?
Das ist eine wichtige Frage. Fakt ist, wir haben jetzt erhebliche zusätzliche Belastungen zu verkraften. Es gibt keinen Automatismus, was die Entscheidung für die A350 angeht. Wir prüfen in den nächsten Wochen intensiv, ob die Voraussetzungen für einen Start gegeben sind. Haben wir die notwendigen finanziellen Ressourcen? Stehen ausreichend Entwicklungskapazitäten zur Verfügung? Wie ist hier die Wechselwirkung mit anderen laufenden Programmen? Stimmen die industriellen Prozesse, haben wir die richtigen Lehren aus den A380-Problemen gezogen? Diese Fragen müssen vorher beantwortet werden.
Der A320 ist der Goldesel von Airbus, und muß in der Zukunft auch erneuert werden. Ist dies jetzt auch bedroht?
Die A320-Familie verkauft sich in der Tat sehr gut; das ist heute unser Brot- und-Butter-Geschäft. Irgendwann muß dieses Segment erneuert werden. Wir haben hier aber keinen Druck, vorzupreschen. Richtig ist, daß wir bei all unseren Planungen darauf achten, daß unsere Reaktionsfähigkeit im Single-Aisle-Bereich nicht kompromittiert wird, sollte Boeing eines Tages seine 737-Familie erneuern.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.387,89 | +0,81% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2545 | +0,03% |
| Rohöl Brent Crude | 107,17 $ | −0,08% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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