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Interview „Mit Funketiketten können wir Millionen sparen“

07.03.2006 ·  Hans-Joachim Körber, Vorstandsvorsitzender der Metro AG, über die Möglichkeiten der Funktechnologie RFID, immense Kostensenkungen und darüber, warum leere Regale bald der Vergangenheit angehören werden.

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Hans-Joachim Körber, Vorstandsvorsitzender der Metro AG, über die Möglichkeiten der Funktechnologie RFID, immense Kostensenkungen und darüber, warum leere Regale bald der Vergangenheit angehören werden.

Herr Körber, was hat ein Handelskonzern wie die Metro auf der Cebit zu suchen?

Wir haben uns vorgenommen, innovative Technologien in der Handelsbranche voranzutreiben. Dafür hat die Metro-Gruppe im Jahr 2002 die "Future Store Initiative" ins Leben gerufen. Zusammen mit mehr als 60 Partnerfirmen arbeiten wir dort intensiv daran, neue, vielversprechende Technologien zu entwickeln und zu erproben. Die Cebit ist eine hervorragende Plattform, um die bisherigen Erfolge einem breiten Publikum vorzustellen. Im Mittelpunkt unseres Messeauftritts steht die Radiofrequenz-Identifikation. Wir wollen den Messebesuchern zeigen, welches immense Potential diese Technologie hat, wie sie funktioniert und wo sie schon heute zum Einsatz kommt. Wir präsentieren RFID zum Anfassen - mit Hilfe interaktiver, multimedialer Exponate bringen wir unseren Gästen die komplexe Technik auf leichtverständliche Weise näher. Unser Auftritt auf der Cebit unterstreicht die Position der Metro als Innovationsführer im Handel: Wir sind das erste Handelsunternehmen der Welt, das sich in dieser Form auf der Cebit präsentiert.

Sind die RFID-Funketiketten nicht reine Zukunftsmusik?

Ganz im Gegenteil. RFID kommt schon heute in vielen Bereichen des Alltags erfolgreich zum Einsatz: So gelangen beispielsweise Skifahrer dank RFID schneller auf die Piste, da die Technologie den Zugang zu den Liften beschleunigt. Pharmaunternehmen schützen ihre Tabletten mit RFID vor Fälschungen. Im Hamburger Hafen hilft die Technologie dabei, die Container auf die richtigen Schiffe zu verladen. Auch Automobilindustrie und Tierzüchter verwenden RFID, um Ihnen nur einige Beispiele zu nennen. Die Metro setzt die Technologie seit November 2004 schrittweise entlang der gesamten Prozeßkette ein. Wir sind davon überzeugt, daß eine flächendeckende Einführung die Abläufe in der Konsumgüterindustrie revolutionieren wird.

Welche Vorteile versprechen Sie sich von der Technik?

Viele Technologien, die im Rahmen der "Future Store Initiative" erprobt und weiterentwickelt werden, sollen vor allem eines bewirken: effizientere Prozesse. Dies gilt besonders für RFID. Denn damit können wir den Weg der Ware vom Hersteller bis ins Verkaufsregal lückenlos nachvollziehen. Das bedeutet schnellere Abläufe und geringere Kosten. Außerdem erlaubt uns die transparente Prozeßkette, unsere Qualitätssicherung weiter zu verbessern: Fehlerhafte Chargen lassen sich noch schneller und präziser zurückverfolgen.

Können Sie das Einsparpotential beziffern?

Uns liegen die Ergebnisse einer Fallstudie vor, die wir im Jahr 2003 gemeinsam mit Procter & Gamble sowie IBM formuliert haben. Im September 2005 wurden die dort getroffenen Annahmen überprüft. Das Resultat hat unsere Erwartungen nicht nur bestätigt, sondern sogar übertroffen. Denn allein in Deutschland lassen sich immense Kostensenkungen erzielen: bei den Vertriebsmarken Metro Cash & Carry und Real sowie bei den Distributionslägern der Metro-Gruppe können mit Hilfe von RFID 8,5 Millionen Euro jährlich gespart werden. Und dabei wurden erst zwei von insgesamt elf Prozeßschritten entlang der Lieferkette betrachtet.

Bringt das auch etwas für den Verbraucher?

Auf jeden Fall. Mit Hilfe von RFID können wir beispielsweise sicherstellen, daß unsere Waren noch höhere Qualitätsstandards erfüllen. Außerdem lassen sich Ausverkaufsituationen besser vermeiden. Sie wissen ja sicher aus eigener Erfahrung, daß nichts ärgerlicher ist als ein leeres Regal.

Könnte von RFID letztlich sogar die ganze deutsche Wirtschaft profitieren?

Ich bin davon überzeugt, daß die Etablierung neuer Technologien die Zukunft des Standorts Deutschland sichert. Nur innovative Produkte und Dienstleistungen können neue Arbeitsplätze schaffen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes gewährleisten. RFID ist eine Schlüsseltechnologie mit dem Potential, Abläufe bei Industrie, Handel und im Dienstleistungssektor zu revolutionieren. Deutschland hat die große Chance, bei der Entwicklung und Umsetzung von RFID international ganz vorne mitzuspielen und so positive Impulse am Arbeitsmarkt auszulösen.

In welcher Weise nimmt die Metro Einfluß auf die technische Entwicklung bei den Partnerunternehmen?

Die Metro "Future Store Initiative" lebt von der Vielfalt ihrer Partner. Konsumgüterkonzerne und Logistikdienstleister sind ebenso vertreten wie Hersteller von Soft- und Hardware, Chips und Netzwerktechnologie. Hinzu kommen Beratungs- und Dienstleistungsfirmen. Jeder Partner bringt sein spezifisches Know-how ein. Gemeinsam gestalten wir die Handelslandschaft von morgen.

Welche Rolle spielt dabei der Datenschutz?

Neue Technologien wie RFID werden nur dann von einer breiten Öffentlichkeit akzeptiert, wenn sie den Datenschutz und die Privatsphäre der Verbraucher respektieren. Die Metro verpflichtet sich gemeinsam mit allen anderen Mitgliedern von EPCglobal, der internationalen Standardisierungsorganisation für die auf dem Chip gespeicherten Daten, freiwillig zu einem verantwortungsvollen Umgang mit RFID: Die Smart Chips im Handel speichern keine persönlichen Daten des Kunden. Alle Bereiche, in denen der Verbraucher mit der Technologie in Berührung kommt, sind deutlich gekennzeichnet. Uns ist es sehr wichtig, die Kunden offen und umfassend über die RFID-Technologie zu informieren. Und wir gehen sogar noch einen Schritt weiter: Für unseren Future Store haben wir einen sogenannten De-Aktivator entwickelt. Damit können die Kunden die auf ausgewählten Artikeln angebrachten Smart Chips dauerhaft unbrauchbar machen.

Was kann man auf der Cebit konkret in Halle 6 sehen?

Dort dreht sich alles um "Auto ID/RFID". Wir zeigen auf unserem Messestand, wie vielfältig die Radiofrequenz-Identifikation einsetzbar ist. Logistik, Handel und Privathaushalt stehen ebenso auf dem Programm wie viele andere Lebensbereiche, in denen RFID schon heute angewendet wird.

Die Fragen stellte Carsten Knop.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. März 2006
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