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Interview Mehr Musik mit MP3

31.08.2001 ·  Darüber, wie MP3 unseren Musikkonsum weiter verändern wird, sprach FAZ.NET mit MP3-Erfinder Karlheinz Brandenburg.

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„Tom's Diner“ von Suzanne Vega war der erste MP3-Song. Karlheinz Brandenburg bearbeitete das A-Capella-Stück, bis die komprimierte Version für durchschnittliche Ohren vom Original nicht mehr unterscheidbar war. Dank MP3 kann man heute diesen und viele andere Songs übers Mobiltelefon hören. Im Gespräch mit FAZ.NET blickte der Wissenschaftler in eine musik-erfüllte Zukunft.

Wie wird die digitale Kodierung von Musik unsere Hörgewohnheiten weiter verändern?

Ich glaube nicht, dass die Leute ihre CD-Sammlungen aufgeben werden. Es wird jedoch Ergänzungen geben. Hier setzt auch die Vision der „Intelligenten Stereoanlage“ an. Die ersten Geräte sind ja bereits auf dem Markt. Aber es wird weitere Entwicklungen geben. Man wird die Kombination aus den Welten haben: Eine CD wird in die Stereoanlage gelegt und gleich auf der lokalen Festplatte gespeichert. Man wird sehr komfortabel Titel suchen können und das Gerät kann ähnliche Titel finden, Neuerscheinungen benennen und weitere Informationen liefen.

Der Hörkomfort, insbesondere wenn man nicht nur die Standardstücke hören will, wird verbessert werden: Verschiedene Versionen eines Liedes, zum Beispiel aus Live-Konzerten, werden über Internet auffindbar und zusammenstellbar sein. Insgesamt wird es eine weitere Auffächerung geben, insbesondere für Nischen-Geschmäcke. Die Art, wie man zu Musik kommt und sie hört, wird sich deutlich verändern.

Welche Auswirkungen wird MP3 auf den Markt für materielle Tonträger zukünftig haben?

Das hängt stark damit zusammen, welche Geschäftsmodelle es hier in Zukunft geben wird und wie sich die großen Plattenfirmen weiter verhalten.Kurzfristig ist das schwer abzuschätzen. Solange sich die ganzen neuen Möglichkeiten, die sich auf dem legalen Markt bieten, auf unbekannte Künstler und weniger gute Musik beschränken, wird es ein großes Piraterieproblem geben.

Langfristig wird der Gesamtumsatz im Musikbereich und das, was die Menschen bereit sind, für Musik auszugeben, ansteigen. Impulskäufe werden möglich; Stücke, die sonst schwer oder gar nicht zu erreichen sind, werden greifbar. Die direkten Verknüpfungsmöglichkeiten zwischen Musikhören und Einkauf oder auch Abonnements und individuelle Zusammenstellungen werden zu erhöhtem Musikkonsum führen.

Auf der IFA stellen Sie neue Anwendungsfelder von MP3 und den Weiterentwicklungen vor, so zum Beispiel beim Internetradio und auch beim Telefonieren. Wohin entwickelt sich MP3 weiter?

Es gibt schon weitere Felder, die derzeit angegangen werden. In den USA entwickelt eine Firma kleinere Platten nach der Art von CDs. Dort wird Musik in komprimierter Form enthalten sein. Das ist eine mögliche Nachfolge der CD.

Die Kompressionsverfahren können aber überall eingesetzt werden, wo die Menge der Daten, die gespeichert oder übertragen werden müssen, mit finanziellem Aufwand verbunden ist. Das ist ja fast überall der Fall.

Das Gespräch führte Christina Voegele.

Quelle: @cvoe
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