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Interview "Gut für die Seele"

18.07.2005 ·  Was heißt schon Arbeitsplatz, der durch die WM geschaffen werde? Viele sind Sechs-Wochen-Jobs, etwa wenn jemand Tickets abreißt oder Getränke verkauft. Interview mit einem Professor für Sportökonomie.

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Herr Preuß, was bringt die Fußball-WM wirtschaftlich?

Das ist schwierig zu beantworten und hängt von den jeweiligen Branchen ab. Es wird ja viel gebaut, dadurch werden Arbeitsplätze geschaffen. Die Frage ist, wie sinnvoll es ist, wenn man neue Stadien baut und sie nur sechs Wochen auslastet. Man sieht das ja in Japan, wo einige Stadien wieder abgerissen wurden.

Das wird in Deutschland wohl nicht passieren...

Nein, sicher nicht. Und wenn der Bau sogar vom Bund unterstützt wird wie im Falle des Berliner Stadions, dann kurbelt das die regionale Wirtschaft besonders an. Die Wirtschaft wird stimuliert.

Welche Branchen werden denn außer der Bauindustrie profitieren?

Zum Beispiel die Elektrogeräteindustrie. ARD und ZDF haben beschlossen, die WM im 16-zu-9-Format zu übertragen. Wer also das komplette Bild ohne schwarzen Balken haben will, kauft sich einen neuen Fernseher. Das hat man damals auch bei den Olympischen Spielen gesehen, als der Farbfernseher eingeführt wurde. Neue technologische Schritte werden im Zuge eines Großevents umgesetzt.

Und was ist mit dem Tourismus?

Das gesamte Gastgewerbe wird gewinnen. Wenn die ausländischen Touristen sechs Wochen in Deutschland sind, profitieren Hotels, aber auch die Deutsche Bahn.

Die Bundesagentur für Arbeit und der Deutsche Fußball-Bund gehen davon aus, daß durch die WM etwa 50.000 Arbeitsplätze entstehen. Ist das realistisch?

Wenn ich bedenke, daß bei Olympischen Spielen rund 200.000 Arbeitsplätze entstehen, dann sind 50.000 eine niedrige Zahl. Aber was heißt Arbeitsplatz? Viele sind Sechs-Wochen-Jobs, etwa wenn jemand mit dem Bauchladen rumrennt, Getränke verkauft oder Tickets abreißt.

Was bedeutet die WM denn für das Image des Landes?

Das hängt von vielen Einflußfaktoren ab, die nicht vorhersagbar sind wie Hooligans oder Terroranschläge. Wahrscheinlich würde aber ein Terroranschlag gar nicht negativ auf das Image wirken, weil jeder heutzutage weiß, daß das passieren kann. Aber wenn wir es nicht schaffen, die WM richtig gut zu organisieren, dann wäre das schlecht für das Image. Das hat man bei den Olympischen Spielen in Atlanta 1996 gesehen.

Wie realistisch sind Voraussagen über einen Beitrag der WM zum Wirtschaftswachstum?

Was direkt mit der WM zu tun hat, läßt sich recht realistisch vorhersagen. Letztlich wird die WM das Wachstum nur geringfügig beeinflussen. Sie ist kein Allheilmittel für wirtschaftliche Probleme, auch wenn sie der deutschen Seele guttut.

Was bedeutet die WM für die Austragungsorte?

Die Leute kommen hinterher nicht in die Städte, um sich die Sportstätten anzuschauen. Man stellt sich vielmehr die Frage: Ist es dort freundlich oder unfreundlich, habe ich dort Spaß, herrscht dort ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis?

Holger Preuss ist Juniorprofessor für Sportökonomie und -management an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

Quelle: isk., Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 17.07.2005, Nr. 28 / Seite 35
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