19.02.2002 · Nicht die viel gelobten "Soft Skills" machen Frauen im Beruf erfolgreich. Stattdessen zählt der Wille zum Erfolg, sagt Ford-Top-Managerin Barbara Kux.
Was Frauen im Beruf erfolgreich macht, sind nicht die hoch gelobten Eigenschaften wie Kommunikationsfähigkeit und Sensibilität. Was zählt, ist der Wille zum Erfolg und ob man die gesetzten Ziele für eine Position erreicht, sagt Barbara Kux. Die Top-Managerin berichtet direkt an den Ford-Europa-Chef, schafft von Köln aus Synergien zwischen allen Ford-Marken in Europa und ist verantwortlich für ein Geschäft von 35 Milliarden Dollar.
Das „Wall Street Journal Europe“ wählte die 48-jährige Schweizerin im vergangenen Jahr unter die erfolgreichsten Geschäftsfrauen in Europa. Flexibilisierung der Arbeitszeit und Dezentralisierung des Arbeitsplatzes sind nach Kux' Einschätzung entscheidend, um den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen und heterogene Teams zu schaffen. In der FAZ.NET-Wochenserie "Frauen im Beruf" spricht die Ford-Top-Managerin über die Erfolgsfaktoren für Frauen in Unternehmen.
Sie sind eine der wenigen Frauen, die in einem internationalen Unternehmen oben stehen. Clara Furse, Chefin der Londoner Börse, sagt, die Geschlechterfrage spiele keine Rolle. Was sagen Sie?
Ja, die Geschlechterfrage spielt eine Rolle, aber eine andere als bisher. Denn wir befinden uns mitten im Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft, und was in der Wissensgesellschaft wettbewerbsentscheidend ist, sind Ideen. Das heißt, dass Attribute, die Firmen in der Vergangenheit erfolgreich gemacht haben, nicht mehr unbedingt dieselben sind wie in der Zukunft. Der Ideenwettbewerb der Zukunft basiert auf Kreativität. Verschiedene Untersuchungen haben erwiesen, dass heterogene Teams kreativer sind als homogene. Heterogenität in Firmen kann im Wesentlichen durch drei Merkmale geschaffen werden: Alter, Nationalität und Geschlecht. Für Unternehmungen, die im Ideenwettbewerb der Zukunft nachhaltig erfolgreich sein wollen, ist deshalb die Rolle von Frauen bedeutend.
Außerdem gibt es weltweit einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften und auf der anderen Seite einen großen Talentpool. Ich denke, dass es in der Zukunft entscheidend sein wird, diesen Pool optimal für die Wirtschaft zu nutzen. Auch in Deutschland kann der Talentpool an hochqualifizierten Frauen besser ausgeschöpft werden. Aus diesem Grund würde ich sagen, dass Frauen im 21. Jahrhundert eine bedeutendere Rolle in der Wirtschaft spielen können und sollen.
Wo die Geschlechterfrage weniger eine Rolle spielt, ist beim Erwerb oder auch beim Ausüben einer Managementposition, weil dort dieselbe Messlatte angelegt wird, unabhängig von Alter oder Geschlecht. Dort geht es einfach darum, die Ziele, die gesetzt sind, zu erreichen. Dabei zählt die Persönlichkeit, die Ausbildung, die Erfahrung und der Wille.
Was haben Frauen wie Marjorie Scardino, Chefin des Pearson-Verlags, Clara Furse und Sie anders gemacht als die meisten Frauen?
Sie haben genau dasselbe richtig gemacht wie erfolgreiche Männer in diesen Positionen. Ich denke da an Joe Ackermann von der Deutschen Bank oder Thomas Middelhoff von Bertelsmann. Sie haben die richtigen Unternehmensziele angestrebt, ihre Teams motiviert und diese Ziele erreicht.
Es gibt kaum bekannte Unternehmerinnen in Deutschland. Kein Dax-Unternehmen wird von einer Frau geführt. Woran liegt es, dass speziell in deutschen Unternehmen kaum Frauen in den obersten Führungsebenen zu finden sind? Fehlen Vorbilder?
Es gibt internationale Vorbilder, die diese Funktion wahrnehmen können. Ansatzpunkte in Deutschland sind vor allem Arbeitsmodelle wie Flexibilisierung der Arbeitszeit und Dezentralisierung der Arbeit, die uns die heutige Informationstechnologie weitgehend ermöglicht. Bei Ford bieten wir Frauen und auch Männern an, ihr Arbeitspensum über einen bestimmten Zeitraum zu reduzieren oder an mehreren Tagen von einem vorher abgestimmten Platz aus zu arbeiten. Das hat im internationalen Rahmen dazu geführt, den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen. Mit Flexibilisierungs- und Dezentralisierungsmodellen werden Unternehmen im „war for talents“ den Talentpool Frauen noch besser ausschöpfen können.
Welche Charaktereigenschaften und Fähigkeiten sind für Frauen wichtig auf dem Weg in Führungspositionen?
Dieselben Eigenschaften wie für Männer: Persönlichkeit, vor allem auch Teamfähigkeit, Ausbildung, Erfahrung und sehr viel Wille - Wille zum Erfolg.
Gibt es Fehler, die Frauen eher machen als Männer?
Das sehe ich nicht. Frauen haben heute mehr Optionen bei ihrer Lebensgestaltung als Männer. Was mir wichtig erscheint, ist, dass sich eine Frau relativ früh darüber im Klaren ist, sich dann für eine Option entscheidet und versucht, diese Option möglichst konsequent umzusetzen.
Dabei sind zwei Dinge entscheidend. Zum einen ist es das Networking. Und ich spreche nicht nur davon, dass Frauen ein Netzwerk unter Frauen etablieren, sondern viel wichtiger ist, dass Frauen in Führungspositionen ein Teil der bestehenden Netzwerke sind. Was mir in meinem Fall sehr geholfen hat, ist die Verbindung zu McKinsey - die Ehemaligen sind eine große Familie - , meine Business School INSEAD in Fontainebleau, an der ich den MBA gemacht habe, und der Weltwirtschaftsgipfel in Davos, wo ich ein „Global Leader of Tomorrow“ bin. Das hat mir viele Kontakte zu Führungspersönlichkeiten in Industrie, Politik und Kultur verschafft.
Der zweite Punkt ist, gute Mentoren zu haben. Führungskräfte, die wesentlich mehr Erfahrung haben und die einem ab und zu einen Rat geben können. Es ist keine Glückssache, einen Mentor zu finden, sondern eine Sache des Willens und des Tuns. Es gibt viele gute Führungskräfte in Top-Positionen, die gerne die Funktion eines Mentors übernehmen und jemandem, der jung ist, zum Erfolg verhelfen. Sie waren einmal genau in derselben Situation und haben auch jemanden gebraucht, der sie gefördert hat.
Haben Frauen auch manchmal Vorteile?
Das ist sehr schwierig abzuschätzen. Denn in Führungspositionen geht es darum, Ziele zu erfüllen. Mir hat der weibliche Charme oftmals geholfen, zum Beispiel wenn es darum ging, einen entscheidenden Termin bei einem Minister in Polen oder Russland zu bekommen.
Gibt es Branchen, in denen es Frauen leichter oder schwerer haben?
Es ist weniger die Branche als die Frage, etwas zu tun, was einem Freude macht. Dann ist man automatisch besser. Und das gilt für Männer und Frauen. Es hängt sehr viel mehr mit der Affinität zusammen, denn dann setzt man sich voll ein - und ist auch erfolgreich.
Eine Möglichkeit, den Anteil von weiblichen Führungskräften zu erhöhen, wäre über eine Quote. Wie stehen Sie dazu?
Das ist eine schwierige Frage. Wir haben noch nicht die Erfahrung, was der beste Weg ist, wobei ich eher glaube, dass als Priorität die entsprechende Infrastruktur geschaffen werden sollte - Flexibilisierung der Arbeitszeit und Dezentralisierung des Arbeitsplatzes - die es Frauen so ermöglicht, eine Führungsposition auszuüben, wenn sie das wollen. Bei einer Zielvorgabe im Sinne einer Quotenregelung, könnte es durchaus sein, dass man Frauen wie auch anderen Führungskräften Unrecht tut, und einfach blind versucht, ein vorgegebenes Ziel zu erreichen.
Wie wichtig ist Karriereplanung für Frauen? Wie viel war bei Ihnen geplant, wie viel war Glück?
Frauen sollten sich für eine Option in ihrer Lebensgestaltung entscheiden und diese dann möglichst konsequent umsetzen. Wenn man den Weg gewählt hat, einen großen Beitrag in der Wirtschaft zu leisten, sollte man sich überlegen, welche Erfolgsfaktoren dafür erfüllt werden müssen.
In meinem Falle war bedeutend, den MBA zu machen und Erfahrungen als Management-Consultant bei McKinsey zu sammeln. Ich hatte eine gewisse Planung, aber letztendlich war es sehr, sehr viel Einsatz und ein bisschen Glück.
Haben Sie das Gefühl, dass Sie als Top-Manager auf viele Dinge verzichten müssen?
Meine Tätigkeit bereitet mir Freude, und ich sehe in ihr einen Teil meiner Selbstverwirklichung. In den letzten zehn Jahren habe ich vom Grund aus marktführende Geschäftspositionen für Asea Brown Boveri und Nestle in Zentral- und Osteuropa mit einem Umsatz von vier Milliarden Dollar aufbauen können. Dabei konnte ich wertvolle Erfahrungen bei der Übernahme und Integration von zehn großen Unternehmungen mit insgesamt 25.000 Mitarbeitern gewinnen. Allein die Entwicklung der Manager und Mitarbeiter dieser Firmen über einen längeren Zeitraum voranzutreiben und die Resultate zu sehen, ist eine positive Erfahrung.
Bei all diesen Optionen, die Frauen heute haben, gibt es immer irgendwo einen Verzicht. In meinem Falle sehe ich dies weniger als Verzicht, sondern als Bereicherung. In den letzten Jahren habe ich in fünf verschiedenen europäischen Ländern leben können, habe diese beiden großen Geschäfte aufgebaut, habe mit vielen interessanten Menschen zusammenarbeiten können, wertvolle Kontakte in Politik, Wirtschaft und Kultur in Europa und Amerika geknüpft. Das ist eine enorme Bereicherung und hat mir geholfen, meine Persönlichkeit weiterzuentwickeln.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.387,89 | +0,81% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2545 | +0,03% |
| Rohöl Brent Crude | 107,17 $ | −0,08% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
Anonym bewerben? Ist das gut?