Die CeBIT zeigt es erneut: Handy, Fernsehen, PC, Automobil - der Zugang zum Internet wird allgegenwärtig. Die US-Softwarefirma Inktomi bringt Ordnung in die Datenflut. Der Konzern programmiert leistungsfähige Suchmaschinen für das Netz. Eric Brewer gehört zu den Gründern des Unternehmens. Er sagt voraus: „Bald werden wir ständig online und mit dem Internet verbunden sein. Allerdings glaubt er im Gespräch mit FAZ.NET nicht an die volle Konvergenz der Medien: „Es wird immer Inhalte geben, die man nur am PC abruft, und Inhalte, die ausschließlich für das Fernsehgerät geeignet sind.“
Alle Welt redet von Content - für das Internet aber auch für das Fernsehen. Ihrer Meinung nach gibt es Inhalte, die eher für den PC-Bildschirm als für den TV-Bildschirm geeignet sind. Welche sollen das sein?
Nehmen Sie die Sportberichterstattung. Sie wollen die für sie wichtigste Szene eines Baseballspiels mehrmals hintereinander anschauen. Oder Sie beobachten das Spiel und können sich gleichzeitig interessante Statistiken anklicken. Das wären Inhalte typisch für den PC. Man pickt sich das persönliche Highlight heraus - das Ganze ist interaktiv.
Das klingt aber dennoch sehr interaktivem Digitalfernsehen iDTV.
Nicht unbedingt. Ich unterscheide zwischen aktiven und passiven Usern. Und TV-Zuschauer sind eher passiv. Sie haben keine PC-Tastatur, sitzen viel weiter entfernt, womöglich nicht einmal alleine. Sie sind viel weniger fokussiert. An den PC geht man mit einem bestimmen Ziel und einer Aufgabe heran - der Computer ist nichts für das Wohnzimmer. Dort will man sich erholen.
Das Internet ist immer noch sehr anarchisch mit täglich Millionen neuen Seiten...
Das ist ein Teil seiner Schönheit...
... sicher, aber wird es nicht trotzdem mehr Ordnung geben müssen in der Zukunft, damit der Massenmarkt aufspringt?
Es wird immer mehr geordnete Zugangspunkte zum Netz geben. Die sind lokal, regional, national geprägt. Die Informationen werden auf den jeweiligen geographischen Teilbereich zugeschnitten sein, ganz einfach, weil es immer mehr lokalisierten Content gibt. Am Ende, in der perfekten Internet-Welt, ist dann alles lokalisiert.
Wo stehen wir mit dem Internet in fünf Jahren, wir der Normalbürger?
Der wichtigste Unterschied wird sein, dass wir ständig online sind. Das heißt, wir können uns überall und zu jeder Zeit ins Internet einloggen. Bis dahin bleibt noch viel Arbeit. Im Mobilbereich waren die WAP-Erfahrungen alles andere als positiv. Und beim Festnetz werden wir DSL haben. Und diese Breitbandverbindung wird das ganze Internet-Verhalten im Vergleich zum heutigen Schmalband verändern. Man ist mehr aktiv, man experimentiert mehr, ganz einfach, weil man mehr Möglichkeiten hat.
Stichwort UMTS - was halten Sie davon?
Wir haben das Problem mit dem kleinen Handy-Bildschirm. UMTS ist kompliziert und teuer zu installieren. An Videoapplikationen glaube ich nicht.
Ist die Mobilfunkhysterie nicht nur eine Marotte, eine kurzlebige Modeerscheinung wie das Skateboard?
Einige der Content-Angebote mögen eine Marotte sein und vergehen. Aber für den Kommunikationsbereich hat es grundsätzlich nie ein Zurück gegeben. Seit der Erfindung des Telefons sprechen, interagieren und kommunizieren die Menschen immer mehr. Und so wird es auch weitergehen - auch mit Hilfe des Mobiltelefons.
Wann wird alles vernetzt sein, wann werden beispielsweise ein „intelligentes Haus“ haben, in dem alles per Fernabruf steuerbar ist?
Als Prototyp ist das schon heute kein Problem, aber bevor das ein Massenphänomen wird, da vergeht viel Zeit. Dafür muss alles einfacher werden, und wir brauchen die Infrastruktur. Es gibt da ganz triviale Probleme. Um eine Garagentür entsprechend aufzurüsten, dass man sie über Handy steuern kann, muss man bestimmt 80 Dollar bezahlen. Wer gibt das aus? Macht das jemand? Dasselbe mit der Spülmaschine, dem Fernseher - diese Geräte halten zig Jahre, bevor sie ausgetauscht werden müssen. Doch wenn der Zeitpunkt für diese Veränderungen kommt, dann gilt nur eines: Es muss einfach zu bedienen sein, sonst gibt es keinen Massenmarkt.