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Internettauschbörse Megaupload Medienwirtschaft begrüßt Festnahme der Betreiber

21.01.2012 ·  Der Datentauschdienst Megaupload ist abgeschaltet und seine Betreiber im Gefängnis. Die Musikindustrie pocht nun darauf, auch gegen die Nutzer vorzugehen.

Von Marcus Theurer und Caroline Freisfeld
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Verbände der Musik- und Filmindustrie haben positiv auf die Abschaltung des Datentauschdienstes Megaupload reagiert. "Mit Megaupload und Megavideo werden zwei zentrale Dienste aus dem Gefüge der parasitären Geschäftsmodelle von Filehoster-Portalsystemen zunächst vom Netz genommen", teilte die deutsche Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen mit. Sie wird von Unternehmen und Verbänden der hiesigen Film- und Unterhaltungssoftwarewirtschaft getragen. Auch die amerikanische Vereinigung der Filmwirtschaft (MPAA) begrüßte, dass amerikanische und internationale Strafverfolger gegen Megaupload vorgegangen waren.

„Kriminelle Mega-Verschwörung“

In der Nacht zum Freitag waren vier Betreiber und führende Mitarbeiter des sogenannten One-Click-Hosters Megaupload im neuseeländischen Auckland festgenommen worden, darunter der deutsche Internetunternehmer Kim Schmitz. Sie sollen auf den Servern ihres Unternehmens massiv Urheberrechte verletzt haben, indem sie Kopien von Musikstücken, Filmen, Fernsehserien, Büchern und Software reproduzierten. Nach Angaben der Ermittler soll dabei ein Schaden von mehr als einer halben Milliarde Dollar entstanden sein. Die Betreiber sollen mit dieser "kriminellen Mega-Verschwörung" 175 Millionen Dollar Gewinn gemacht haben, teilte das amerikanische Justizministerium mit.

Kurz nach der Bekanntgabe der Festnahmen und auch im Laufe des Freitags waren sowohl die Internetseiten des Justizministeriums als auch der MPAA wegen Hackerangriffen zeitweise nur schwer zu erreichen. Wie es auf dem Twitter-Account der Hackergruppe Anonymous hieß, handelte es sich dabei um eine Racheaktion für das Schließen von Megaupload.

„Gesetze bringen da nicht weiter“

Von deutschen Rechtsexperten wurde der Schlag gegen Megaupload begrüßt. "Die Betreiber solcher Plattformen zur Rechenschaft zu ziehen - das ist der Weg gegen Piraterie, den wir Urheberrechtler am schönsten finden", sagte Medienrechtler Karl-Nikolaus Peifer von der Uni Köln. Doch gelinge es nur selten, die Betreiber dingfest zu machen. Sie wüssten, in welchen Ländern sie unentdeckt bleiben könnten, und wären sehr mobil. "Wenn eine Download-Plattform geschlossen wird, entsteht woanders eine neue", sagte auch der britische Musikanalyst Mark Mulligan. Megaupload sei technisch ein "interessanter Anachronismus", sagte Mulligan. "Es gibt einen klaren Trend zu Piraterie-Angeboten, die ausgetüftelter und schwerer auszuschalten sind."

Die Musikindustrie pocht deshalb darauf, parallel auch gegen die Nutzer von Tauschbörsen vorzugehen. "Die Teilnahme an Tauschbörsen ist illegal", sagte Urheberrechtsexperte Winfried Bullinger von der Kanzlei CMS Hasche Sigle, der Mandanten aus der Musikindustrie vertritt. Oft seien es Jugendliche, die illegal herunterladen und dann auf Schadensersatz bis zu 5000 Euro verklagt werden. Der Anwalt plädiert für mehr Aufklärung bei Jugendlichen über das Urheberrecht. Universitätsprofessor Peifer fordert mehr legale Angebote im Netz, um Musik oder Filme herunterzuladen. "Gesetze bringen da nicht weiter. Wir brauchen gute Angebote aus der Wirtschaft - die Zahlungsbereitschaft ist da."

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Jahrgang 1972, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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