13.10.2003 · Nach dem Erfolg des Auktionshauses Ebay haben nun auch die Zollbehörden das Internet als Plattform entdeckt. Im Angebot: Alles, was vom Parfumfläschchen bis zum Rolls-Royce je beschlagnahmt wurde.
Von Eva WilkeJeder zweite Internetnutzer hierzulande war schon einmal bei Ebay, dem größten Auktionshaus in der Welt der Bits und Bytes. Die grandiose Begeisterung für die Amerikaner hat hiesige Behörden auf Ideen gebracht. Seit dem Frühjahr 2002 existiert daher ein Versteigerungs-Portal, das gerne an den Erfolg von Ebay anknüpfen würde, aber bislang noch weitgehend unbekannt ist: Die Zoll-Auktion.
Unter der Internetadresse www.zoll-auktion.de versteigern mittlerweile 193 Behörden - alles, was sie im staatlichen Auftrag gepfändet und beschlagnahmt haben. "Wir sind dabei, das Auktionshaus der öffentlichen Hand zu werden", sagt Jürgen Starck. Er ist im Team Zoll online 2005 für die Abwicklung der Auktion zuständig. Unter Schnäppchenjägern ist das Portal ein Geheimtip, weil dort auch alles verkauft wird, was in den Behörden ausgemustert wird.
Kleine Angebotspalette
"Unsere Jahreswagen sind der Renner", verrät Starck, Im Angebot sind zur Zeit 83 Fahrzeuge vom VW Polo über den E-Klasse- Mercedes bis hin zum Audi A8 4.2 quattro. Alle Wagen in dezenten Farben und ordentlich gepflegt. Zumindest suggerieren das die großen Fotos, die den jeweiligen Produktbeschreibungen im Internet beigefügt sind. "Einmal", so erzählt Starck, "haben wir auch einen Rolls-Royce versteigert."
Neben den Jahreswagen bietet die Zoll-Auktion in 26 Kategorien von Elektronik über Bekleidung bis hin zu Spirituosen/Parfum/Kaffee eine breite Auswahl an Nützlichem und Kuriosem. So wurden kürzlich ein Waldhorn und ein sächsisches "Gesetzes- und Verordnungsblatt" von 1868 versteigert. Die Angebotspalette ist aber nicht groß und verändert sich ständig.
Artikel aus Unternehmenspfändungen
Der Kreis der Bieter ist bisher eher klein. Insgesamt rund 100.000. "Das Publikum ist bunt gemischt", weiß Starck. "Wir haben sehr viele Privatpersonen und ein paar Wiederverkäufer." Alle Bieter sind in einer Datenbank erfaßt. Ordnung muß sein: Wer bei der Zoll-Auktion ein Gebot abgeben will, der muß sich vorher online anmelden. Mit Anschrift und E-Mail-Adresse. Und muß sich einen Zugangsnamen geben. Dieser Zugangsname erscheint dann mit dem jeweiligen Gebot auf der Seite des Versteigerungsobjektes.
Viele der angebotenen Gegenstände stammen aus Unternehmenspfändungen. So kommt es, daß eine Position mit 20 Neonröhren oder auch elf Herrenarmbanduhren aufgerufen werden. Es soll sogar schon eine Waggonladung Zement angeboten worden sein. Wer keinen Bedarf an Großmengen hat, muß nicht verzweifeln. Mit ein wenig Zeit und Geduld können auch sehr praktische Dinge in der Zoll-Auktion aufgespürt werden. Etwa ein original verpackter Markentoaster oder eine elektrische Kinderzahnbürste.
Rückgabe ausgeschlossen
Geduld müssen die Bieter nicht nur beim Warten auf das geeignete Angebot haben, sondern auch beim Ersteigern. "Wir haben uns bei der Gestaltung unserer Auktion an den Abläufen einer realen Versteigerung orientiert", erklärt Starck. So kommt es, daß bei jedem Objekt zwar ein voraussichtliches Ende der Versteigerung angegeben ist. "Allerdings ist es bei uns wie bei einer richtigen Versteigerung. Erst wenn am Ende der Versteigerungsfrist fünf Minuten kein neues Gebot eingeht, erhält der letzte Bieter den Zuschlag."
So kann es sein, daß ein Interessent ziemlich lange am Ball bleiben muß. "Die schnellen Schnäppchen kann man hier wahrscheinlich nicht machen", vermutet Michael Wachs von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Und findet weitere Haken: Wem seine eroberten Schätze im nachhinein nicht gefallen, kann sie nicht zurückgeben. Selbst wenn sich Mängel zeigen, ist eine Rückgabe ausgeschlossen.
Der Weg zur Ware
Ein weiteres Problem ist die Frage, wie der Bieter an seine Ware herankommt. Grundsätzlich gilt: Die ersteigerten Gegenstände müssen bei der Dienststelle abgeholt werden, die sie angeboten hat. Nur wenn es ausdrücklich in der Objektbeschreibung erwähnt ist, kann das ersteigerte Stück auch per Post seinen Besitzer wechseln - allerdings trägt der neue Besitzer dann das Transportrisiko. Außerdem wird die Ware erst auf die Reise geschickt, wenn der Auktionspreis und die Versandkosten vorher beglichen wurden. Für Wachs ist die Zoll-Auktion damit keine Alternative zu Ebay. "Das Ebay-Angebot ist wesentlich größer. Außerdem kann dort über den Versand und die Kostenaufteilung individueller verhandelt werden."
Über Versandkosten muß sich keine Gedanken machen, wer auf Präsenzauktionen Fundsachen ersteigert. Was in Bus, Bahn oder Flugzeug vergessen und nicht vermißt wird, kommt nach einer Aufbewahrungsfrist zwischen drei Monaten und einem Jahr unter den Hammer. Selbst Handys und Laptops gibt es dort günstig.
Wie bei allen realen Auktionen gilt auch bei Versteigerungen von Fundsachen: Gekauft wie gesehen. So beruhigt es, daß mit Ausnahme der Deutschen Bahn alle Versteigerer die Funktionsfähigkeit von Geräten überprüfen, die sie aufrufen. Fundsachen sind naturgemäß gebraucht und wegen der Aufbewahrungsfrist von bis zu einem Jahr nicht topaktuell. Das eine oder andere Schnäppchen läßt sich aber vielleicht dennoch erjagen.
Gewußt wo
Die Deutsche Bahn versteigert jeden Donnerstag von 9 bis 13 Uhr in Wuppertal alles, was auf ihrem Gelände liegengeblieben ist - ohne Rücksicht auf Funktionsfähigkeit.
Lufthansa läßt alle Fundstücke, zumeist Gepäck, vom Auktionshaus Wendt (www.wendt-auktionen.de) versteigern. Nächster Termin ist der 1. November 2003.
Der Flughafen Frankfurt versteigert Fundsachen vom Regenschirm bis zum Laptop fünfmal im Jahr. Das nächste Mal am 17. Oktober in Kelsterbach.
Der Flughafen Düsseldorf versteigert nur zweimal im Jahr seine Fundstücke. Die nächste Auktion ist am 27. November um 13 Uhr im Kinosaal an der Flughafenstraße.
Was in Bussen oder S-Bahnen vergessen wird, kann bei Auktionen entweder der Verkehrsunternehmen oder der städtischen Fundbüros ersteigert werden. Die Termine werden in der Tagespresse und auf den Internetseiten der Verkehrsgesellschaften aufgeführt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.388,65 | +0,86% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2545 | +0,03% |
| Rohöl Brent Crude | 107,18 $ | −0,07% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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