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Internet „Schluss mit der Umsonstmentalität im Internet"

20.11.2001 ·  Bezahlinhalte sollen ein Standbein für das Massenprodukt bild.de sein. Peter Würtenberger, Chef von bild.de, im FAZ.NET-Interview.

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Bereits im vergangenen Frühjahr verkündeten der Axel Springer Verlag und T-Online eine Allianz über das gemeinsame Unternehmen Bild.T-online AG. Nach ewigem Hin und Her, Personalquerelen und technischen Problemen ging Bild.de im August online. Flankiert durch eine wöchentliche Beilage in Bild seit Oktober, konnte bild.de bei den Page-Impressions seit August um 50 Prozent zulegen. Peter Würtenberger, ehemals Deutschlandchef bei Yahoo, seit Juli Chef von bild.de, äußert sich gegenüber FAZ.NET zur Refinanzierung durch kostenpflichtige Angebote und Plänen über das gemeinsame Joint Venture bild.t-online.de.

Herr Würtenberger, welche Rolle spielen Bezahlinhalte in Ihrem Business-Modell?

Die erste große Säule bei bild.de ist Online-Werbung und E-Commerce mit einer Shopping Mall, die wir derzeit ausbauen und noch stärker mit Partnern vernetzen werden. In Deutschland beträgt der Markt für Online-Werbung zirka 500 Millionen Mark, was alleine zu gering ist, um redaktionell erstellte Inhalte zu refinanzieren. Deshalb ist für uns die crossmediale Vermarktung eine wichtige zweite Säule unseres Geschäftsmodells. In der wöchentlich erscheinenden Beilage der BILD-Zeitung platzieren wir Partner wie zum Beispiel die Sparkasse oder Universal Music, die sowohl offline als auch online unsere Nutzer ansprechen. Die dritte Säule werden nutzerrefinanzierte Inhalte und Dienste sein, die in Zukunft mehr und mehr Erträge bringen soll.

Wie viel bringen Ihnen Bezahlinhalte jetzt schon ein?

Bislang gibt es noch keine Bezahlinhalte auf bild.de. Aber für die Zukunft ist das vorgesehen. Wir müssen uns alle verabschieden von der Umsonstmentalität im Internet. Wertvolle Inhalte können nicht kostenlos auf den Markt kommen. Allerdings wird auch künftig ein Großteil von bild.de noch frei verfügbar sein.

Wofür sollen Nutzer auf bild.de bezahlen?

Für eine normale News sicher nicht, aber für exklusive Nachrichten, exklusive Spiele, für exklusiven Kontakt zum jeweiligen Star über Live-Chats. Das Thema Erotik eignet sich ebenfalls hervorragend.

Warum haben Sie für das neue Moorhuhn-Spiel, das Sie exklusiv auf bild.de hatten, keinen Euro für jeden Download verlangt?

Weil wir mit dem Hersteller des Spiels eine Vereinbarung haben, dass das Spiel frei als Marketingmaßnahme auf den Markt geht. Wenn T-Online an Bord ist, werden wir auch kostenpflichtige Inhalte anbieten. Hier spielt natürlich auch das Thema Abrechnungssystem eine Rolle.

Wie weit ist denn die Zusammenarbeit mit T-Online?

Es ist alles auf gutem Wege. Sobald das Kartellamt zugestimmt hat, werden wir unser gemeinsames Unternehmen starten. Ziel ist es, rund 2,5 Millionen Bild-Zeitungsleser, die noch keinen Internetanschluss haben, innerhalb der nächsten fünf Jahre über das Joint-venture mit T-Online ins Netz zu bringen.

Wann geht die bild.t-online AG an den Start?

Wenn das Bundeskartellamt entschieden hat.

Kommt dann Bewegtbild, wie bild.de es seit langem angekündigt hat?

Momentan sind Bewegtbild-Chats über ISDN eher eine Qual. Über DSL läuft das aber wunderbar. Im Moment haben wir aber erst 800.000 DSL-Nutzer im deutschen Markt, aber im kommenden Jahr wird die Zahl stark ansteigen.

Sie setzen stark auf DSL. Das Rennen um breitbandige Zugangstechnologien ist aber doch noch nicht entschieden?

Bis das Kabel wirklich rückkanalfähig ausgebaut ist, bis die verschiedenen Interessensparteien sich geeinigt haben, welcher Standard eingeführt wird, bis die Kabelnetzbetreiber wirklich investiert haben, bis dahin hat die Deutsche Telekom und die anderen Anbieter, die auf Basis des Internet-Protokolls arbeiten, schon einen sehr großen Marktanteil bei DSL. Immerhin gibt es heute rund 24 Millionen Nutzer von ISDN oder Modem, die zukünftig mit DSL surfen werden.

Aber sind nicht die Fernsehzuschauer bei bild.de Ihre Zielgruppe?

Das stimmt, die werden wir auch nicht außer Acht lassen. Aber kurzfristig gesehen kann das Kabel nicht erfolgreich sein, weil Breitbandzugang über Kabel erst in zwei bis drei Jahren durchstarten wird. Und bis dahin hat DSL einen so großen Marktanteil, dass wir zumindest diejenigen, die internetaffin sind, auch über den PC erreichen werden.

Das Interview führte Nikola Wohllaib

Quelle: @wiz
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