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Internet-Plattformen Kredit von Herrn Schmidt

01.04.2007 ·  Eine neue Geschäftsidee macht die Runde und verunsichert die Verbraucher. Privatleute verleihen Geld an Privatleute. Das Internet führt sie zusammen. Auf den ersten Blick klingt das einleuchtend. Doch das Ganze ist auch gefährlich.

Von Sabine Hildebrandt-Woeckel
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Stefanie Laag, Finanzexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, ist kaum aus dem Urlaub zurück, da ist ihr Schreibtisch auch schon wieder voller Anfragen. Eine neue Geschäftsidee macht die Runde und verunsichert die Verbraucher. Innerhalb weniger Wochen sind mit eLolly, Smava, auxmoney oder sosmoney gleich mehrere Internetplattformen für private Kredite an den Start gegangen. „Und andere wollen folgen“, stöhnt Laag.

Auf den ersten Blick klingt die Idee einleuchtend: Ähnlich wie das Aktionshaus Ebay wollen die Plattformen private Kreditgeber und -nehmer zusammenbringen, ohne dass eine Bank nötig wäre. Und für beide soll die Vermittlung Vorteile haben. Die Kreditnehmer sparten sich Zinsen und Bearbeitungsgebühren, der Gläubiger bekomme eine höhere Rendite als bei anderen Anlageformen. Die Zinshöhe, die Sicherheiten und andere Konditionen machen die Privatleute dabei unter sich aus.

„Pro Minute gibt es eine Registrierung“

Glaubt man den Betreibern, ist das Interesse riesig. „Pro Minute gibt es eine Registrierung“, sagt der Geschäftsführer von eLolly, Dirk Morina. Genaue Zahlen allerdings gibt er nicht heraus. Nur so viel: 88 Prozent der Teilnehmer sind potentielle Kreditnehmer, 12 Prozent wollen Geld zur Verfügung stellen. Doch ganz so einfach, wie die Sache aussieht, ist sie nicht, meinen zumindest Finanzexperten. eLolly war kaum am Start, da veröffentlichte die Stiftung Warentest einen vernichtenden Artikel, der unter anderem auf Probleme des Datenschutzes aufmerksam machte.

Einige Regeln, so die zwingende Zustimmung zur Datenweitergabe, wurden zwar inzwischen zumindest bei eLolly geändert. Zufrieden sind die Verbraucherschützer aber noch nicht. Wer mitmachen will, betont auch Expertin Laag, muss immer noch eine gigantische Menge hochbrisanter persönlicher Daten eingeben und dafür auch noch 9,50 Euro Aufnahmegebühr bezahlen, ohne jedoch irgendeine Garantie zu haben, dass er am Ende auch einen Partner findet.

Neue Internetportale nur teilweise auf sicherer Seite

Auch wenn sie dies niemandem direkt unterstellen wolle, könne Laag jedoch nicht ausschließen, dass jemand auf den Zug aufspringe, eine Weile Aufnahmegebühren kassiere und dann auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Und dass Plattformen wie auxmoney ihren Firmensitz in Nevada haben, trägt nicht gerade zur Vertrauensbildung bei.

Neben Bedenken bezüglich des Datenschutzes und Betrugsvermutungen stellen Experten sich aber auch die Frage, ob es überhaupt rechtmäßig ist, wenn Privatpersonen Kredite vergeben. Schwer zu beantworten, wie nicht nur Ben Fischer, Sprecher der Finanzaufsicht Bafin, findet, wobei er jedoch betont, dass die Vermittlung von Krediten grundsätzlich erlaubnisfrei sei. In diesem Punkt also befinden sich die neuen Internetportale auf der sicheren Seite. Problematisch könnte es für sie nur werden, wenn sich auf ihren Seiten Anbieter tummeln, die das Verleihen gewerbsmäßig betreiben, denn das steht in Deutschland nur lizenzierten Banken zu.

Undercover in der eigenen Plattform unterwegs

Die Bafin kann nicht nur gegen Personen einschreiten, die ohne die erforderliche Erlaubnis in Deutschland Bankgeschäfte betreiben, sondern auch gegen Unternehmen, die in die Anbahnung oder die Abwicklung dieser Geschäfte einbezogen sind. Gewerbsmäßig sei das, „wenn der Betrieb auf eine gewisse Dauer angelegt ist und eine Gewinnerzielungsabsicht besteht“, sagt Fischer.

eLolly schreitet laut Aussage von Geschäftsführer Morina nach dem vierten Mal ein und ist außerdem undercover in der eigenen Plattform unterwegs, um professionelle Geldverleiher ausfindig zu machen, die eventuell nur unter anderen Namen auftreten.

Wichtig sei eine genaue Einzelfallbetrachtung

Handlungsbedarf, um gegen die neuen Plattformen einzuschreiten, sieht derzeit noch niemand. Man bleibe jedoch wachsam, sagt nicht nur Verbraucherschützerin Laag. Wichtig sei in jedem Fall eine genaue Einzelfallbetrachtung, betont Fischer, denn im Detail agierten keinesfalls alle Plattformen gleich. So ist bei Smava beispielsweise durchaus eine Bank im Boot, die den Kredit vergibt, ihn aber dann einem privaten Geldgeber abtritt.

Aus Sicht der Verbraucherschützer ist diese Modell zumindest auf den ersten Blick sicherer, als wenn sich wie bei eLolly und Co. wirklich Privatpersonen gegenüberstehen und damit alle verbraucherschützenden Regelungen des BGB außer Kraft sind. Abschließend beurteilen ließen sich jedoch beide Modelle noch nicht, sagt Laag. In nächster Zeit, schwant ihr, wird der Stapel auf dem Schreibtisch daher wohl noch wachsen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 01.04.2007, Nr. 13 / Seite 51
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