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Digitalkonferenz SXSW : Der Traum von der Unsterblichkeit

Martine Rothblatt Bild: AP

Martine Rothblatt ist transsexuell und die höchstbezahlte Vorstandsvorsitzende Amerikas. Auf dem Digitalfestival in Austin zieht sie das Publikum mit ihrer ebenso faszinierenden wie unheimlichen Zukunftsversion von künstlicher Intelligenz in den Bann.

          Die Digitalkonferenz South by Southwest versteht sich als ein Ort, an dem in die Zukunft geblickt wird, und auch weit hergeholte oder gar verrückte Ideen sind hier willkommen. Aber selbst manchen erfahrenen Festivalbesuchern schwirrte der Kopf, nachdem Martine Rothblatt hier am Sonntag ihren Auftritt hatte. Denn was die 60 Jahre alte Unternehmerin neben ihrer Aufgabe an der Spitze des von ihr gegründeten amerikanischen Pharmakonzerns United Therapeutics macht, ist der Stoff von Science-Fiction und dürfte manche Menschen nicht nur faszinieren, sondern ihnen auch Angst einjagen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Rothblatt beschrieb eine Zukunft, in der per künstlicher Intelligenz digitale Repliken von Menschen geschaffen werden können, die ein Bewusstsein haben. Und sie sprach von einer Welt, in der Menschen praktisch unbegrenzt lange leben und von einem endlosen Nachschub an Organen zehren können. Es war eine Demonstration von Technologieoptimismus und –gläubigkeit.

          Rothblatt arbeitet selbst daran, diese Visionen eines Tages Wirklichkeit werden zu lassen. Sie hat eine Roboterversion ihrer Frau bauen lassen, die zwar noch primitiv ist, aber Unterhaltungen führen und Emotionen äußern kann. Außerdem gehört Rothblatt eine Schweinefarm, mit der sie das Ziel verfolgt, die Tiere durch genetische Veränderungen zu Ersatzteillagern für menschliche Organe wie Lungen zu machen.

          Rothblatt ist die am besten bezahlte Vorstandsvorsitzende Amerikas

          Bei diesen futuristischen Projekten hat sie einige prominente Verbündete, etwa den Zukunftsforscher Ray Kurzweil, der im Verwaltungsrat ihres Unternehmens sitzt, und Craig Venter, der einst mit der Entschlüsselung des Genoms berühmt wurde. Auf dem Podium in Austin gab sie sich auch als ein Fan von Elon Musk zu erkennen, dem Vorstandschef des Elektroautoherstellers Tesla und des Raumfahrtunternehmens Space X, der ebenfalls eine Vorliebe für futuristische Projekte hat.

          Die abenteuerlichen Visionen sind bei weitem nicht das einzige, das Rothblatt zu einer interessanten Figur macht. Denn während ihr Blick weit in die Zukunft reicht, ist sie in der Gegenwart die am höchsten bezahlte weibliche Vorstandsvorsitzende in den Vereinigten Staaten. Zuletzt verdiente sie 38 Millionen Dollar im Jahr, was der guten Entwicklung des Aktienkurses ihres Unternehmens zu verdanken war. Außerdem ist Rothblatt transsexuell. Sie wurde als Mann geboren und hieß Martin, bevor sie sich vor rund zwanzig Jahren einer Geschlechtsumwandlung unterzog. Mit ihrer Frau Bina ist sie seit mehr als dreißig Jahren verheiratet. Das Paar war also schon zusammen, als Rothblatt noch ein Mann war.

          Rothblatt konnte sich der Aufmerksamkeit des Publikums in Austin von der ersten Sekunde sicher sein. Sie ist eine auffällige Erscheinung: Groß gewachsen, hoch gestecktes Haar und ein kantiges Gesicht, das sie ungeschminkt lässt. Das Gespräch auf der Bühne begann mit den persönlichen Details. Rothblatt sagte, sie habe im Leben einfach Glück gehabt. Sie sei in die richtige Zeit hineingeboren worden und dürfe erleben, dass der amerikanische Präsident das Wort „transsexuell“ sage, ohne darüber zu stolpern. Und sie habe in jungen Jahren die Liebe ihres Lebens gefunden.

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