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Veröffentlicht: 24.03.2017, 14:26 Uhr

Roboterforscher Ishiguro Der Freund der Androiden

Hiroshi Ishiguro ist ein Roboterforscher aus Japan. Er lacht kaum und beobachtet Menschen und ihre sozialen Interaktionen lieber, als auf sie zuzugehen – dafür hat er im Notfall einen Androiden.

von , Hannover
© dpa Wie aus einem Science-Fiction-Thriller: Der echte Ishiguro (l.) mit seinem Roboterdouble

Hiroshi Ishiguro lacht nie. Das jedenfalls sagt der Professor vom „Intelligent Robotics Laboratory“ an der Universität von Osaka in Japan selbst über sich, wenn man ihn auf das Bild auf seiner Visitenkarte anspricht. Dort schaut Ishiguro in der Tat sehr ernst. Und das gilt auch für fast alle anderen Fotos, die es von dem 53 Jahre alten Forscher gibt. Dichte schwarze Haare, getönte Brille, der Rest Ernsthaftigkeit: Ishiguro ist der wohl prominenteste Forscher zu Robotern, die Menschen ähnlich sehen, den sogenannten Androiden. Aber er hat im wahren Leben dann doch etwas mehr Humor, als er es sich selbst zugestehen mag. Wenn Ishiguro sagt, er lache nie, dann schmunzelt er.

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Klar aber ist, dass Ishiguro lieber Menschen und ihre sozialen Interaktionen – nicht zuletzt mit Robotern – beobachtet, als selbst auf sie zuzugehen. Und manchmal lässt sich Ishiguro auf Vorlesungen sogar von seinem Roboter-Ebenbild vertreten. Das ist ein Androide, der ihm täuschend ähnlich sieht, der sich in seine Einzelteile zerlegen und auch in Koffern transportieren lässt. „Nur der Kopf muss in einem Rucksack transportiert werden“, sagt Ishiguro. „Der ist zu empfindlich, macht allerdings Schwierigkeiten in der Sicherheitskontrolle“, ergänzt er – und lächelt dabei nicht, lacht aber gewiss innerlich über seine Bemerkung.

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Menschen merken, wenn sich ein anderer Mensch so verhält, und keiner weiß das besser als Ishiguro. Denn der Wissenschaftler glaubt, dass dies mit Robotern nicht anders sein muss. Für ihn ist der Mensch die beste „Benutzeroberfläche“, wenn es darum geht, mit einem anderen Menschen zu kommunizieren. Deshalb glaubt er, dass Roboter menschliche Eigenschaften haben sollten, um vergleichbar gute – oder sogar bessere – kommunikative Fähigkeiten zu erzielen. Er hat beobachtet, dass in Japan, einer Nation, die sich in Roboter verliebt hat, Kinder seinen Robotern viel lieber zuhören als Menschen. Und er zieht daraus den Schluss, dass Roboter die besseren Lehrer sind. Auch manches andere können sie besser: Seine Androiden traten in Japan schon im Fernsehen auf. Manchmal sind sie Phantasiefiguren, manchmal verkörpern sie verstorbene Berühmtheiten und machen diese auf ihre Art unsterblich. „Dabei können sie sogar populärer werden als ihre verstorbenen Vorbilder“, sagt Ishiguro.

Schon zwei menschliche Eigenschaften reichen

Nun weiß der Professor aus Japan natürlich auch um die Vorbehalte, mit denen Menschen Robotern begegnen. „Ganz besonders in Deutschland sind diese ja sehr ausgeprägt“, hat er festgestellt. Deshalb untersucht er, auf welche Merkmale es ankommt, damit ein Androide noch immer als menschlich wahrgenommen wird. Das überraschende Ergebnis dabei: Es reicht schon, wenn ein Androide nur zwei menschliche Eigenschaften hat, um von Menschen akzeptiert zu werden. „Dazu gehören zum Beispiel die Sprache und die Möglichkeit, die Androiden auch zu berühren“, sagt Ishiguro. Mit dieser Erkenntnis entwickelte der Professor eine Art Roboter-Puppe, die kein erkennbares Alter oder Geschlecht hat. Menschen können sie als Mann oder Frau, als Kind oder Erwachsenen wahrnehmen. Für den Rest sorgt die Phantasie. Und durch die Puppe könnten zum Beispiel Eltern oder Lehrer mit Kindern reden. Das steigere die Aufmerksamkeit erheblich.

45459600 Ishiguro, der bekannteste Roboterforscher der Welt, auf der Bühne mit einem von ihm gebauten Androiden © EPA Bilderstrecke 

Nun greift Ishiguro in diesem Fall auf die Sprache eines Menschen zurück, um die erwünschten Ziele zu erreichen. Schwieriger wird es, wenn der Roboter selbst sprechen soll. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: zum einen die Lösung, die Apple, Google, Microsoft oder Amazon für ihre sprachgesteuerten Assistenten wie Siri, Alexa oder Cortana anwenden, nämlich die Auswertung großer Datenmengen, mit deren Hilfe die Roboterstimme auf Inhalte aus unterschiedlichsten Quellen zurückgreifen können. „Diese Unterhaltungen bleiben allerdings häufig sehr künstlich“, räumt Ishiguro ein. Sehr viel mehr Sympathie hegt er für die Lösung, dass Autoren mögliche Antworten vorformulieren, die dann je nach Situation abgerufen werden. „Dadurch wird die Unterhaltung sehr viel komplexer, aber die Themenvielfalt ist auch begrenzter.“

Robotern will er eine eigene Präsenz einräumen

Bei allen Fortschritten, die Ishiguro mit seinen Androiden schon erzielt hat, gibt es also noch eine Menge zu tun. Nur auf einem ganz bestimmten Gebiet darf Ishiguro erst gar nicht forschen und noch nicht einmal darüber reden, wenn er seine Stelle an der Universität nicht verlieren will. Das liege an den scharfen Waffengesetzen des Landes. Die Reaktion von Ishiguro auf eine entsprechende Frage lässt aber erkennen, dass er sich durchaus darüber Sorgen macht, dass die Robotertechnik auf diesem Feld zu bedrohlichen Szenarien führen könnte.

Eine andere Schwierigkeit allerdings hat er selbst im Griff: Niemals werde er einen täuschend echt aussehenden Androiden von einem Menschen bauen, der dem nicht zugestimmt habe, versichert er. Und wenn es um Verstorbene gehe, gelte dasselbe für deren Nachkommen. „Und in diesem Gespräch stelle ich auch sicher, dass diese Menschen wirklich verstehen, was es bedeutet, wenn ihr Vorfahre auf diese Art und Weise in ihrem Leben bleibt“, sagt Ishiguro. Denn eines ist aus seiner Sicht ganz gewiss: Roboter haben eine eigene Präsenz. Und vielleicht haben sie sogar eine Seele, wenn der Mensch sich dazu entsprechende Vorstellungen mache. Nur eines hätten sie nicht: künstliche Intelligenz. Das allerdings liegt vor allem daran, dass Ishiguro als Forscher diesen Begriff nicht mag. Am Ende seien doch alles nur Algorithmen. Bei dieser Aussage ist er plötzlich wieder ganz, ganz ernst.

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