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Internet der Dinge : Wie vernetzte Geräte sicherer werden könnten

  • -Aktualisiert am

Verbraucher können nicht immer überblicken, was in ihren Geräten gerade vor sich geht. Bild: dpa

Das „Internet der Dinge“ verbindet immer mehr Geräte mit dem Internet – oftmals solche mit schlampiger Sicherheit. Verbraucher sind damit überfordert. Deshalb brauchen sie Unterstützung. Ein Gastbeitrag.

          Ende November fielen bis zu 900.000 Router von Kunden der Deutschen Telekom wegen eines Hacker-Angriffs aus. Durch einen Fehler in der Software des Geräts konnten Angreifer aus dem Internet schädliche Software aufspielen. Der Versuch, die Geräte als Angriffsplattform zu nutzen, scheiterte jedoch. Einen Monat zuvor waren Angreifer erfolgreicher, als amerikanische Internetdienste wie Amazon und Netflix ausfielen, weil hunderttausende „gekaperte“ und mit dem Internet verbundene Videokameras einen wichtigen Server angriffen. Auch dafür war eine Sicherheitslücke in der Software der Videokameras verantwortlich. Vielfältige elektronische Geräte begleiten unser Leben. Angriffe auf sie sind Alltag geworden. Die Ursache ist immer die gleiche: die schlechte Qualität der eingesetzten Software. Geräte werden mit dem Internet verbunden, deren Software veraltet oder nicht ausreichend sicher ist.

          Die IT-Branche spricht verharmlosend von „Schwachstellen“ in der Software. Doch hierbei geht es nicht um Flüchtigkeitsfehler der Programmierer. Tatsächlich werden in den meisten Fällen systematisch Sicherheitsmaßnahmen vernachlässigt. Wer als Ingenieur eine Brücke konstruiert oder als Pharmazeutin ein neues Medikament entwickelt, berücksichtigt ganz selbstverständlich den aktuellen Stand von Wissenschaft und Forschung, um höchste Sicherheit zu erreichen. Bei der Software ist das anders. Schnell entwickelte Programme werden so früh wie möglich auf den Markt gebracht und „reifen“ beim Kunden nach. Erst spätere, verbesserte Versionen, die sogenannten Updates, oder Fehlerkorrekturen, die sogenannten Patches, steigern Schritt für Schritt die Qualität der Programme. Falls überhaupt. Bei den Routern und den Videokameras, aber auch bei Internet-Wetterstationen, Online-Babyphones oder auch vernetztem elektronischen Spielzeug steuert eingebaute Software, sogenannte Firmware, die grundlegende Funktionsweise des Geräts, vor allem auch seine Sicherheit. Solche Firmware wird selten aktualisiert. Die meist fernöstlichen Hardwarehersteller legen wenig Wert auf die Qualität, weil auch ihre Abnehmer, die europäischen Distributoren dieser Geräte, die Sicherheit wenig interessiert.

          Endkunden überfordert mit Sicherheitsmaßnahmen

          Am Ende der Kette stehen Verbraucher, die die unreifen und unsicheren Geräte in ihrem Haushalt einsetzen und mit der Frage nach der Sicherheit schlicht überfordert sind. Dabei haben die deutschen Haushalte in Sachen Sicherheits-Know-how durchaus zugelegt: Der aktuelle Virenschutz des PC, das Einschalten einer Firewall, regelmäßige Betriebssystem-Updates, sichere Identifizierung beim Online-Banking oder das Ausdenken komplizierter Passwörter – wer digital im Netz unterwegs ist, hat mittlerweile eine Vielzahl technischer Vorkehrungen zu beachten. Vom Endnutzer kann nicht erwartet werden, nun auch noch die Sicherheit der Software all seiner mit dem Internet verbundenen Geräte zu gewährleisten.

          Zu Computern, Tablets, Smartphones, Fernsehern oder eBook-Readern kommen mit dem „Internet der Dinge“ zahlreiche weitere Geräte hinzu: programmierbare Glühbirnen, elektronische Fenster- und Türsicherungen, vernetzte Rauchmelder oder digital steuerbare Heizungsventile. Das professionelle Überprüfen der Sicherheit dieser vernetzten Geräte, das regelmäßige Aktualisieren der Firmware und die Beachtung von hersteller- und gerätespezifischen Sicherheitswarnungen im Internet überfordert die Endkunden restlos. Die Idee von der Verantwortung jedes Einzelnen für die Sicherheit der von ihm betriebenen Geräte funktioniert nicht mehr. Verantwortung kann nur übernehmen, wer ihren Umfang, die Tragweite des eigenen Handelns und auch den Zusammenhang zwischen vorhandenem Risiko und eigenen Handlungsmöglichkeiten durchschaut und versteht. Die Hoffnung auf gesteigerte „digitale Bildung“, auf die Vermittlung von IT-Sicherheitskenntnissen in den Schulen, ist in dem Zusammenhang eine Illusion. Die Art der Technik, ihre Funktionalität und Einsatzfelder, ihre Vernetzung, ihre Komplexität – all diese Faktoren nehmen zu, nicht ab. Aus- und Weiterbildung der Nutzerinnen und Nutzer können damit nicht Schritt halten. Der einzelne Mensch kann die Sicherheitslücken in „seinen“ Geräten durch eigene Sorgfalt nicht kompensieren.

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