http://www.faz.net/-gqe-7y59m
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 03.01.2015, 19:32 Uhr

Industrie 4.0 Das unbekannte Internet der Dinge

Die Industrie wird immer digitaler. Aber mit dem Oberbegriff „Industrie 4.0“ kann jeder zweite Entscheider noch nichts anfangen. Diese Revolution zu vernachlässigen ist äußerst sträflich – und angesichts der Geschwindigkeit des Wandels erstaunlich.

von
© dpa Neue Produktionswelt: Bei Wittenstein scannt ein Mitarbeiter des Antriebsspezialisten mit einem Tabletcomputer den Barcode an einer Maschine.

Das Internet der Dinge kommt. Aber viele Unternehmen wissen nach wie vor nicht, was sie damit anfangen und wie sie sich darauf einstellen sollen. Jeder zweite Entscheidungsträger in der Industrie in Deutschland, Österreich und der Schweiz hat noch nichts von dem Begriff „Industrie 4.0“ gehört, der das Phänomen der digitalen Vernetzung von Wertschöpfungsketten anschaulicher machen soll. Rund ein Viertel kennt zwar den Begriff, weiß aber nicht genau, was darunter zu verstehen ist. Und nur ein Viertel kennt auch die mit Industrie 4.0 verbundenen Veränderungen genau.

Carsten Knop Folgen:

Diese Erkenntnisse gehen aus einer Umfrage des Informationstechnologie -Dienstleisters CSC unter 900 Entscheidungsträgern in Deutschland, Österreich und der Schweiz hervor. Dabei stehen die Deutschen zwar etwas besser da als ihre Nachbarn. Aber auch hierzulande haben 40 Prozent der Entscheider noch nichts von Industrie 4.0 gehört. In Österreich sind es mehr als die Hälfte und in der Schweiz sogar 60 Prozent der Befragten. Die Entwicklung in Richtung einer „vernetzten Fabrik“ wird zwar als wichtig für die Wirtschaft des eigenen Landes gesehen, doch nur vier von zehn Unternehmen fühlen sich darauf vorbereitet. Nur ein Viertel denkt, dass es für den Übergang zur Industrie 4.0 genügend Fachkräfte im eigenen Land gibt, was noch zu einem gravierenden Problem werden könnte. Und 84 Prozent fühlen sich zu den Chancen und Risiken von Industrie 4.0 zu wenig informiert.

Gerade in Europa sollen die IT-Abteilungen auf den neuesten Stand gebracht werden

Etwas besser ist die Lage, wenn man die in ihren jeweiligen Unternehmen tatsächlich für die Informationstechnologie (IT) verantwortlichen Manager befragt, was CSC ebenfalls jüngst getan hat: Gerade in Europa drängt dieser Personenkreis derzeit besonders stark darauf, die jeweiligen IT-Abteilungen auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. Dabei geht es vor allem darum, die bestehenden Systeme sicherer zu machen und an moderne Cloud-, Mobilitäts- oder Analysefunktionen anzupassen. Das sind die Ergebnisse des sogenannten „Global CIO Survey“. Rund 600 Chief Information Officer (CIO), IT-Direktoren und IT-Manager aus Unternehmen in Nordamerika, Europa und Asien wurden für diese Studie befragt. Ausgewählt wurden keine kleinen Unternehmen: 46 Prozent der teilnehmenden Gesellschaften beschäftigen mehr als 3000 Mitarbeiter.

Auch hier steht bei den Investitionsplanungen das Internet der Dinge beziehungsweise die Industrie 4.0 damit zwar noch nicht im Vordergrund. Das Thema spielt unter den IT-Verantwortlichen in allen europäischen Ländern aber doch eine erheblich größere Rolle als zum Beispiel in Amerika: Während in Europa und Asien rund 70 Prozent der IT-Leiter die „Machine-to-Machine-Anwendungen“ für besonders wichtig halten, sind es in Nordamerika weniger als die Hälfte (34 Prozent). Nur rund jeder fünfte IT-Leiter in Nordamerika hält diese Entwicklung für einen strategischen Treiber des Geschäftserfolgs. Ganz im Gegenteil ist dort sogar jeder dritte Entscheider der Meinung, das Internet der Dinge lenke von den Kernzielen einer erfolgreichen Geschäftsführung ab. In Europa und Asien teilen nur 11 Prozent diese Auffassung.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
F.A.Z.-exklusiv Führungskräfte gegen Zugeständnisse an Briten

Wie sehen deutsche Entscheider die EU nach dem Brexit? Das F.A.Z.-Elite-Panel gibt erstmals Einblicke in die Stimmung nach dem Referendum. Mehr Von Heike Göbel, Berlin

20.07.2016, 07:26 Uhr | Wirtschaft
Die Roboter kommen Industrie 4.0 verändert die Arbeitswelt

Die Automatisierung hält weiterhin Einzug in die Industrie. So kommen auch immer mehr Roboter zum Einsatz, die Produktionsabläufe optimieren und gleichzeitig die Arbeitswelt verändern. Robotik und Automatisierung ist ein großes Thema in der Industrie 4.0. Hochschulen und Unternehmen forschen deshalb an immer neueren Technologien. Mehr

21.07.2016, 12:00 Uhr | Wirtschaft
Zukunftsbranchen Europa, aufgekauft

Chinesen und Japaner schnappen sich den deutschen Roboterhersteller Kuka und den britischen Technologiekonzern Arm. Europa hinkt in den Zukunftsbranchen hinterher – und muss schleunigst reagieren. Mehr Von Stephan Finsterbusch und Carsten Knop

23.07.2016, 16:31 Uhr | Wirtschaft
Entlegene Regionen Facebook testet Drohnen für bessere Internet-Verbindung

Mit Hilfe von unbemannten Drohnen will Facebook die Internet-Qualität besonders in entlegenen Regionen verbessern. Der Name dieses Prototyps lautet Aquila. Wie die Firma verkündete, sei nun in Yuma im amerikanischen Bundesstaat Arizona ein 96-minütiger Testflug gelungen. Mehr

22.07.2016, 15:16 Uhr | Wirtschaft
Waffenhandel im Netz Viele Verdächtige im Darknet

Auf kein anderes Land haben es Cyberkriminelle so sehr abgesehen wie auf Deutschland. Derzeit stehen 85 Menschen im Verdacht, im Darknet mit Waffen oder Sprengstoff gehandelt zu haben. Mehr Von Timo Frasch, Wiesbaden

27.07.2016, 15:23 Uhr | Gesellschaft

Merkels Sicherheitsquelle

Von Heike Göbel

Die Kanzlerin lobt die Wirtschaft für ihre Stärke. Und sollte endlich einmal etwas für ihre Weiterentwicklung tun. Mehr 10 44

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“