http://www.faz.net/-gqe-8vpev

Starship Technology : Die Pizza bringt der Roboter

In Zukunft könnten Roboter in der Stadt das Essen liefern. Bild: AFP

Starship Technology will selbstfahrende Roboter von Virginia in den Rest der Welt schicken. Die kleinen Gefährten könnten Pizza bald direkt vor die Haustür liefern.

          Hunderttausende Pizzaboten jobben in den Vereinigten Staaten. Sie müssen sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass ihr Arbeitsplatz nicht dauerhaft ist. Die Roboter kommen. Einverstanden, das ist schneller gesagt als verwirklicht, wegen der großen technischen, administrativen und rechtlichen Herausforderungen.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Dass es aber doch ernst werden könnte mit den Roboter-Boten, belegt die Entscheidung der Bundesstaates Virginia. Er erlaubt Robotern vom 1. Juli an die Lieferung direkt an die Haustür. Das estnische Unternehmen Starship Technology hat mit viel Lobbyarbeit die Abgeordneten für die Idee gewonnen, den kleinen Lieferboten die Tür zu öffnen.

          Virginia ist nur durch den Potomac-Fluss von Washington getrennt, wo die kleinen Roboter täglich getestet werden. Man stellt sich Roboter immer als Blechkameraden auf zwei Beinen mit einem eckigen Kopf und Antennen vor. Der Starship Roboter sieht eher aus wie ein futuristischer Getränkekühlschrank, der auf ein Rasenmäher-Fahrwerk geflanscht wurde. Er geht nicht, er rollt. Virginia erlaubt rund 16 Stunden Kilometer Geschwindigkeit, der Betreiber Starship ist mit weniger Tempo ganz zufrieden. Man will ja nicht die Passanten übermangeln.

          Lieferroboter vor allem für die Metropolen

          Virginia verlangt, dass die elektrischen Lieferanten beständig über einen Monitor verfolgt und zur Not gesteuert werden, wenn etwas nicht Kalkuliertes passiert. Hat der Roboter sein Ziel erreicht, dann schickt er eine Nachricht aufs Handy des Empfängers. Der öffnet mittels eines aufs Handy geschickten Codes die Lieferbox und entnimmt die Pizza oder das Päckchen. In Washington arbeitet Starship mit Postmates zusammen, einem vom  Münchner Bastian Lehmann gegründeten Lieferdienstes, der wegen seines Technologieeinsatzes gelegentlich als Uber der Logistik bezeichnet wird.

          Starship testet weltweit, unter anderem in Deutschland in Kooperation mit Hermes Logistics in Hamburg. Ein wichtiger Anteilseigner ist der Autokonzern Daimler. Der hat für die kleinen selbstfahrenden Transporter einen Van zu einer Art Mutterschiff umgebaut, das acht Roboter und  Liefergut aufnehmen kann.

          Gegenüber Drohnen, die in Zukunft auch für die Lieferung von Paketen auserkoren sind, haben die rollenden Roboter nach Angaben des Starship-Sprechers Henry Harris-Burland entscheidende Vorteile: Sie sind nicht so laut, können mehr Masse tragen und stoßen auf weniger Widerstände in der Bevölkerung: „Drohnen sind gut für die Belieferung auf dem Land, aber Roboter sind am besten für die Stadt geeignet“, sagt Harris-Burland. Die Firma Starship hat keine Ambitionen, dem Roboter das Fliegen beizubringen, insofern ist der Firmenname Starship irreführend.  

          Mitbegründer des Unternehmens ist der legendäre dänische Entrepreneur Janus Friis. Der hat die Filesharing-Platform Kazaa und die Internettelefonie-Firma Skype mitgegründet und damit an dem Umsturz großer Industrien mitgewirkt. Die Logistik könnte die nächste sein.

          Weitere Themen

          Kann Pizza die Welt retten?

          Prêt-à-parler : Kann Pizza die Welt retten?

          Das vergangene Jahr war ein gutes Jahr für die Pizza. Die Band Antilopen Gang widmete ihr einen Song, „Pizza“, die Unesco ernannte sie zum Weltkulturerbe. Und 2018 könnte für die Pizza erfolgreich weitergehen. In Düsseldorf bekommt sie jetzt ihre eigene Ausstellung: „Pizza is God“ im NRW-Forum beginnt kommende Woche.

          Topmeldungen

          Jung und konservativ und eine Kritiker von Kanzlerin Merkel: Jens Spahn

          Merkels neue Minister : Reform statt Revolution in der CDU

          Angela Merkel gibt dem Druck aus der eigenen Partei nach und kündigt vor dem Parteitag eine Verjüngung der CDU-Minister in der nächsten Bundesregierung an.

          Olympia-Kommentar : Schluss damit!

          Genug gebüßt! Das IOC will einen Schlussstrich unter die Causa Russland ziehen: Die baldige Rückkehr des russischen olympischen Komitees auf den Olymp ist vor allem eine Frechheit gegenüber Sportlern in aller Welt.

          Zur Frankfurt-Wahl : Große und kleine Überraschungen

          Peter Feldmann ging von der Pole Position des Amtsinhabers ins Rennen, diesen Vorsprung hat er beherzt genutzt. Seine Motorleistung war jedoch nicht so stark, dass er die Konkurrenten um den Posten des Rathauschefs vom Start weg hätte überrunden können.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.