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Veröffentlicht: 21.03.2017, 12:10 Uhr

Cebit in Hannover Mit künstlicher Intelligenz autonom unterwegs

Autonome Systeme müssen von der Gesellschaft akzeptiert werden. Eine Robotersteuer braucht es aber nicht, sagt Acatech-Präsident Henning Kagermann im Gespräch mit der F.A.Z.

von , Hannover
© Acatech / Igor Magrilov Viel Technik: Acatech zeigt auf der Cebit unter anderem den Schreitroboter für Weltraummissionen.

So stellt man sich nicht nur in Hannover die Zukunft vor: Autonome Systeme werden künftig selbstfahrende Autos, intelligente Roboter und vernetzte Infrastrukturen möglich machen. Sie werden dazu in der Lage sein, eigene Entscheidungen zu treffen und immer komplexere Aufgaben zu meistern. Ihr Geheimnis ist die Nutzung künstlicher Intelligenz. Diese Algorithmen und die Fähigkeit zum Lernen machen sie eigenständig. Und autonome Systeme werden nach Auffassung aller Fachleute, die sich zu dem Thema zum Auftakt der Computermesse Cebit in Frankfurt geäußert haben, gemeinsam mit der in ihnen enthaltenen künstlichen Intelligenz eine Kerntechnologie der vernetzten Wirtschaft.

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Henning Kagermann ist sich sicher: „Mit seinen Stärken in den Bereichen künstliche Intelligenz, Industrieautomatisierung, Sensorsysteme und Mechatronik kann Deutschland zum Leitanbieter autonomer Systeme auf dem Weltmarkt werden“, sagt der Präsident der deutschen Akademie für Technikwissenschaften Acatech auf der Computermesse Cebit, im Gespräch mit der F.A.Z.

Bosch: Bald kaum ein Produkt ohne künstliche Intelligenz

„Alle großen Unternehmen, ob VW, Daimler, Siemens oder Bosch, investieren auf diesem Gebiet derzeit stark. Alle stellen auch Hunderte neue Entwickler ein. Aber insgesamt haben wir nicht genug Leute mit der entsprechenden Ausbildung“, beklagt Kagermann. „Intern wird in den Unternehmen zwar viel gemacht, um Mitarbeiter zu qualifizieren. Doch an Schulen und Universitäten muss noch mehr geschehen.“ Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von SAP glaubt aber auch, dass in den Ausbildungsgängen an den Universitäten innerhalb von fünf Jahren entsprechende Weichen gestellt werden können. Und es müssten auch nicht alle Informatiker werden: „Letztlich hat das Thema in seiner Breite Auswirkungen auf praktisch jedes Berufsbild“, sagt Kagermann.

Bosch-Chef Volkmar Denner hatte wie zum Beweis erst wenige Tage vor der Cebit im Gespräch mit der F.A.Z. darauf hingewiesen, dass sein Unternehmen schon 300 Millionen Euro für ein Zentrum für künstliche Intelligenz freigegeben habe. Schon jetzt sind hundert Mitarbeiter tätig an Standorten in Amerika und Indien und natürlich im zentralen Forschungszentrum in Renningen bei Stuttgart. Und ständig sollen es mehr werden. In fünf Jahren sollen schon 10 Prozent des Bosch-Umsatzes (zuletzt 73 Milliarden Euro) auf Produkte mit künstlicher Intelligenz entfallen. Noch einmal fünf Jahre später, so erwartet der Bosch-Chef, werde es in dem Stuttgarter Konzern wohl kaum ein Produkt mehr geben, was nicht selbst über künstliche Intelligenz verfügt oder zumindest mit entsprechenden Methoden entwickelt und produziert wurde.

Mitarbeiter am erwirtschafteten Gewinn beteiligen

Weil das Thema so wichtig ist, hat auf ihrem Eröffnungsrundgang über die Messe auch Bundeskanzlerin Angela Merkel bei Kagermann vorbeigeschaut, den sie nicht nur als Physikerkollegen sehr schätzt. Und Kagermann hat gemeinsam mit Reimund Neugebauer, dem Präsidenten der Fraunhofer-Gesellschaft, die Gelegenheit genutzt, um auf dem Gebiet einen „Kraftakt“ zu meistern: Gebraucht werde ein innovationsfördernder Rechtsrahmen, ganz besonders aber auch ein gesellschaftlicher Dialog. Schließlich müssten moralische und ethische Aspekte der Digitalisierung fest in der Gesellschaft verankert werden: Autonome Systeme könnten gute Arbeit fördern, aber auch Arbeitsplätze kosten. Sie könnten das Verkehrssystem entlasten – und zugleich zusätzliches Verkehrsaufkommen auslösen. Derartige Konflikte gebe es auf beinahe jedem Gebiet, das von autonomen Systemen berührt werde.

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