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Veröffentlicht: 19.03.2017, 17:05 Uhr

Cebit-Auftakt EU-Kommissar Ansip warnt vor digitalem Rückstand

Die Europäische Union müsse den Aufbau von 5G-Netzen endlich vorantreiben, mahnt Kommissar Ansip in der F.A.Z. Zumindest ihr Minimalziel soll die EU erreichen.

von , Brüssel, , Hannover
© Reuters 5G ist Voraussetzung für den schnellen Austausch von Daten zwischen Maschinen („Industrie 4.0“), das vernetzte Autofahren oder digitale Angebote im Gesundheitswesen.

Der für Digitale Themen zuständige Vizepräsident der Europäischen Kommission, Andrus Ansip, hat die EU zum Auftakt der Cebit davor gewarnt, beim Aufbau des 5G-Mobilfunknetzes abermals ins Hintertreffen zu geraten. Korea wolle sein 5G-Netz 2018 einweihen, Japan werde 2020 folgen. Da müsse die EU zumindest ihr Minimalziel erreichen, den neuen Mobilfunkstandard 2020 in einer Stadt je Mitgliedsland anzubieten, sagte Ansip im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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Dafür müssten auch die Finanzminister Abstriche in Kauf nehmen. „In der Vergangenheit haben viele Regierungen – auch die deutsche – bei der Versteigerung von Mobilfunklizenzen zu sehr auf die Einnahmen geschaut“, sagte der Este. Den Telekomkonzernen habe deshalb anschließend das Geld für Investitionen gefehlt. „Länder wie mein eigenes haben das anders gehandhabt und am Ende finanziell davon profitiert, weil die Wirtschaft stärker gewachsen ist.“

„Wir wollen keine Insellösungen“

5G ist Voraussetzung für den schnellen Austausch von Daten zwischen Maschinen („Industrie 4.0“), das vernetzte Autofahren („Connected Driving“) oder digitale Angebote im Gesundheitswesen. Entscheidend für den Netzausbau sei die bessere Abstimmung der Staaten bei der Versteigerung der nötigen Frequenzen, sagte Ansip: „Wir wollen 5G in ganz Europa und keine Insellösungen.“ Die starke Fragmentierung des EU-Markts sei ein großes Problem für die europäische Digitalwirtschaft. Ansip rief die Europäer aus, offen für den Fortschritt zu sein. Vorschläge wie eine Robotersteuer lehne er strikt ab. „Wollen wir eine Steuer auf den Fortschritt?“, sagte er. „Dann nehmen andere Länder auf der Welt unseren Platz ein und wir können anschließend als Lohnarbeiter für sie arbeiten.“

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Zumindest des schnellen Internets nehmen sich die Unternehmen an: Nach Informationen der F.A.Z. ruft der Kabelnetzbetreiber Unitymedia am Montag auf der Cebit die Ruhrgebietsstadt Bochum zur „ersten Gigabitcity Deutschlands“ aus. Die Kommune soll die erste Großstadt Deutschlands sein, in der fast flächendeckend Internet mit Gigabittempo verfügbar ist. Der Kabelnetzbetreiber, die Stadt und die Stadtwerke haben eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet.

Im ersten Quartal 2018 sollen den Plänen zufolge den Bochumern entsprechende Tarifangebote gemacht werden. Preise wurden zunächst nicht genannt. Unitymedia stattet sein Glasfasernetz in Bochum mit neuen Netzelementen aus. Hinzu kommt der neue Netzwerkstandard Docsis 3.1, der Übertragungsraten von bis zu 10 Gigabit je Sekunde ermöglicht. Zum Vergleich: Wer heute eine Internetverbindung mit 100 Megabit hat, erreicht 0,1 Gigabit. Bis zum Ende des kommenden Jahres werden damit mehr als 95 Prozent der Haushalte und Unternehmen in der Lage sein, mit Gigabitgeschwindigkeit zu surfen, heißt es. Das werde den Druck auf die Konkurrenz erhöhen, sagt Unitymedia-Chef Lutz Schüler. Die gibt sich indes gewappnet: Pünktlich zur Cebit verkündet Vodafone, Bayern gar zum Gigabit-Bundesland machen zu wollen. 70 Prozent der Einwohner sollen bis 2019 schnell surfen können.

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