26.09.2002 · Im Internet Musik kostenlos herunterladen, ein Softwareprogramm kopieren - Kavaliersdelikte? Nein, findet die Branche und ruft zum Kampf auf.
Von Markus Zydra, MünchenRaubkopien sind en vogue. Der technische Fortschritt mit Internet und CD-Brennern macht es selbst Laien einfach, Software und Musikstücke problemlos zu kopieren. Die volkswirtschaftlichen Schäden sind enorm. Grund genug für eine konzertierte Aktion der Branche in München.
„Zwischen 26 und 27 Milliarden Euro gingen der Software-Wirtschaft im Jahr 2000 durch den illegalen Raubkopienhandel verloren“, schätzt Rudi Gallist, Vorsitzender des Verbands der Softwareindustrie Deutschlands. So hoch der Schaden, so wenig ausgeprägt ist das Unrechtsbewusstsein. Privatpersonen, die sich Musik oder Software kopieren, haben kein schlechtes Gewissen. Die Waren seien zu teuer, so das Argument, zudem würden Unternehmen wie Microsoft immer noch Milliardengewinne verbuchen.
Keiner hat was zu verschenken
Kaum verwunderlich, dass die Branche auf solches Räsonieren verschnupft reagiert. „Immer wird bei der Softwareindustrie nach Sonderregelungen gesucht. Ein Automobilhersteller würde doch seine Autos auch nicht verschenken wollen, selbst wenn er schwarze Zahlen schreibt“, kritisiert Kurt Sibold, Geschäftsführer von Microsoft Deutschland.
Die Softwarebranche ist dem Problem schon Jahrzehnte ausgesetzt. Die Musikindustrie hat es erst seit kurzer Zeit erwischt. Seit Musikstücke in Datenpakete zerstückelt und komprimiert über das Internet vertrieben werden können, boomt das kommerzielle Wegelagerertum. Rund zwei Millionen Sites im Netz bieten kostenlose Musikdateien an, die sich Fans herunterladen können. „Da ist es schwer, ein kommerzielles Angebot im Internet zu lancieren“, sagt Christian Wolff, Geschäftsführer Bertelsmann Music Group Berlin. Professionelle Hehler brennen CDs in Riesenmengen und verramschen sie in gleicher Qualität billiger als die Originale - ein lukratives Geschäft. Zwar gab es schon früher Musikkopien, die als Kassetten gezogen wurden, doch die aktuelle Entwicklung sprengt jegliche Erfahrung und beschert der Musikindustrie Umsatzeinbrüche im zweistelligen Prozentbereich.
Juristische Unklarheiten
Dabei scheint es derzeit schwer, juristisch gegen die Rechteverletzungen vorzugehen. „Viele Plattenfirmen verzichten auf den Rechtsstreit, der oft teurer kommt als der Streitwert. Zudem muss der Schädiger bei einer Verurteilung nur die Lizenzgebühren nachzahlen - und das ist keine Strafe“, bemängelt Matthias Winckelmann, Geschäftsführer von Enja Records.
Die Rechtslage für den Musikbereich ist alles andere als eindeutig. Strittig ist, ob Privatpersonen Musikstücke kopieren und weitergeben dürfen. Der Fall der Musiktauschbörse Napster hat das Problem deutlich gemacht. Zudem sind Musikstücke durch den Sendebetrieb über das Radio und Fernsehen sowieso veröffentlicht, was eine striktere Kontrolle der Raubkopiertätigkeit erschwert. Anders gestaltet sich das in der Softwarebranche, wo nur die Erstellung einer Sicherungskopie zulässig ist, jedwede Weitergabe aber lizenziert werden muss.
DRM-Systeme als Sicherheitswall
Von pauschalen Geräteabgaben, wie sie in der Musikindustrie gelten und die etwa von der Gema an die Urheber verteilt werden, hält die Softwarebranche deshalb nichts: „Ich bin gegen eine Geräteabgabe auf PCs oder CD-Brenner, denn dann würde bei den Kunden das Gefühl entstehen, man hätte alles abgegolten“, argumentiert Sibold. Und das soll vermieden werden. Technische Schutzwälle sollen zukünftig den Raubkopierern das Leben schwerer machen. Microsoft hat jüngst das Sicherheitskonzept „Palladium“ vorgestellt, das unter anderem ein so genanntes DRM-System (Digital Rights Management) in das Betriebssystem Windows einbetten soll.
Das System regelt die Verschlüsselung und die Zugriffsrechte auf urheberrechtlich geschützte Werke wie Audio und Video - für die Musikindustrie verspricht das eine Rettung zu sein, wenn es auch immer wieder Hacker geben wird, die vor diesem Schloss nicht Halt machen werden. Damit dieses Hase und Igelspiel endet, plädiert Siebold dafür, die Öffentlichkeit für dieses Thema zu sensibilisieren. Nach dem Motto: Hehlerware bleibt Hehlerware, auch wenn sie aus Bits und Bytes besteht und einfachst kopiert werden kann. Neulich nahm Sibold deshalb seinen Sohn ins Gebet: Er hatte ihn mit einer Raubkopie erwischt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.388,65 | +0,86% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2545 | +0,03% |
| Rohöl Brent Crude | 107,18 $ | −0,07% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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