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Internet "Es gibt viele Möglichkeiten, Google zu überlisten"

26.10.2003 ·  Der Medienexperte Machill zweifelt an der Neutralität der Suchmaschine Google und warnt vor einem Monopol. Und die möglichen Aktien? „Richtig Geld machen läßt sich mit Google nicht.“

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Marcel Machill zweifelt an der Neutralität der Suchmaschine Google und warnt vor neuen Monopolen. Machill ist Verfasser einer kritischen Studie über Suchmaschinen.

Herr Machill, Google ist die Nummer eins der Suchmaschinen?

Vielleicht bald nicht mehr. Google hat ohne Zweifel eine Revolution ausgelöst. Doch das schützt nicht vor Manipulationen.

Der Ruf, objektiv und transparent zu sein, ist nicht gedeckt?

Stimmt. Es gibt viele Möglichkeiten, Google zu überlisten. Am erfolgreichsten ist "Google Bombing".

Wie funktioniert das?

Man muß Zehntausende Websites aufbauen, die immer nur auf eine einzige Seite verweisen. Diese Seite erscheint dann ganz oben in der Ergebnisliste von Google.

Der Täuschungsaufwand lohnt?

Absolut. Denn Sie erkaufen sich Aufmerksamkeit. Normalerweise werden nur die ersten 10 bis 20 Treffer von den Usern angeschaut. Wer nicht dabei ist, wird nicht wahrgenommen.

Und die Menschen durchschauen das nicht?

Es besteht erhebliches Unwissen über die Funktionsweise von Suchmaschinen. Die Menschen glauben, daß Google eine neutrale Maschine ist, die das ganze Web durchleuchtet. Das ist falsch.

Google gibt das zu und verspricht Besserung.

Mag sein. Aber der Feind schläft nicht und verbessert die Strategie der Überlistung.

Hat Google mit geschätzten 70 Prozent Marktanteil ein Monopol?

Eindeutig. Denn Google verkauft seine Leistung auch an andere Suchmaschinen. Das ist eine versteckte Konzentration - so, als verberge sich hinter den RTL-Nachrichten die ARD-Redaktion. Hinzu kommt: Die Kunden nutzen meist nur eine Suchmaschine.

Warum werden die Kartellwächter nicht aktiv?

Im traditionellen Medienmarkt wäre eine solche Situation unhaltbar. Aber das Medienrecht bei den Suchmaschinen steckt noch in den Kinderschuhen.

Würden Sie Google-Aktien kaufen?

Ich wäre vorsichtig. Denn Microsoft wird demnächst mit Milliarden-Investitionen eine eigene Suchmaschine bringen. Und richtig Geld machen läßt sich mit Google nicht. Fast die Hälfte der Menschen ist nicht bereit, für Suchleistungen zu zahlen - selbst dann nicht, wenn Google perfekt wäre.

Quelle: ank. / Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 26.10.2003, Nr. 43 / Seite 31
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