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Internet Do you Yahoo, Vivendi?

08.03.2001 ·  Yahoo ist in der Krise. Die Kooperation mit einem Medienunternehmen wird lange schon gefordert. Vivendi signalisiert Bereitschaft.

Von Cordelia Chaton
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Ein Unglück kommt selten allein. Als bekannt wurde, dass die Finanzdirektorin von Yahoo, Susan Decker, nicht an der am Donnerstag von Merrill Lynch angekündigten Internetkonferenz in New York teilnimmt, ahnten alle Böses. Der Yahoo-Kurs sackte ab; dann setzte das Unternehmen den an der NASDAQ notierten Kurs aus. Gerüchte kursierten: Gibt es eine Ergebniswarnung, wird das Internet-Portal gekauft oder das Management umbesetzt?

Das erst fünf Jahre junge Unternehmen aus dem kalifornischen Santa Clara überraschte nach Börsenschluß mit mehr als nur einer schlechten Nachricht. So will Vorstandschef Timothy Koogle seinen Posten verlassen und in Zukunft nur noch als Vorsitzender des Verwaltungsrats zur Verfügung stehen. Der 49jährige hatte die Geschicke des damals noch jungen Portals seit dem Börsengang 1995 geleitet. Er gilt als einer der Großen in der Branche.

Kritik am Management

Ob sein Abgang freiwillig erfolgt, ist nicht klar. Zumindest aber soll ihm niemand aus dem Unternehmen folgen. Yahoo hat die angesehenen Headhunter von Spencer, Stuart & Associates angeheuert. Das wird gleichzeitig als eine Kritik am eigenen Management gewertet. In den vergangenen Wochen waren Yahoo-Führungskräfte in Europa, Asien, Kanada und Korea zurückgetreten.

Gleichzeitig reduzierte das weltweit führende Internetportal noch am Mittwoch zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit seine Umsatz- und Gewinnprognose für das erste Quartal. Yahoo erwartet 170 bis 180 Millionen Dollar Umsatz. Analysten hatten dagegen mit 232 Millionen Dollar und einem Gewinn von fünf Cent pro Aktie gerechnet. Der Kurs war von einem 205-Dollar-Hoch im vergangenen Jahr gestern auf 18,68 Dollar im nachbörslichen Handel gesackt.

Strategischer Fehler, auf Werbebanner zu setzen?

Yahoo machte die schlechte wirtschaftliche Entwicklung in den USA dafür verantwortlich. Eingeweihte glauben jedoch auch, dass ein strategischer Fehler von Koogle Ursache der misslichen Unternehmenslage ist. Der Vorstandschef hatte bei seinem Amtsantritt auf Werbebanner gesetzt. Mittlerweile sind die Einnahmen in diesem Bereich so niedrig - auch bei Dow Jones oder der New York Times -, dass Yahoo für das erste Quartal nur mit dem Erreichen des Break-even rechnet.

Seit Jahren fordern Analysten Yahoo auf, nach dem Vorbild von AOL Time Warner ein großes Medienunternehmen zu kaufen oder zu fusionieren. Bislang blieb Yahoo stolz unabhängig und konzentrierte sich auf sein Kerngeschäft, das Portal.

Duet Vertrieb über Yahoo

Durch die jüngsten Entwicklungen flammten Spekulationen über einen möglichen Zusammenschluss wieder auf. So soll Vivendi Universal mit Yahoo detailliert über mögliche Synergien verhandeln. Der Misch- und Kommunikationskonzern ist Europas größte Mediengruppe. Erst Ende Februar verkündete Vorstand Jean-Marie Messier ein Joint Venture mit Sony namens Duet. Es soll dem Vertrieb von Musiktiteln dienen. Duet verfügt über zahlreiche Titel der Universal Music. Bereits in dieser Woche sprach Messier offen über die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit Yahoo. Yahoo könnte davon profitieren und im Gegenzug den Franzosen sein umfangreiches Distributionsnetz zur Verfügung stellen. Als weitere Yahoo-Interessenten wurden das Internetauktionshaus Ebay sowie Disney oder Rupert Murdoch´s News Corporation gehandelt.

Weltweit verfügt Yahoo über 185 Millionen Nutzer, 21 internationale Portale in zwölf Sprachen und viele lokale Versionen seines Portals, darunter auch eine deutsche. In den USA bietet Yahoo lokale Informationen über alle 50 Staaten sowie über 211 Stadtzonen und über 30.000 Landkreise und Städte. Die Schulden sind gering und die finanzielle Situation gilt als gesund.

Vivendi mit Yahoo statt mit Napster/Bertelsmann

Yahoo selbst will offenbar eine feindliche Übernahme verhindern. Gerüchten zu Folge geht es bei den Verhandlungen mit Vivendi um eine sanfte Allianz. Yahoo könnte sich so eine neue Einnahmequelle erschließen, Vivendi wäre nicht gezwungen, mit Napster zusammen zu arbeiten. Dort sitzt bereits Konkurrent Bertelsmann im Boot.

Vivendi hätte möglicherweise auch das Geld für einen Kauf. Vorgestern erst gaben die Franzosen bekannt, dass sie ihren 55 Prozent-Anteil an AOL France an AOL Time Warner verkaufen. Das würde ihnen rund 700 Millionen Dollar bringen. In zwei Wochen sollen die Aktionäre dafür grünes Licht geben. Bis dahin hat Yahoo vielleicht bessere Nachrichten.

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29.05.2012 14:53 Uhr
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