01.02.2008 · Das Übernahmeangebot von Microsoft für Yahoo ist eine Flucht nach vorn, vielleicht sogar eine Verzweiflungstat, aber sie kommt zu einem günstigen Zeitpunkt.
Von Carsten KnopWer hat Angst vor Google? Der Konzern dominiert den Markt für die Werbung und für die Suche im Internet gleichermaßen. Die Kraft der Marke scheint grenzenlos zu sein. Die Führung des Unternehmens wagt sich in immer neue Geschäftsfelder vor. Das sollte Medienunternehmen interessieren, die ihr Geld mit dem Verkauf hochwertiger Informationen verdienen, die Google kostenlos bereitstellt. Das bedroht aber auch Microsoft, den größten Software-Konzern der Welt, der sich neue Wachstumsfelder jenseits seines Geschäfts mit dem Betriebssystem Windows und dem Büroprogrammpaket Office erschließen muss, um für Aktionäre attraktiv zu bleiben. Microsoft hat jetzt reagiert.
Denn das Unternehmen hat es trotz hoher Investitionen bisher nicht geschafft, Google Paroli zu bieten. Der Monopolist auf dem Markt der Betriebssysteme für Personal Computer wollte nicht länger zusehen, wie Google sich anschickt, seinerseits zum Monopolisten für die Werbung im Internet zu werden. Damit zeigt das Übernahmeangebot im Volumen von 44,6 Milliarden Dollar für den Google-Konkurrenten Yahoo endgültig, wo Microsoft seine größte Bedrohung ausgemacht hat. Es ist eine Flucht nach vorn, vielleicht sogar eine Verzweiflungstat, aber sie kommt zu einem günstigen Zeitpunkt. Denn Yahoo ist angeschlagen. Das Unternehmen hat operative Schwierigkeiten, muss sich von Mitarbeitern trennen, die Aktie notiert auf dem niedrigsten Stand seit Oktober 2003. Vor diesem Hintergrund wirkt die Prämie von 62 Prozent auf den letzten Aktienkurs vor Bekanntgabe des Übernahmeangebots, die Microsoft für Yahoo zu zahlen bereit ist, durchaus großzügig. An der Börse wurde zunächst auch nicht mit einer weiteren Aufstockung oder einem konkurrierenden Angebot etwa von AOL gerechnet. Vielmehr wird sich Microsoft von seinen Aktionären anhören müssen, zu viel Geld für Yahoo zu bezahlen. Das deutet die erste Kursreaktion des Microsoft-Papiers an, dessen Kurs zunächst unter Druck stand.
Die Entscheidung von Microsoft ist aber richtig. Google kann nun ein echter Wettbewerber erwachsen. Das ist eine gute Nachricht für die Nutzer des Internets ebenso wie für diejenigen, die dort Werbung schalten. Allein in die Hände von Google hätte der Markt für Online-Werbung jedenfalls nicht fallen dürfen. Hoffentlich bleibt er danach aber auch nicht auf Jahre hinaus im Stadium eines Duopols von Google und Yahoo/Microsoft stecken. Auch das könnte Angst machen. Denn leider ist auch Microsoft kein wettbewerbsrechtlicher Musterknabe.
Carsten Knop Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.
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