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Internet-Bewegung Crowdinvesting wird bürgerlich

 ·  Schwarmfinanzierer wollten einen Gegenentwurf zu Banken entwickeln. Nun holt sich die erste Crowd-Plattform den Segen der Bankenaufsicht.

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© Lüdecke, Matthias Vergrößern Crowdfunding: Guido Sandler (links) und Dennis Bemman bringen die Firma Bergfürst an den Start

Welche Bank würde schon eine App für Comics finanzieren? Oder ein Hotelbuchungsportal, bei dem der Kunde den Zimmerpreis selbst bestimmen kann? Das Internet macht es möglich. In den vergangenen Jahren sind unzählige Online-Plattformen entstanden, über die Menschen mit Ideen Geld bei Gleichgesinnten einsammeln können. Banking von unten, Abstimmung per Klick - die Initiatoren eines Projekts stellen ihre Idee vor und geben meist einen Betrag vor, den sie einsammeln wollen. Die Interessenten können sich über die Idee austauschen, Kommentare abgeben, Geld investieren. Mit kleinen Beträgen, manchmal schon ab 250 Euro, sind die Finanziers dabei.

Crowdfunding heißt die Bewegung, die den Banken und Fonds die Macht über die Finanzierung neuer Projekte aus den Händen nehmen will. Schwarmfinanzierung heißt die Bewegung auf deutsch. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht eine neue Plattform vorgestellt wird. Seedmatch ist in der deutschen Internetgemeinde fest etabliert. Daneben gibt es Inkubato, Innovestment, Mashup Finance, Pling, Startnext, Companisto oder Vision Bakery. Best BC geht gerade an den Start, fianc.me, entstanden an der Universität Würzburg, empfiehlt sich als „eDarling für Eigenkapital“. My Sherpas dagegen verabschiedet sich schon wieder.

Schwarmkreditvermittler helfen beim Sammeln

Ursprünglich stammt die Idee aus den Vereinigten Staaten. Dort gibt es selbst spezielle Crowdfunding-Plattformen für die Finanzierung von Entwicklungshilfeprojekten oder von wissenschaftlicher Forschung. In Deutschland entstanden zunächst Plattformen, über die Kredite von Privat zu Privat finanziert wurden. Smava ist einer dieser Schwarmkreditvermittler. Doch nun entwickelt sich die Bewegung in Richtung der Finanzierung von unternehmerischen Projekten, die oft so klein sind, dass sich professionelle Investoren nicht für diese interessieren.

So haben auch die meisten dieser Plattformen bisher eher geringe Beträge gehoben. Gerade einmal 550 000 Euro haben die Schwarmfinanzierer im vergangenen Jahr laut Crowdfunding-Monitor eingesammelt. Die meisten machen sich ohnehin eine Ausnahme im Vermögensanlagengesetz zunutze. Demnach muss für alle öffentlich angebotenen Beteiligungen ein Emissionsprospekt vorgelegt werden. Ausnahme: Beteiligungen mit einem Volumen von weniger als 100 000 Euro.

Neues Modell startet

Doch nun werden die Schwarmfinanzierer, deren Vertreter sich häufig als Gegenmodell zur etablierten Finanzwelt begreifen, selbst bürgerlich. In Berlin geht nun die Plattform Bergfürst AG an den Start. Nachdem sie jetzt die Lizenz der staatlichen Finanzaufsicht Bafin erhalten hat, darf Bergfürst Finanzierungen im Millionenbereich anbieten. Auch sonst will Bergfürst nichts mit Turnschuh-Banking zu tun haben. Professionelle Prozesse wie im Kapitalmarktgeschäft der etablierten Banken hat Bergfürst in den vergangenen Monaten aufgesetzt. Der eine Gründer, Guido Sandler, kommt aus dem Börsengeschäft. Er war früher Vorstand der Berliner Effektenbank und der E-Trade- Bank. Der andere Gründer, Dennis Bemmann, kommt aus der Online-Welt. Er war Gründer des Netzwerks Studi VZ.

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