20.07.2009 · In der Softwarebranche googelt es gewaltig. Mit der Ankündigung des High-Tech-Riesen ein eigenes Betriebssystem für Computer zu entwickeln und es Nutzern über das Internet frei zur Verfügung zu stellen, ist eine neue Runde im Konkurrenzkampf mit dem Softwaregiganten Microsoft eingeläutet.
Von Stephan FinsterbuschIn der Softwarebranche googelt es gewaltig. Mit der Ankündigung des High-Tech-Riesen ein eigenes Betriebssystem für Computer zu entwickeln und es Nutzern über das Internet frei zur Verfügung zu stellen, ist eine neue Runde im Konkurrenzkampf mit dem Softwaregiganten Microsoft eingeläutet.
Während Anbieter von Unternehmenssoftware wie SAP und Oracle, IBM und Hewlett-Packard seit Jahr und Tag im harten Wettbewerb um die Gunst der Kunden stehen, konnte Microsoft mit seinem Betriebssystem Windows im Privatkundenmarkt bislang auf ein Quasi-Monopol zurückgreifen. Das wird sich mit dem Angriff der Google-Gruppe nun wohl ändern - und das ist gut so.
Denn ohne Software geht heute nichts mehr. Die komplexen öffentliche Verwaltungen sind ohne Computer kaum noch zu managen. Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistung müssen trotz Krise, Depression und Sparzwängen kräftig in die Aufrüstung ihrer technischen Infrastruktur investieren, um auch künftig im Wettbewerb am Ball zu bleiben.
Die Amerikaner bestimmen den Markt
Nur so können sie künftig ihre Betriebsabläufe besser steuern, effizienter wirtschaften, die Produktivität steigern und in dem an Härte nicht nachlassenden Konkurrenzkampf mithalten. Daher steigen die Verkaufs- und Umsatzzahlen von Spezialprogrammen wie Analysen von Geschäftsprozessen, Datenbanken, Prozessoptimierung oder Sicherheitssystemen rasant an. So ist Software wie der Strom aus der Steckdose zu einer Grundvoraussetzung für das Funktionieren einer modernen Wirtschaft geworden.
Das lässt Kleinstanbieter wie die deutsche IDL oder mittelständische Hersteller wie die amerikanische Microstrategy nach immer neuen lukrativen Nischen im Markt für Unternehmenssoftware suchen. Branchenriesen wie SAP, IBM oder Oracle werden in den kommenden Monaten mit aller Macht den 250 Milliarden Dollar schweren Markt für Firmensoftware weiter konsolidieren, werden sich Verbundvorteile verschaffen, um von der Spitze weg technische Standards und Entwicklungen zu bestimmen.
Das wird sie Milliarden Euro investieren lassen. Von Investoren und Mitarbeitern fordert das viel Risikobereitschaft und Flexibilität. Hier sind die Amerikaner den Europäern und Asiaten seit Jahrzehnten um einiges voraus. Daher bestimmen sie heute weite Teile des Marktes für Software und Datenverarbeitungsprogramme. So spulte die kalifornische Oracle-Gruppe binnen sieben Jahren fünfzig Großübernahmen im Wert Dutzender Milliarden Dollar ab. Microsoft versucht gerade mit der Einführung eines neuen Windows-Betriebssystems seine Führungsrolle im Markt für Personal Computer zu festigen. Google sucht den Eintritt in den Markt für Betriebssysteme. IBM und Hewlett-Packard kaufen kräftig zu.
Die Softwareanbieter investieren Milliarden
Neben den Amerikanern spielt einzig SAP im Konzert der Branchenriesen eine wichtige Rolle. Das deutsche Softwarehaus hat sich im vergangenen Jahr mit der milliardenschweren Übernahme der Firma Business Objects verstärkt und wird vom kommenden Jahr an mit einer neuen Mittelstandssoftware sein Terrain gegen Oracle zu verteidigen versuchen. Das wird schwer. Denn wer heute die Trends der Zeit verpasst, ist morgen vom Markt verschwunden; wer es heute versäumt, ordentlich zu investieren, hat bald keine Chance mehr; wer heute die falschen Produkte in die Auslage legt, geht schneller als anderswo den Weg alles Irdischen. Daher stecken Softwareanbieter auch in Krisenzeiten Milliarden Euro in die Entwicklung neuer Programme.
Für sie wird das Internet eine entscheidende Rolle spielen. Denn über das Datennetz lassen sich ihre Produkte in der ganzen Welt entwickeln und rasch verbreiten. Das senkt die Kosten und hebt ihren Exportanteil oft über die Marke von 80 Prozent des Konzernumsatzes. Betriebswirtschaftlich hat das digitale Gut Software niedrige Grenzkosten und eine ordentliche Fixkostendegression. Die variablen Kosten im Lizenzgeschäft für Standardsoftware sind gering, die Kosten für die zusätzlich verkauften Dienste rund um Wartung und Betreuung der Programme hoch.
Darüber hinaus führt der Netzeffektcharakter dazu, dass Softwaremärkte oft Winner-takes-all-Märkte sind. Das hat trotz der relativ hohen Gewinnspannen einen hartnäckigen Preis- und Verdrängungswettbewerb zur Folge. Daraus resultiert die Tatsache, dass es in der Branche seit Jahren so viele Übernahmen gibt wie in kaum einer anderen. Größe bringt Kostenvorteile und die sind in einem hart umkämpften Markt wichtig.
So wird Microsoft seine Bemühungen zum Kauf des wackelnden Internethauses Yahoo forcieren; so wird Google Hunderte von Millionen in seine Softwaresparte stecken; so wird Oracle nach weiteren Firmen greifen; so wird auch SAP auf Akquisitionskurs bleiben; so werden kleinere Anbieter wie die Software AG den Markt versuchen, von unten zu konsolidieren. Andernfalls würden sie die Chancen, die eine Wirtschaftskrise wie die momentane und die technischen Entwicklungen wie die heutigen bieten, nicht nutzen und ihre Zukunft leichtfertig aufs Spiel setzen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.388,24 | +0,83% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2545 | +0,03% |
| Rohöl Brent Crude | 107,18 $ | −0,07% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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