Zwei Wagen flitzen über die Autobahn. Die Jugendlichen auf den Rücksitzen spielen ein Computerspiel - vernetzt und gegeneinander. Die Bildschirme, die sich aus dem Autohimmel aufklappen lassen, und die dahinterliegenden Computer im Kofferraum kommunizieren miteinander. Multiplayer im Auto.
Dieses Szenario liegt in der Zukunft - wenn man die Exponate auf der IFA ansieht, allerdings nicht allzu weit. Das Wort Autokino bekommt im Angesicht von Fahrzeugen mit kompletter Multimediaaustattung, bester Beschallung und etlichen Bildschirmen eine andere Bedeutung. Aber auch Arbeitsplatz und Routenplaner für den Fahrer sowie Reiseführer und Hotelbucher für den Beifahrer soll das Auto werden.
Europäische Projekte
Zwei Projekte auf der IFA sollen zeigen, was im Moment schon geht - mit dem nötigen Kleingeld. Der Mercedes des europäischen Projektes Drive, der digitales Radio und Fernsehen, Navigationsinstrumente, etliche Bildschirme, Tastaturen und einige Computerkisten enthält, ist zugelassen und fährt schon mit Multimediaausstattung durch die Welt.
Karl-Michael Aldinger von DaimlerChrysler präsentiert stolz die Vorzüge des Autos, sieht aber auch noch nicht gelöste Probleme: „Das Video DVB-T (Digital Video Broadcast) funktioniert bei hohen Geschwindigkeiten manchmal noch nicht optimal.“ Den Preis der Ausstattung - im Moment noch im Ungemessenen - schätzt er in zehn Jahren auf rund so viel wie heute ein Navigationssystem allein kostet.
Kommunikativ und gemeinsam
Ein Ziel der diversen Projekte ist es, die vorhandenen Übertragungsmöglichkeiten optimal zu nutzen. Ob per heute üblicher Handy-Technologie (GSM), GPRS oder später UMTS, mit Breitband oder als digitale Rundfunksignale - die Daten sollen möglichst schnell und bezahlbar aus dem Auto und ins Auto kommen. Dazu schwebt den Entwicklern vor, die jeweils nötige Bandbreite zu nutzen. Bei BMW und der Telekom hat die Schweizer Firma Fantastic einen so genannten hybriden Zugang gewählt. Das, was aus dem Auto hinausgeht, ist meist eine Kurznachricht, größtenfalls eine Email: „Dafür nutzen wir den normalen GSM-Zugang, zurück kommen die angeforderten Daten per DVB-T“, sagt Gregor Hotz.
Anders als bei der Bandbreite kann beim Computerbetriebssystem keine Software das jeweils beste auswählen. Deshalb türmen sich in der ausgestellten Mercedes E-Klasse die Rechner. Aldinger: „Da jeder Projektpartner in seinen Labors auf unterscheidlichen Systemen entwickelt, haben wir uns entschlossen, drei unterschiedlich konfigurierte Rechner einzubauen, damit jeder Partner problemlos auf dem ihm gemäßen Rechner seine Software einspielen kann.“ In dem anderen Projekt wurde über dieses Problem gleich entschieden: „Wir haben einfach Linux als Betriebssystem festgelegt“, sagt Hotz. Da seien die Lizenzfragen klarer als bei den anderen Systemen, sagt er.