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Interner Bericht EU-Kommission warnt vor Rohstoffmangel

16.06.2010 ·  Alarmsignal an die Industrie: Wichtige Rohstoffe werden knapp, darunter Magnesium, Graphit, Kobalt und Platin. Ein sehr großer Teil dieser Mineralien stammt aus nur vier Ländern. Schon heute erweisen sich zu strikte Umweltschutzauflagen als Förderungshindernis.

Von Hendrik Kafsack, Straßburg
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Europa droht eine Unterversorgung mit Mineralien, die für die Industrie wichtig sind. Insgesamt ist die Versorgungslage bei 14 von 41 überprüften Mineralien kritisch, wie aus einem internen Bericht der Europäischen Kommission hervorgeht, der der F.A.Z. vorliegt. Industriekommissar Antonio Tajani wird das Papier am Donnerstag in Brüssel vorstellen.

Zu den knappen Rohstoffen gehören Magnesium und Graphit, aber auch Kobalt, das für die Herstellung von Akkus und synthetischen Kraftstoffen genutzt wird, Gallium, das unter anderem für dünne Sonnenkollektoren benötigt wird, Germanium, aus dem Fiberglaskabel hergestellt werden, Platin, das für Katalysatoren benötigt wird, oder Neodym, mit dem unter anderem Magnete für Kernspintomographen produziert werden. Ein sehr großer Teil dieser Mineralien stamme aus nur vier Ländern: China, Russland, Brasilien und Kongo. In China werde etwa 90 Prozent des Neodyms und 75 Prozent des Germaniums gefördert. 90 Prozent des Legierungsstoffs Niob stammen aus Brasilien. Kongo ist Hauptlieferant von Kobalt.

Verdreifachung der Nachfrage erwartet

Bis zum Jahr 2030 werde sich die Nachfrage nach einigen Mineralien voraussichtlich verdreifachen, heißt es in dem Bericht weiter. Der Verbrauch von Gallium etwa werde dann viermal so hoch liegen wie die heute geförderte Menge. Minimale Änderungen, etwa durch die dynamische Wirtschaftsentwicklung in einigen Schwellenländern oder den technologischen Fortschritt, genügten, um die Nachfrage nach Mineralien weiter drastisch ansteigen zu lassen. Als Hürde für die Rohstoffversorgung könnten sich nach Ansicht der Fachleute auch neue, zu strikte Umweltauflagen in den wichtigen Lieferantenländern erweisen, heißt es weiter in dem Bericht. Wie aus Kommissionskreisen verlautete, schränke das in der EU schon heute die Rohstoffförderung ein.

Deshalb prüfe die Kommission momentan, ob die EU ihre Umwelt- und Naturschutzregeln wie die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie grundlegend überarbeiten müsse. Unabhängig davon müsse die EU den Dialog mit Afrika, Amerika und China intensivieren, um die Rohstoffversorgung langfristig sicherzustellen. Industriekommissar Tajani will noch in diesem Jahr konkrete Vorschläge dazu vorlegen.

Handelspolitik soll Versorgung sichern

Nach Ansicht der Kommissions-Fachleute muss die EU auch ihre Handelspolitik noch stärker auf die Sicherung der Rohstoffversorgung einstellen. Dabei gehe es zum einen um bilaterale Abkommen mit wichtigen Lieferanten. Zum anderen müsse die Gemeinschaft bei der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf stärker gegen die Einschränkung des Handels mit Mineralien vorgehen.

Erschwert werde die Lage dadurch, dass die Industrie die meisten betroffenen Mineralien nicht durch andere Stoffe ersetzen könne und wenig wiederverwerte. Nach Ansicht der Fachleute ist die Steigerung der Recyclingquote deshalb ein entscheidender Schritt, um die Unabhängigkeit von den vier großen Mineralienlieferanten auf der Welt zu verringern. Derzeit stapelten sich noch zu viele ungenutzte Altgeräte mit wertvollen Rohstoffen in Privathaushalten. Zudem landeten immer noch wichtige Rohstoffe auf Müllkippen, statt wiederverwertet zu werden.

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Jahrgang 1972, Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

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