Home
http://www.faz.net/-gqe-ojyx
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Internationaler Währungsfonds Wilde Spekulationen um Köhlers Nachfolge

05.03.2004 ·  Wer wird Nachfolger von Horst Köhler beim Internationalen Währungsfonds? Offizielle Vorschläge gibt es noch nicht, aber Franzosen, Briten, Spanier und Italiener sind hinter den Kulissen aktiv.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Nach dem Rücktritt von Horst Köhler ist das Rennen um den Chefposten des Internationalen Währungsfonds (IWF) eröffnet. Zunächst übernimmt Köhlers Stellvertreterin Anne Krueger kommissarisch den Chefsessel, den der 61-jährige Deutsche am Donnerstag wegen seiner Kandidatur für das Bundespräsidentenamt vorzeitig räumte.

Für Köhlers Nachfolge waren am Freitag der britische Finanzminister Gordon Brown, der spanische Wirtschaftsminister Rodrigo Rato und der italienische Goldman-Sachs-Manager Mario Draghi im Gespräch. Auch der Franzose Jean Lemierre, der Köhler als Chef der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) gefolgt war, und der Brite Andrew Crockett, Ex-Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, wurden gehandelt. Der deutsche Finanz-Staatssekretär Caio Koch-Weser strebt den Posten nicht an.

„Das ist pure Spekulation...“

Überlegungen für einen Wechsel des britischen Finanzministers Brown an den IWF-Sitz in Washington wollte die Regierung in London weder bestätigen noch dementieren. „Das ist pure Spekulation und es ist viel zu verfrüht, diese zu kommentieren", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums. Brown gehört dem Kabinett von Premierminister Tony Blair seit dem Regierungsantritt 1997 an und gilt als Architekt vieler wichtiger politischer Entscheidungen.

Der spanische Ministerpräsident Jose Maria Aznar sagte, es sei schwer, jemanden zu finden, der besser qualifiziert sei als Rato. Er habe allerdings keine Ahnung, welche Pläne der Minister habe oder ob der künftige spanische Regierungschef Rato wieder ins Kabinett berufe. In Spanien wird am 14. März gewählt und die Konservativen haben Umfragen zufolge gute Chancen, an der Macht zu bleiben. Aznar tritt nicht mehr an.

Koch-Weser steht nicht zur Verfügung

Für die Bundesregierung erklärte deren Sprecher Bela Anda in Berlin, Spekulationen über Köhlers Nachfolge verböten sich. Koch-Weser sagte: „Ein zweites Mal stehe ich als Kandidat nicht zur Verfügung.“ Koch-Weser war im Jahr 2000 der Kandidat der Bundesregierung für das IWF-Spitzenamt gewesen, konnte aber nicht bei den Vereinigten Staaten durchgesetzt werden.

Die Neubesetzung des IWF-Chefpostens wird auch Thema beim Treffen der EU-Finanzminister Anfang kommender Woche in Brüssel sein. Ein Sprecher der irischen Regierung, die derzeit die EU-Ratspräsidentschaft führt, sagte, eine Diskussion darüber stehe zwar nicht auf der Tagesordnung. Es sei aber damit zu rechnen, daß die Minister informell darüber sprächen. Dafür biete sich ein gemeinsames Mittagessen am Dienstag an, sagte ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel.

Bruch mit der Tradition denkbar

Seit ihren Anfängen 1945 wird der IWF als die zentrale Institution der internationalen Finanzwelt traditionell von einem Europäer geführt - die Weltbank als Schwesterorganisation dagegen für gewöhnlich von einem Amerikaner. Köhler war der erste Deutsche an der IWF-Spitze. Vor ihm hatten drei Franzosen, zwei Schweden, ein Niederländer und ein Belgier das Amt inne.

Offenbar ist aber nicht ausgeschlossen, daß diese Tradition jetzt gebrochen werden könnte. Schon beim Amtswechsel 2000 wollten die Vereinigten Staaten den Amerikaner Stanley Fischer ins Amt heben. Fischer - inzwischen Vize-Chairman des Finanzriesen Citigroup - ist ebenfalls wieder im Gespräch. Auch der Berater des japanischen Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi, Haruhiko Kuroda, gilt als Kandidat. Die 184 IWF-Mitgliedstaaten sollen ihren Beschluß im Konsens treffen. Das IWF-Direktorium, in dem Vertreter von 24 Mitgliedstaaten sitzen, segnet die Wahl dann formal ab.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Böses Spiel

Von Holger Steltzner

Mit größter Selbstverständlichkeit und in unerträglichem Ausmaß zahlt die Elite Griechenlands keine Steuern und flüchtet mit Milliarden ins Ausland - und jede griechische Regierung lässt sie gewähren. In den Geberländern wächst die Wut der Steuerzahler. Mehr 40 149

29.05.2012 14:50 Uhr
  Vortag
Dax 6.366,28 +0,68%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.387,40 +0,77%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
EUR/USD 1,2538 −0,03%
Rohöl Brent Crude 107,17 $ −0,08%
Gold 1.574,60 $ +0,32%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.