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Internationale Institutionen James Wolfensohn verläßt die Weltbank

 ·  Weltbank-Chef Wolfensohn will in den Ruhestand. Er könne sich zwar eine dritte Mandatszeit vorstellen. Doch das gilt als unwahrscheinlich: Sein Verhältnis zu Präsident Bush gilt als gespannt.

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Gegen Ende seiner zweiten Amtszeit scheint James Wolfensohns Hunger nach der Weltbank-Spitzenposition gestillt: Am Sonntag kündigte der 71 Jahre alte Wolfensohn in einem TV-Interview seinen Rücktritt an.

Daß Wolfensohn das Amt als „Bankier der Welt“ in den Schoß gefallen wäre, kann wohl niemand behaupten. Der gebürtige Australier hat sich die Weltbank-Präsidentschaft zielstrebig erkämpft - und weil an der Spitze dieser Institution traditionell ein Amerikaner steht, nahm er dafür auch die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Sein Biograph Sebastian Mallaby beschreibt Wolfensohn als einen Mann mit „einem rasenden, grenzenlosen Hunger nach allem, was ein Mensch tun kann“.

Engagiert in der Umwelt- und Entwicklungspolitik

Als Wolfensohn am 1. Juli 1995 mit Unterstützung des damaligen Präsidenten Bill Clinton zum Chef der Weltbank gekürt wurde, hatte er bereits mehrere Karrieren hinter sich: Im Alter von 23 Jahren schaffte es der Sportfechter in die australische Olympia-Mannschaft und nahm 1956 an den Spielen in Melbourne teil.

Er diente als Offizier bei der Luftwaffe, studierte an der Universität Sydney und arbeitete in einer australischen Anwaltsfirma, bevor er in den USA mit einem Abschluß der Harvard-Universität in der Tasche seine eigene Investmentfirma gründete, große Firmen beriet und Millionär wurde. Nebenher engagierte er sich in der Umwelt- und Entwicklungspolitik.

Kampf gegen die Korruption

Die Bekämpfung der Armut blieb auch Wolfensohns vorrangiges Ziel als Weltbank-Präsident. Unermüdlich forderte er die reichen Geberländer auf, mehr Entwicklungshilfe zu zahlen, Hilfen effizienter zu organisieren und Handelsschranken abzubauen. 1996 rief er die Entschuldungsinitiative zu Gunsten der ärmsten Entwicklungsländer, kurz HIPC-Initiative, ins Leben. Zum Schrecken mancher Geberstaaten räumte er dabei den Nehmerländern wie auch Kirchen und Nicht-Regierungs-Organisationen mehr Mitspracherechte ein. Außerdem schrieb er sich den Kampf gegen die Korruption - auch innerhalb der Weltbank - auf die Fahnen.

Über 120 Länder bereiste Wolfensohn, um in aller Welt für seine Programme zu werben. Innerhalb der eigenen Institution waren ihm aber nicht nur nach Ansicht des „Washington-Post"-Journalisten Mallaby seine persönlichen Schwächen im Weg: Seine Wutanfälle und egozentrischen Launen werden von Mitarbeitern gefürchtet, Delegieren und Zuhören gelten nicht als seine Stärke.

Konzerte in der Carnegie Hall

Ausgelastet war Wolfensohn mit seinen vielen beruflichen Aufgaben offenbar nicht, denn zusätzlich wurde er auf kulturellem Gebiet aktiv. Nicht nur als Ehrenamtsträger für Kunst und Musik, sondern auch in der Praxis: Mit 40 Jahren begann er Cello zu spielen. Mit einem Freund wettete Wolfensohn, daß er mit 50 sein erstes Konzert geben würde.

Er gewann die Wette, und nicht zu knapp: Zehn Jahre später debütierte er in der berühmten New Yorker Carnegie Hall. Daß er seit 1980 deren Vorstandsvorsitzender war, dürfte dabei zumindest kein Hindernis gewesen sein. Auch zu seinem 60. und zuletzt 2003 zu seinem 70. Geburtstag gab Wolfensohn dort Konzerte.

Gespanntes Verhältnis zu Präsident Bush

Nun scheint es, als sei der Vater von drei Kindern zumindest als Weltbank-Präsident auf dem Weg in den Ruhestand. „Ich war es zehn Jahre lang, und ich glaube, das ist genug“, sagte er im amerikanischen Sender ABC. Freilich hielt er sich ein Hintertürchen offen: Wenn er gefragt und gebraucht werde, könne er sich eine dritte Mandatszeit vorstellen.

Doch das ist unwahrscheinlich: Nicht erst seit Wolfensohn Kritik an der Irak-Politik der amerikanischen Regierung äußerte, gilt sein Verhältnis zu Präsident George W. Bush als gespannt. Und ohnehin war er in der gut 60-jährigen Geschichte der Weltbank erst der dritte Präsident, der überhaupt zwei Amtszeiten überdauerte.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AFP
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