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Institut für religiöse Werke Die Skandalbank des Vatikan

 ·  Am vergangenen Donnerstag hat die Vatikanbank überraschend ihren Präsidenten abgelöst. Jetzt bestätigt der Vatikan, dass auch ein Kammerdiener des Papstes verhaftet wurde. Die Zusammenhänge sind verworren.

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© Reuters Urbi et orbi auf dem Petersplatz

Nur eine Entlassung des Vatikanbankchefs aus nicht restlos geklärten Gründen wäre wohl zu einfach gewesen. Nun kreuzt sich der Hinauswurf des 67 Jahre alten Bankers Ettore Gotti Tedeschi mit bisher nie gekannten Enthüllungen über Verräter im engsten Umfeld des Papstes. Gerade sind in einem Buch Briefe an Papst Benedikt XVI. veröffentlicht worden, die mit einem Blick durchs Schlüsselloch Indizien über Machtkämpfe, Niedertracht und Korruption liefern.

Der persönliche Hausdiener des Papstes, Paolo Gabriele, steht unter Arrest wegen des Verdachts, die Briefe weitergegeben zu haben. Unter ihnen findet sich auch ein Memorandum des Vatikanbankpräsidenten an den persönlichen Sekretär des Papstes, das Hilflosigkeit im Umgang mit der Vatikanbank offenbart. Es geht um den Verdacht auf Geldwäsche hinter den Mauern des Vatikan. Gabriele sei am Mittwochabend wegen des illegalen Besitzes von vertraulichen Dokumenten in seiner Wohnung festgenommen worden, betstätigte der Vatikan am Samstag.

Die Vatikanbank, die auch unter dem Namen „Institut für religiöse Werke (IOR)“  bekannt ist, kommt nicht zur Ruhe. Die offiziell verbreitete Mitteilung zur Entlassung des Vatikanbankchefs liefert Hinweise auf Probleme bei dem Reinemachen, dass der Papst persönlich verordnet hatte: Der Verwaltungsrat habe dem Präsidenten Gotti Tedeschi einstimmig sein Misstrauen ausgesprochen, heißt es da, weil er „verschiedene Aufgaben von größter Wichtigkeit für sein Amt nicht erledigt hat“.

Für den Vatikan, der sonst die Fakten diplomatisch verklausuliert, missliebige oder unfähige Amtsinhaber lautlos nach oben wegbefördert, klingen die Formulierungen zur Entlassung von Gotti Tedeschi wie schallende Ohrfeigen. Da heißt es, das Misstrauensvotum sei nötig gewesen, „um die Lebensfähigkeit des Instituts zu erhalten“.

Was genau der ausgeschiedene Vatikanbankpräsident getan und unterlassen hat, wird nicht erläutert. Dieser selbst hinterließ nur den schönen Satz: „Ich bin hin- und hergerissen zwischen dem Drang, die Wahrheit zu sagen, und der Angst, den Heiligen Vater zu erschüttern.“ Die Vatikanbank veröffentlicht keine Bilanz. Sie operiert als einziges Institut in einem Staat, der sich seine eigenen Regeln zurechtzimmern kann und auch keine professionellen Bankenaufseher hat. Der Vatikanstaat hat noch nie einen zusammenfassenden und konsolidierten finanziellen Rechenschaftsbericht veröffentlicht.

Diverse Skandale in der Vergangenheit künden davon, dass in der Vatikanbank nicht immer alles nach den Prinzipien von sauberem, effizientem und transparentem Bankgeschäft läuft. Daran gemessen nehmen sich die Vorhaltungen gegenüber dem nun gefeuerten Vatikanbankpräsidenten geradezu minimal aus: Im Jahr 2010 hatten italienische Staatsanwälte zwei Überweisungsbeträge von 20 Millionen Euro und 3 Millionen Euro auf italienischen Bankkonten eingefroren, weil ihrer Meinung nach die Nutznießer nicht klar identifiziert waren und weil unterstellt wurde, dass die Vatikanbank die Vorschriften gegen Geldwäsche nicht einhält. Italiens Justiz behandelte die Vatikanbank, als gehöre sie zum Typus der obskuren Offshorebanken in karibischen Steuerparadiesen.

Erst ein päpstliches Gesetz gegen die Geldwäsche im Vatikan vom 30. Dezember 2010 half schließlich, die beschlagnahmten Summen wieder loszueisen. Der Vatikan hatte zudem eine Bankenaufsicht aus Kardinälen eingeführt, die später wieder zugunsten des Kardinalstaatssekretärs ein Stück Macht verlor. Diese Manöver halfen aber nicht, das Ziel zu erreichen, das der Papst der Vatikanbank gesetzt hat: möglichst bis zum Juni dieses Jahres von der internationalen Finanzwelt in die „weiße Liste“ der ehrenhaften Banken aufgenommen zu werden. Dieses Ziel ist offenbar noch weit entfernt. Fraglich ist auch, ob Gotti Tedeschi dafür jemals der richtige Mann gewesen ist. Der Vater von fünf Kindern, der in öffentlichen Diskussionen den mangelnden Nachwuchs in Europas als Hauptgrund für die Wirtschaftskrise ausgemacht hat, fungierte jahrelang als Italienchef des spanischen Bankhauses Santander. Doch damit hatte er mehr die Rolle des Repräsentanten, nicht die eines operativen Bankenchefs. Und weil Gotti Tedeschi seine alte Position behielt, war die Aufgabe des Vatikanbankpräsidenten für ihn eher ein prestigeträchtiger, aber mager bezahlter Nebenjob. Selbst ein erfahrener Vollzeitbanker hätte aber wohl seine Probleme mit der schwierigen Erbschaft der Vatikanbank. Diese soll einerseits Gewinn abliefern für den Unterhalt des Vatikanstaates, andererseits unterlag sie dabei immer wieder der Versuchung, zweifelhaften Figuren oder einfach nur Steuerhinterziehern als Offshore-Bank zu dienen.

Der Papst will solche Geschäfte nicht. Aber um sie zu unterbinden wären interne Kontrolle und Transparenz nötig. Davon gibt es aber nur wenig. Nach außen hin wollten die Päpste der Vergangenheit gegenüber einem früher als feindselig empfundenen Italien ihre Geheimnisse wahren. Intern nutzen Mitarbeiter und Management die Tradition der Verschwiegenheit, um in aller Ruhe Geschäfte und Kunden zu pflegen. Und die größten Kunden, reiche Ordensgemeinschaften, wollen sich wiederum vom Papst nicht in die Karten schauen lassen.

Nun heißt es, der 73 Jahre alte Vizepräsident der Vatikanbank, Ronaldo Schmitz, werde sich der unerledigten Aufgaben annehmen. Der Name wird hierzulande vor allem mit der Deutschen Bank verbunden. Nach langen Jahren in der BASF war Schmitz 1990 in den Vorstand der Deutschen Bank gewechselt, für die er auch dem Aufsichtsrat der Metallgesellschaft vorstand. Im Jahr 2000 hat er sich in den Ruhestand verabschiedet.

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Jahrgang 1962, Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

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