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Tennisstar mit Finanzproblemen : Insolvenzbehörde fordert Offenbarungseid von Boris Becker

Abseits des Geschehens: Boris Becker am Donnerstag auf dem Gelände des Tennisturniers in Wimbledon. Bild: EPA/REX/Shutterstock

Im Insolvenzverfahren gegen den ehemaligen Tennisstar wird es schon bald ernst. Dazu droht Boris Becker bereits neuer Ärger.

          In der langen Liste der britischen Privatinsolvenzfälle ist Deutschlands einstiger Tennisheld nur ein Name von vielen: Als „Becker, Boris Franz“ wird er auf der Bekanntmachungsseite der staatlichen Insolvenzbehörde geführt. Beruf: „Tennisprofi und Kommentator“. Mehr als 3700 Privatpersonen wurden allein im ersten Quartal in England und Wales von einem Gericht für zahlungsunfähig erklärt. Aber wohl kein Schuldner hat so viel Aufmerksamkeit bekommen wie dieser.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Procedere ist für alle gleich, und so muss auch Becker demnächst persönlich zu einer mehrstündigen Befragung beim Insolvenzverwalter antreten. Der Termin werde „in Kürze“ stattfinden, sagte ein Behördensprecher am Donnerstag der F.A.Z.. Er dient dazu, eine Aufstellung der Vermögenswerte und Schulden Beckers anzufertigen, die an seine Gläubiger verschickt wird. Dessen Anwalt betonte auf Anfrage, dass sein Mandant „selbstverständlich“ mit der zuständigen Behörde kooperiere. Gegen Becker ist vor zwei Wochen in Großbritannien auf Antrag des Bankhauses Arbuthnot Latham & Co. eine „bankruptcy order“ verhängt worden, weil er laut Gericht erhebliche Zahlungsrückstände auf „substantielle“ Schulden hat.

          Droht bereits neues Ungemach?

          Für den früheren Sportstar bringt das Insolvenzverfahren einschneidende Veränderungen mit sich. Wer für zahlungsunfähig erklärt wird, der hat keinen Zugang mehr auf seine Bankkonten und muss seine Bankkarten abgeben. Die meisten Vermögenswerte werden an einen amtlichen Treuhänder übertragen. Becker bekommt lediglich genügend Geld bewilligt, um alltägliche Ausgaben zu bestreiten. Der Sprecher des Insolvenzamts stellt aber auch klar: „Den Gläubigern darf kein Nachteil dadurch entstehen, dass ein Schuldner einen luxuriösen Lebensstil pflegt.“ Becker, der derzeit beim Tennisturnier in Wimbledon als Kommentator für die BBC aktiv ist und in dem Londoner Stadtteil einen Wohnsitz hat, muss also womöglich den Gürtel enger schnallen.

          Wie jeder andere Schuldner kann Becker versuchen, eine Annullierung der Insolvenzerklärung zu erwirken. Dafür muss er das Gericht überzeugen, dass er doch in der Lage ist, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Beckers Anwalt hat vor zwei Wochen signalisiert, sein Mandant werde schon bald wieder flüssig sein. Am Donnerstag wollte dieser allerdings nicht die Frage beantworten, ob für Becker wirklich eine Annullierung möglich ist. Nimmt das Insolvenzverfahren dagegen seinen Lauf, wird es nach englischem Recht sehr wahrscheinlich binnen eines Jahres abgeschlossen. Bis dahin werden so viele Vermögenswerte Beckers veräußert wie nötig, um dessen Schulden zu begleichen – wenn denn, wie von Becker beteuert, genug Vermögen da ist.

          Es könnte noch mehr auf ihn zukommen: Beckers ehemaliger Mentor und Geschäftspartner Hans-Dieter Cleven aus der Schweiz will rund 40 Millionen Franken zurück, die er dem früheren Tennisstar offenbar im Lauf von 15 Jahren geliehen hatte. Clevens Anwalt bestätigte, dass sein Mandant die gesamte Summe der Insolvenzbehörde in London bekanntgemacht hat. Cleven hatte zuletzt in der Schweiz Klage gegen Becker eingereicht. Es ging nicht um den gesamten Schuldbetrag, sondern aus Kostengründen um eine erste Stufenklage über 10 Millionen Franken. Diese wurde Ende Juni aus formellen Gründen vom Kantonsgericht in Zug abgewiesen – die Forderung in Höhe von mehr als 40 Millionen Euro ist nach Informationen der Cleven-Seite allerdings im Urteil unbestritten. Zudem gebe es Schuldanerkennungen von Becker. Dessen Anwalt sprach dagegen von einer „nicht berechtigten Forderung“. Das Urteil aus Zug wird am kommenden Montag veröffentlicht.

          Für die Gläubiger tickt die Uhr: Alle, die der Meinung sind, dass Becker ihnen noch Geld schuldet, müssen ihre Forderungen jetzt rasch anmelden – denn nach Ablauf der zwölfmonatigen Insolvenzfrist verfallen die meisten Altschulden. Allerdings können Gläubiger in Großbritannien nach Abschluss des Insolvenzverfahrens für weitere zwei Jahre Zugriff auf das Einkommen ihrer Schuldner bekommen.

          Quelle: F.A.Z.

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