31.08.2004 · Die zunehmende Verschuldung vieler Konsumenten in Deutschland endet für immer mehr Betroffene vor Gericht. Besonders rasant ist der Anstieg gerichtlicher Zwangsmaßnahmen einer aktuellen Studie zufolge in Ostdeutschland.
Die zunehmende Verschuldung vieler Konsumenten in Deutschland endet für immer mehr Betroffene vor Gericht. Besonders rasant ist der Anstieg gerichtlicher Zwangsmaßnahmen einer aktuellen Studie zufolge in Ostdeutschland.
Noch nie hätten hierzulande mehr Schuldner wegen Überschuldung einen Offenbarungseid leisten müssen als in der ersten Jahreshälfte 2004, teilte die Hamburger Auskunftei Bürgel am Dienstag mit. Während sich die Zahl der Eidesstattlichen Versicherungen in Ostdeutschland um 18,5 Prozent auf rund 104.200 Fälle erhöht habe, sei sie in den westlichen Bundesländern um 4,4 Prozent auf über 450.300 gestiegen.
Rasanter Anstieg von Haftandrohungen und Offenbarungseiden im Osten
Auch bei den Haftandrohungen habe der Osten mit einem Anstieg um 18,9 Prozent auf 44.300 Fälle mit Abstand vorne gelegen. In Westdeutschland erhöhte sich der Einsatz dieses Mittels, mit dem Gläubiger die Eidesstattliche Versicherung eines Schuldners vor Gericht oder durch Beugehaft durchzusetzen versuchen, gleichzeitig um 5,6 Prozent auf fast 250.000 Fälle.
Während Offenbarungseide und Haftandrohungen besonders im Osten zunahmen, nutzten Schuldner im Westen zunehmend die Privatinsolvenz als letzten Ausweg aus der Schuldenspirale. Bürgel zählte im ersten Halbjahr 41.158 Privatinsolvenzen, was einem Anstieg um 28,4 Prozent entspricht. Während die Zahl im Westen um 33,9 Prozent auf knapp 33.700 zugenommen habe, sei sie in den östlichen Ländern um 8,4 Prozent auf fast 7500 gestiegen.
Inkasso-Firmen erwarten 2004 mehr Privat- als Unternehmensinsolvenzen
Inkasso-Unternehmen erwarten, daß in diesem Jahr erstmals mehr Verbraucher als Unternehmen Insolvenz anmelden werden. Der Bundesverband der Inkasso-Unternehmen führt dies früheren Angaben zufolge darauf zurück, daß immer mehr überschuldete Haushalte von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Firmenpleiten, weil die Konjunktur anspringt.
Bürgel stützt sich bei der Studie auf eine Auswertung der Schuldnerregister bei Gericht. Als einen Grund für die wachsenden Schulden führte die Auskunftei verlockende Kredit- und Ratenangebote an, mit denen der Handel den Absatz anzukurbeln versuche. Dabei werde von den Kreditgebern oftmals der finanzielle Spielraum der Schuldner zu wenig geprüft. Zugleich griffen Gläubiger schneller zur gerichtlichen Durchsetzung ihrer Forderung.
Kosten oftmals falsch eingeschätzt
Viele Schuldner unterschätzten zudem die tatsächlichen Kosten einer Anschaffung auf Kredit, bei denen zum Kaufpreis Zinsen und Bearbeitungsgebühren hinzu kämen. Entsprechend resultiere ein Großteil der privaten Schulden aus Kreditverträgen für Immobilien, Leasing, Möbel und Reisen. Aber auch Forderungen aus Handy-Rechungen oder Handwerksleistungen würden immer öfter per gerichtlicher Zwangsmaßnahme eingetrieben, berichtete Bürgel.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.387,40 | +0,77% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2538 | −0,03% |
| Rohöl Brent Crude | 107,17 $ | −0,08% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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