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Inselstreit Japans Industrie leidet unter Boykott in China

 ·  Japan und China streiten um eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer. Weil China an vielen Orten offen zum Boykott japanischer Waren aufruft, müssen japanische Unternehmen drastische Einbußen hinnehmen.

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© dapd Unbewohnt: Inselgruppe Senkaku

Die japanischen Unternehmen leiden immer stärker unter dem Konflikt zwischen beiden Ländern um eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer. Die Inseln unter japanischer Verwaltung werden wegen der Gasvorkommen, die dort unter dem Meeresboden vermutet werden, auch von China und von Taiwan als Hoheitsgebiet beansprucht. Der japanische Autohersteller Toyota meldete am Freitag, wie ihn der Streit beeinträchtigt. Im September liefen dem Unternehmen in China in Scharen die Käufer weg, weil im Lande an vielen Orten offen zum Boykott japanischer Waren aufgerufen wird. Der Umsatz in der Volksrepublik sei fast 50 Prozent unter den Erwartungen geblieben und auf 50000 Autos zurückgegangen. Auch andere japanische Autohersteller bekommen den Boykott zu spüren, Mazda und Nissan sprachen von Rückgängen um gut ein Drittel.

Japanische Unternehmen aus anderen Branchen spüren die Boykottaufrufe in China ebenfalls, nachdem sich der Konflikt um die Inseln im September verschärft hat. Das Billig-Modekaufhaus Uniqlo zum Beispiel hatte ein Umsatzminus von mehr als 20 Prozent. Klagen kamen auch vom Autochip-Hersteller Rohm und der Fluggesellschaft All Nippon Airways.

Die unbewohnte Inselgruppe nordöstlich von Taiwan heißt auf Japanisch Senkaku, die Chinesen nennen sie Diaoyu. Die umliegenden Gewässer sind reich an Fischen, zudem werden in der Region umfangreiche Erdgasvorkommen vermutet. Der Konflikt hat sich zuletzt zugespitzt, nachdem die japanische Regierung trotz scharfer Warnungen aus Peking einen Teil der Inselgruppe einem privaten japanischen Besitzer abkaufte. In China kam es zu tagelangen Protesten und Übergriffen auf japanische Einrichtungen.

Der chinesische Automarkt ist der größte der Welt und wächst - wenngleich verlangsamt - immer noch vergleichsweise kräftig. Für die exportlastigen japanischen Anbieter ist er daher besonders wichtig. Japanfeindliche Stimmungen sind in der Volksrepublik nichts Ungewöhnliches, sie kommen wegen der japanischen Besetzung weiter Teile Chinas im letzten Krieg regelmäßig auf. Dauerhafte Absatzeinbußen hatten sie bislang nicht zur Folge. Die Frage ist, ob der gegenwärtige Boykott dieses Mal länger andauert.

Wegen des schwachen Verkaufs und der steigenden Lagerbestände plant Toyota nun, seine Produktion in China zu halbieren. Auch sollen von November an keine Fahrzeuge der Luxusmarke Lexus mehr nach China eingeführt werden. Das Ziel, den Verkauf im größten Neuwagenmarkt der Welt in diesem Jahr von 900000 auf eine Million Einheiten zu steigern, sei gefährdet, meldeten japanische Medien.

In China hatte die Verstaatlichung der Inseln im September zu Demonstrationen sowie zu Streiks und Sabotageversuchen in japanischen Fabriken geführt. Japanische Geschäfte, Autohändler und Autofahrer sahen sich Angriffen ausgesetzt, Produktionsbetriebe, Einzelhändler und Restaurants mussten schließen. Protestierende Chinesen riefen zum Boykott japanischer Waren auf, chinesische Fischerboote liefen demonstrativ die Inseln an, verletzten die japanischen Hoheitsgewässer am Ende dann aber doch nicht.

Deutsche Hersteller profitieren

„Dass japanische Autos angezündet werden, verängstigt die Verbraucher in China“, sagt Zeng Zhiling vom Marktforschungsdienst J.D. Power in Schanghai. Sie fürchteten um ihr Eigentum und ihre Unversehrtheit und kauften deshalb lieber andere Modelle. „Der Boykott der Japaner hilft deutschen, amerikanischen und chinesischen Herstellern“, urteilt Zeng. BMW steigerte seine Verkäufe in China im vergangenen Monat um 55 Prozent), Audi um 20 und Mercedes-Benz um 10 Prozent. Der südkoreanische Autobauer Hyundai legte um 15 Prozent zu. In der Mittelklasse, in der die Japaner bisher besonders stark waren, profitierten vor allem die Marken VW und Buick (General Motors). In der Kompaktklasse erhielten neben den Deutschen und Amerikanern auch die chinesischen Anbieter Cherry und BYD Zulauf.

China und Japan sind die größten Volkswirtschaften der Welt nach den Vereinigten Staaten. Der bilaterale Handel umfasste 2011 rund 340 Milliarden Dollar. China ist für Japan der wichtigste Partner, andersherum rangiert Japan für China auf Rang drei hinter der EU und Amerika.

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Jahrgang 1959, Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.

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