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Innovationsvermarktung Mit dem Namen MP3 allein läßt sich nichts verdienen

01.08.2005 ·  Die digitale Musikrevolution stammt aus Erlangen, aber die Deutschen machen kein Geschäft mit ihr. Immer wieder wurde hierzulande Pionierarbeit in der IT-Forschung geleistet. Doch die Erfindungen werden zumeist andernorts vermarktet.

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Erst vor gut zwei Wochen, am 14. Juli, ist der Name, genauer das Buchstaben- und Zahlenkürzel MP3 (“Moving Pictures Expert Group Audio Layer 3“) zehn Jahre alt geworden. Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen entschieden sich an jenem Tag im Jahr 1995 für MP3 als Dateiendung für das dort entwickelte Audiokompressionsverfahren. Weitere acht Jahre zuvor war den Forschern erstmals die Kompression von Audiodateien zum MP3-Format gelungen. Die Namensgebung war der Abschluß der Entwicklungsarbeiten eines Teams von bis zu 40 Mitarbeitern.

Mit dem sogenannten „MP3-Spieler“ entstand danach in Windeseile ein völlig neuer Markt in der Unterhaltungselektronik. Allein in Deutschland wurden im vergangenen Jahr mehr als 3 Millionen Geräte verkauft. Nur das Geschäft machen nicht die Deutschen. Die Chips, die mit den MP3-Daten umgehen können, und die zugehörigen Abspielgeräte werden in der Regel in Asien hergestellt. Der amerikanische Computerkonzern Apple und kein deutsches Unternehmen schickt sich an, mit dem digitalen Musikspieler iPod und der zugehörigen Musik-Verkaufsplattform im Internet die kommerzielle Welt der Musik zu revolutionieren. Während das Fraunhofer-Institut zu Recht stolz auf das Jubiläum der Namensgebung verweist, freuen sich die Apple-Aktionäre darüber, daß der Kurs ihrer Papiere allein in den vergangenen zwölf Monaten um rund 200 Prozent gestiegen ist.

Pioniere der Computertechnologie

Jedermann kann sich allerdings darüber freuen, daß die Deutschen das MP3-Format schon seit 1992 vor allen Veränderungen rechtlich schützen ließen. Milliarden vorhandener MP3-Dateien sind deshalb auch heute noch abspielbar, was in der schnellebigen Computerwelt nicht selbstverständlich ist.

Pionier waren die Deutschen auch bei der Computertechnologie schlechthin: Mit drei logischen Schaltungen und 2600 Relais ausgestattet, kam 1941 der erste voll funktionstüchtige, programmierbare Rechner zum Einsatz - nicht in Amerika, nicht in Asien, sondern in Deutschland. Erfinder der elektromechanischen, binären Rechenmaschine war Konrad Zuse, ein Bauingenieur aus Berlin. Mit dem Z3 begann das digitale Zeitalter. In nur 65 Jahren krempelte der Computer, der nach der Erfindung der integrierten Schaltkreise immer kleiner wurde, nahezu alle Bereiche des Lebens um. Heute werden Jahr für Jahr 45 Millionen Personal Computer verkauft, 3 Millionen davon allein in Deutschland. Marktführer sind aber keine deutschen Anbieter und auch keine amerikanischen Traditionsunternehmen wie IBM oder Hewlett-Packard, sondern der texanische Hersteller Dell, dessen wesentliche Innovation ein besonders effizientes Produktions- und Direktvertriebsmodell ist.

Hoffnungsträger Chipkarte

Noch nicht völlig aussichtslos ist die Situation aus deutscher Sicht hingegen bei einem anderen wichtigen Produkt der Informationstechnologie, der ebenfalls hierzulande ersonnenen Chipkarte, die aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken ist. Ob Krankenkassen-, Geld-, oder Telefonkarte: Alle wichtigen Daten finden, in Plastik verpackt, Platz in unserer Brieftasche. Jürgen Dethloff und Helmut Gröttrup reichten schon 1968 - zunächst in Österreich, später in Deutschland - ein Patent für eine Karte mit integriertem Schaltkreis ein, das jedoch erst 1982 erteilt wurde. Und die Entwicklung steckt auch heute, trotz dieses langen Vorlaufs, noch in den Kinderschuhen.

Die Vorbereitungen für eine völlig neue elektronische Gesundheitskarte laufen in Deutschland auf Hochtouren. Als Speichermedium für biometrische Daten wie Fingerabdrücke treibt die Chipkarte die Weiterentwicklung internationaler Sicherheitsstandards voran. An diesen Entwicklungen sind weiterhin deutsche Unternehmen maßgeblich beteiligt, zum Beispiel Giesecke & Devrient und der Chiphersteller Infineon.

Und auch aus dem Bereich der Fraunhofer-Institute gibt es eine neue Entwicklung, bei deren kommerzieller Verwertung die Deutschen vielleicht mehr Glück haben als beim MP3-Format: Sie heißt Iosono und hat das Potential, den Erlebnischarakter einer jeden Filmvorführung, in welchem Rahmen auch immer, zu revolutionieren. Iosono basiert auf der sogenannten Wellenfeldsynthese und ist das Ergebnis aus 15 Jahren Forschung. Die Technologie wurde in einem europäischen Forschungsprojekt unter der Leitung des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie zur Marktreife entwickelt. Lautsprecher werden in einem Ring um den Wiedergaberaum plaziert. Durch eine gezielte Ansteuerung der einzelnen Lautsprecher entsteht auf diesem Weg ein individuelles realistisches Klangfeld. Iosono bietet dem Hörer ein perfektes räumliches Akustikerlebnis. Die Vermarktung läuft.

Quelle: Kno., F.A.Z., 01.08.2005, Nr. 176 / Seite 12
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