Gelbe und graue Tonnen unterscheiden sich in vielen deutschen Großstädten nur noch äußerlich. Der Inhalt ist weitgehend identisch. Je höher die Müllgebühren, desto mehr Restmüll landet in den Behältnissen, die eigentlich nur als Zwischenlager für ausgediente Verpackungen dienen sollen.
Ihre Zweckbestimmung hat sich auch fünfzehn Jahre nach der Einführung des Grünen Punktes vielen Verbrauchern nicht erschlossen. Besonders umweltbewußte Zeitgenossen sortieren sogar bewußt nicht nach Verpackungs- und Restmüll, sondern nach Abfall und vermeintlichen Wertstoffen. Und da sich Kunststoff angeblich so trefflich wiederverwerten läßt, findet eben auch das kaputte Bobby-Car sein Ende im gelben Sack.
Mehr Wertstoffe für weniger Geld
Viele Kritiker des Systems fordern deshalb die Umstellung der Sammlung auf eine Mischtonne für Leichtverpackungen und Restmüll. Mit Hilfe moderner Sortiertechnik könnten anschließend die Wertstoffe und auch heizwertreiche Bestandteile des Mülls herausgeholt werden. Mehrere Feldversuche haben bewiesen, daß das Verfahren funktioniert und sogar Einsparungen möglich sind, weil der Transportaufwand durch den Wegfall einer Abholtour sinkt. Ob diese Rechnung auch bei großräumiger Anwendung aufgeht, ist fraglich. Immerhin müßten dann erst einmal rund 2 Milliarden Euro in zusätzliche Sortiereinrichtungen investiert werden, um den gesamten Abfallberg bewältigen zu können.
Je nach Versuchsanlage kann die Wertstoff-Ausbeute höher ausfallen als bei der Getrenntsammlung, weil auch die Restmüllfraktion intensiver auf brauchbare Stoffe durchforstet wird. Die Sortierungstechnik wird immer ausgefeilter. Ziel ist es, möglichst sortenreine Abfälle zu gewinnen, weil nur diese eine hochwertige Verarbeitung zu Sekundärrohstoffen zulassen.
Recycling bei Kunststoffarten bleibt ein Zuschußgeschäft
Beim Kunststoff kommt dazu zunehmend die Nahinfrarot-Erkennung zum Einsatz: Sie ist in der Lage, beispielsweise unterschiedliche Verpackungsmaterialien wie PE, PET, PP oder PS zu unterscheiden. Aber auch dann ist das anschließende Recycling bei den meisten Kunststoffarten immer noch ein Zuschußgeschäft. Wirklich lohnend ist nur die PET-Weiterverarbeitung. Im Durchschnitt der gesamten übrigen Leichtverpackungsfraktion stehen Kosten von durchschnittlich 75 Euro je Tonne nach Angaben des Dualen Systems Deutschland (DSD) Erlöse von rund 20 Euro gegenüber. Das Glas- und Papierrecycling sind dagegen schon heute ein durchaus interessantes Geschäft, erst recht natürlich die Wiederverwertung von Altmetallen.
Mit Fortschritten in der Sortier- und Feuerungstechnik gewinnt auch die thermische Verwertung an Bedeutung. In Deutschland sind bereits 64 sogenannte mechanisch-biologische Anlagen (MBA) für die Aufbereitung von Restmüll in Betrieb. In ihnen werden zunächst Kunststoffe und andere heizwertreiche Fraktionen für eine energetische Nutzung abgetrennt. Ebenso werden Eisen und Nichteisenmetalle wie Aluminium für die stoffliche Nutzung ausgesondert. Aus der Restfraktion wird durch Gärung Biogas gewonnen, das ebenfalls energetisch genutzt werden kann. Rund 50 überwiegend mittelständische Unternehmen produzieren in Deutschland derartige Anlagen und Maschinen für die Abfallbehandlung und das Wertstoffrecycling.