IBM hat das neue Schlagwort geprägt: E-Business on demand. Der Gebrauch des Begriffs für die unterschiedlichsten „dynamischen“ Anwendungen - etwa für das „intelligente“ Auto oder Haus sowie plattformübergreifende Speicher-Lösungen zeigt, daß es dabei nicht mehr nur um Marketing geht. Schon heute gibt es erste Ansätze für diese Leistungen der Informationstechnologie auf Abruf. Zu ihren Basiselementen zählt das Management der IT- und Kommunikations-Infrastruktur.
Es sind die alten Triebfedern, die auch die Idee des On-Demand hervorgebracht haben: der Kostendruck auf die IT-Budgets und die Suche nach neuen Geschäftsfelder. Zur Gegenstrategie bei den Kosten zählen Konzepte zur Auslagerung sowie intelligente Administrationslösungen, die die vorhandenen Ressourcen besser nutzen sollen. „Wer weiß, daß die Auslastung von Servern gerade mal bei 10 bis 25 Prozent liegt und die der Speicher bei 35 Prozent - weil sie nur für zugeordnete Anwendungen arbeiten -, der ahnt das enorme Einsparpotential“, erläutert Georg Lauer, Regional Manager Technology Services bei Computer Associates in Darmstadt.
Anwendungen über das Netz abrufen
Darüber hinaus hat das Internet als Kommunikationsvehikel die Tür zu facettenreichen Geschäftsfeldern und Geschäftsbeziehungen aufgestoßen. Die Folge sind ständig wechselnde Anforderungen an die IT-Abteilung, an die Rechnerkonfiguration und Applikationen. Von der Idee der Webservices bis zu Computerdiensten auf Abruf ist nur ein kleiner gedanklicher Sprung, der die Visionäre in der IT-Szene beflügelt. So erklärt etwa die Gesellschaft für Informatik (GI) in einem gemeinsamen Positionspapier mit der informationstechnischen Gesellschaft im VDE, daß im Jahre 2010 Applikationen nicht mehr lokal vorgehalten, sondern Mikroprozessoren über Schnittstellen die gewünschten IT-Ressourcen aus dem weltweiten Netz abrufen werden. Mit Blick auf die „Computer“, die heute bereits in vielen Gebrauchsgütern und Maschinen versteckt ihre Dienste entwerfen die Informatiker das Bild von zukünftig schlanken Funktionskomponenten, die sich selbst konfigurieren und ohne menschliches Zutun verwalten.
Auch wenn es sich dabei noch um ein „großes Stück Wunschtraum handelt“, wie ein Praktiker aus einem Rechenzentrum kommentiert, gibt es bereits heute erste Ansätze und reale Anwendungen, die die Realisierbarkeit im „Kleinen“ beweisen: So funktioniert etwa das ABS-Bremssystem im Auto - ein Netz aus Chips und Sensoren - ohne menschlichen Eingriff. Und das Future-Life-House in Zürich zeigt eindrucksvoll, wie sich diverse Haushalts- und Audio-Geräte sowie die gesamte Haustechnik von einem Kleincomputer via Internet bedienen lassen, ohne daß eines der Familienmitglieder gezwungen ist, sich auf Systemadministration und Wartung umschulen zu lassen.
Sinnvolle Benutzeroberfläche als wichtiger Erfolgsfaktor
Auch aus dem „intelligenten“ Auto heraus können die Hausanlagen und -Geräte angesteuert werden. Christian Popp, Projektmanager beim Softwaredienstleister und Embedded-Experten Xcc in Karlsruhe, der von der IBM Deutschland als strategischer Technologiepartner für die Entwicklung der flexiblen grafischen Benutzeroberfläche der Bediengeräte im Smart Home Bereich ausgewählt wurde, erklärt: „Eine ansprechende ergonomische Benutzeroberfläche, die auf der Benutzeroberfläche alle Funktionen zusammenführt, ist ein wichtiger Faktor für den Erfolg solcher Anwendungen, aber ohne die interne und externe (mobile) Kommunikations- und IT-Infrastruktur, würde auch das bedienerfreundlichste Steuergerät nichts nützen.“
Dies ist der Ansatz des Systemmanagement-Spezialisten Computer Associates, der das On-Demand-Konzept mit ihrer Managementsoftware „evolutionär“ einführen will. Georg Lauer: „Computing auf Abruf ist in erster Linie eine Infrastrukturmanagement- und Service-Aufgabe.“ Denn je öfter Hardware- und Software-Konstellationen wechseln, um so wichtiger wird es, daß der IT-Administrator den Überblick behält und möglichst viele Steuerungs- und Wartungsaufgaben automatisiert ablaufen lassen kann. Aus diesem Grund sind die Anbieter seit Jahren bemüht, so genannte autonome Systeme zu entwickeln, die mittels „intelligenten“ selbstheilenden Mechanismen die IT-Infrastruktur in den Unternehmen selbständig und präventiv verwalten. Diese Funktionalität, die heute ansatzweise umgesetzt ist, wird von Fachleuten als ein wichtiger Baustein für den Erfolg der Dienste-auf-Abruf angesehen.
Integration über Software jenseits der Standardprogramme
Während es noch relativ einfach ist, hardware-basierte Rechnerleistung an die Kunden zu verteilen und je nach Bedarf zu- oder abzuschalten, wird es bei der Bereitstellung von nachfrageorientierten Softwarekomponenten sehr viel schwieriger. Standardsoftware kann nicht in jede Umgebung integriert werden. Hier sind, wie es die GI formuliert, neue Software-Entwicklungen - etwa Programmobjekte, die sich flexibel abrufen und konfigurieren lassen - gefordert.