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Informationspanne bei der Federal Reserve : Wer die Protokolle zu früh bekam

Zu früh gemailt: Ein Mitarbeiter der Fed verschickte das Protokoll einen Tag eher als geplant. Bild: dapd

Amerikas Notenbank hat aus Versehen marktsensible Daten zu früh an Banken herausgeschickt. Das hat einigen Banken vielleicht Handelsvorteile gebracht. Eine Auswertung der E-Mail-Adressen durch die F.A.Z. zeigt, wer die Daten vorab erhielt.

          In einer beispiellosen Informationspanne hat die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) am Dienstag marktrelevante Informationen vorzeitig an Mitarbeiter von Banken wie Goldman Sachs und Citigroup geschickt. „Wir wissen zu diesem Zeitpunkt nicht, ob mit der unbeabsichtigten Veröffentlichung irgendwelche Handelsaktivitäten verbunden sind“, sagte ein Fed-Sprecher der F.A.Z. Harm Bandholz, der Amerika-Chefvolkswirt von Unicredit in New York, sagte, er habe am Dienstag keine auffälligen Bewegungen an den Finanzmärkten gesehen. Die Fed untersucht nach eigenen Angaben den Vorfall und hat auch die Börsenaufsichtsbehörden SEC und CFTC informiert.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Panne geschah, als ein Mitarbeiter des Verbindungsbüros der Fed zum Kongress das Protokoll der Sitzung des Offenmarktausschusses von Ende März am Dienstag einen Tag zu früh per E-Mail an 153 Kontakte im Kongress, bei Verbänden und auch an Lobbyisten von Banken versandte. Damit besteht die Möglichkeit, dass die Informationen an Händler weitergegeben wurden. Nach Fed-Angaben erhalten die 153 Personen das Protokoll üblicherweise kurz nach der regulären Veröffentlichung.

          Veröffentlichung der Protokolle musste 5 Stunden vorgezogen werden

          Die Fed entdeckte den Fehler nach eigenen Angaben am frühen Mittwochmorgen und zog die Veröffentlichung der Protokolle daraufhin um 5 Stunden auf 9 Uhr morgens vor. So wurden die Protokolle zwar vor Börsenbeginn veröffentlicht, doch der vorbörsliche Handel lief schon. „Eigentlich hätte die Fed das Protokoll am Mittwoch schneller veröffentlichen müssen“, sagte Bandholz. Nach amerikanischen Medienberichten brauchte die Notenbank nach Entdeckung der Panne dafür zweieinhalb Stunden. Die Fed erklärte auf Anfrage, sie habe das Protokoll so schnell wie praktisch möglich veröffentlicht.

          Aus dem Protokoll geht hervor, dass die Mitglieder des Offenmarktausschusses im März intensiv über eine Verringerung der Käufe von Staats- und Hypothekenanleihen möglicherweise schon nach der Jahresmitte und ein Ende zum Jahresende debattierten - unter der Bedingung, dass die Erholung am Arbeitsmarkt andauere und sich verfestige.

          Zu den Fed-Kontakten, die vorzeitig das Sitzungsprotokoll erhielten, gehören Mitarbeiter von Barclays, BNP Paribas, Capital One, Citigroup, Goldman Sachs, HSBC, JPMorgan Chase, Nomura, PNC, UBS und Wells Fargo. Weitgehend handelt es sich aber um Mitarbeiter des Kongresses und von Wirtschaftsverbänden. Auch Mitarbeiter des österreichischen Finanzministeriums und der EZB erhielten das Protokoll vorab. Die Fed stellte die E-Mail-Liste Journalisten zur Verfügung.

          Die Information wirft Fragen auf, wie die Federal Reserve mit sensiblen Informationen umgeht. Ein Punkt dabei ist, dass die Fed manche marktsensible Informationen vorab unter Embargo an Journalisten gibt, damit diese zum Veröffentlichungszeitpunkt sofort berichten können. Auch das Protokoll wurde am Mittwoch Journalisten unter Embargo eine halbe Stunde vorab zur Verfügung gestellt.

          Die amerikanische Bundespolizei FBI hat nach Informationen der Wirtschaftszeitung „Wall Street Journal“ gerade wieder eine entsprechende Untersuchung aufgenommen, bei der es um diese auch von anderen amerikanischen Bundesbehörden gepflegten Praktiken geht. Die Vorwürfe zielen auf Nachrichtenagenturen, die womöglich Sekundenbruchteile zu früh über Wirtschaftsdaten berichtet haben.

          Die Europäische Zentralbank (EZB) gibt von ihr als marktsensibel eingeschätzte Informationen nicht vorab unter Embargo an Journalisten heraus. Geldpolitische Beschlüsse werden in Echtzeit in einer Telefonkonferenz mit Nachrichtenagenturen und im Internet veröffentlicht. Vergleichbar mit den Protokollen der Fed ist am ehesten der Monatsbericht der EZB, da er wie die Protokolle vertiefte Einschätzungen der wirtschaftlichen und geldpolitischen Lage enthält. Vor mehreren Jahren schon hat die EZB die Embargozeit bei dieser Veröffentlichung von mehreren Stunden auf eine halbe Stunde verkürzt.

          Wer erhielt die Fed-Daten?

          Die Federal Reserve hat Journalisten die Email-Liste der 153 Personen zur Verfügung gestellt, denen am Dienstag das Protokoll der letzten Sitzung des Offenmarktausschusses verfrüht gemailt wurde. Eine Auswertung der E-Mail-Adressen durch die F.A.Z. zeigt, dass neben zahlreichen Mitarbeitern von Abgeordneten und Senatoren Mitarbeiter folgender Unternehmen und Institutionen vorab das Dokument erhielten - versehen mit einer Sperrfrist für den folgenden Tag (pwe.)


          Banken
          Barclays Capital
          BNP Paribas
          Capital One
          Citigroup
          Fifth Third Bank
          Goldman Sachs
          HSBC
          J.P. Morgan Chase
          Nomura
          PNC
          UBS
          U.S. Bank
          Wells Fargo


          Finanzdienstleister und Anlageberatungsgesellschaften
          The Carlyle Group
          Guggenheim Partners
          Intercontinental Exchange
          King Street Capital Management
          Standard & Poor’s


          Lobbyisten und Kanzleien
          BB&T
          The Cypress Group, DC
          Roberts, Raheb & Gradler
          Rich Feuer Anderson
          Sullivan & Cromwell
          Whitmer & Worrall
          Williams & Jensen


          Wirtschaftsverbände
          American Bankers Association
          American Council of Life Insurers (ACLI)
          The Clearing House
          Financial Industry Regulatory Authority
          Independent Community Bankers of America
          National Association of Realtors
          Securities Industry and Financial Markets Association (Sifma)


          Amerikanische Regierungsstellen
          Conference of State Bank Supervisors
          Consumer Financial Protection Bureau
          Executive Office of the President
          U.S. Securities and Exchange Commission (SEC)
          Federal Housing Finance Agency (FHFA)
          Treasury
          National Credit Union Association


          Ausländische Regierungsstellen und Zentralbanken
          Bundesministerium der Finanzen, Österreich
          Bank von Japan, DC Büro
          Europäische Zentralbank

          Quelle: F.A.Z.

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