Home
http://www.faz.net/-gqe-6z5fh
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Inflation Kleingläubige EZB-Beamte

Ausgerechnet die Beschäftigten der EZB fordern Pensionen mit Inflationsschutz. Der Glaube an das Stabilitätsversprechen der Zentralbank scheint bei den eigenen Mitarbeitern zu bröckeln.

© dpa Vergrößern Glaubt die EZB noch an stabiles Geld?

Der Führung der Europäischen Zentralbank in Frankfurt ist das Thema spürbar unangenehm. Denn die Mitarbeiter der Institution machen mit einem Vorstoß deutlich, dass sie am Erfolg der Bewältigung ihrer Kernaufgabe zweifeln: Für Geldwertstabilität zu sorgen. Die Personalvertretung der Notenbank fordert jetzt, die Pensionen der Mitarbeiter müssten gegen die Inflation geschützt werden. Sie verlangt damit einen Versicherung gegen das eigene Versagen.

Christian Siedenbiedel Folgen:    

„Unglücklicherweise sind die Pensionen der EZB-Beschäftigten nicht gegen Inflation geschützt“, sagte Carlos Bowles, ein Sprecher der Personalvertretung, der F.A.S. Die Altersvorsorge der EZB-Mitarbeiter sei über eine Art Pensionsfonds organisiert. „Deshalb sollte es normalerweise möglich sein, die Risiken über geeignete Finanzinstrumente abzusichern - etwa inflationsindexierte Anleihen.“ Solche geschützten Anleihen bringen zwar in der Regel etwas weniger Rendite als normale Anleihen. Aber selbst diesen Preis wären die EZB-Beschäftigten zu tragen bereit - so groß ist die Furcht der Eurohüter vor einem Geldwertverlust des Euro.

„Wir verstehen nicht, warum die Führung der EZB es ablehnt, unsere Pensionen gegen die Inflation zu schützen“, schimpft die Personalvertretung. Sogar ein Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof sei in dieser Sache anhängig: Ein Pensionär habe mit Unterstützung der Personalvertretung und der Notenbanker-Gewerkschaft IPSO geklagt.

Sollen EZB-Mitarbeiter die Folgen der Inflation am eigenen Leibe spüren?

Der ganze Streit wäre vermutlich nicht weiter bemerkenswert, wäre die Inflation, vor der sich die Mitarbeiter der EZB so fürchten, nicht genau jene Erscheinung, die zu verhindern oder zumindest gehörig einzudämmen der Sinn der ganzen Einrichtung ist.

Die Belegschaftsvertreter argumentieren, es dürfte für EZB-Präsident Mario Draghi und sein Direktorium doch kein Problem sein, einen wirksamen Inflationsschutz für die Pensionen einzuführen - weil sie die Inflation schließlich selbst beeinflussen könnten. Und wenn die Inflation niedrig bleibe, wie es der gesetzliche Auftrag ihrer Chefs doch vorsehe, dann dürfte der Inflationsschutz über geeignete Finanzinstrumente auch keine allzu teure Angelegenheit werden.

Offiziell wollte die Europäische Zentralbank dazu nicht Stellung nehmen. Sie verwies auf ihre Anstellungsbedingungen, die eine regelmäßige Überprüfung und Anhebung der Pensionen vorsehen. Eine Sprecherin sagte, das laufende Verfahren vor dem EuGH kommentiere man nicht.

Mehr zum Thema

Die Personalvertretung meint, die Notenbankchefs wollten sich nicht nach außen blamieren: Wie sähe das aus, wenn eine Institution antritt, Europa vor der Inflation zu schützen - auf die eigene Arbeit aber so wenig vertraut, dass sie für die Pensionen der eigenen Mitarbeiter lieber von Banken einen Inflationsschutz konstruieren lässt?

Vertreter der Stabilitätslehre in der EZB argumentieren, es sei gut, wenn diejenigen, die über die Geldwertstabilität zu wachen hätten, die Folgen der Inflation am eigenen Leibe spürten. „Das setzt die richtigen Anreize.“ Ein Inflationsschutz für Pensionen gehe deshalb „genau in die falsche Richtung“.

Auch über die Wirkung einer solchen Entscheidung auf einige Mitgliedsländer im Euroraum ist offenbar in der EZB diskutiert worden. In einige europäischen Ländern wie Belgien sind Löhne und Gehälter zum Teil inflationsindexiert - sie steigen also mit zunehmender Inflation. Mehrere frühere EZB-Präsidenten haben solche Regelungen kritisiert, weil sie die Inflation insgesamt hochtreiben können. Wie aber sollte die EZB ihren Mitgliedsländern die Inflationsindexierung austreiben, wenn sie genau das für die Pensionen der eigenen Mitarbeiter einführt?

Quelle: F.A.S.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Schwierige Wirtschaftslage Italien macht Deutschland zum Sündenbock

Die Bundesrepublik soll schuld sein an der Stagnation Italiens. Der ehemalige Ministerpräsident Prodi verlangt Solidarität. Mehr

08.09.2014, 07:14 Uhr | Wirtschaft
Koalition uneins nach Urteil des EuGH zur Datenspeicherung

Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Vorratsdatenspeicherung zeigt sich die Bundesregierung uneins über ihr weiteres Vorgehen. Mehr

08.04.2014, 15:55 Uhr | Politik
Euro-Treffen in Mailand Europa will das Wachstum neu starten

Die Konjunktur in der Europäischen Währungsunion lahmt - schon wieder. Die Finanzminister wollen das ändern. Investitionen sind nun das große Thema. Mehr

12.09.2014, 13:56 Uhr | Wirtschaft
Rom-Tour für Jogger

Rom kann einfach atemberaubend sein - und Touristen können das am eigenen Leib spüren, bei einer Stadttour für Jogger vorbei an einigen der sehenswertesten Orten der Ewigen Stadt. Bei einem Durchschnittstempo von sieben Stundenkilometern ist der Lauf-Tourismus auch etwas für Anfänger mit weniger Puste. Mehr

19.09.2014, 09:40 Uhr | Reise
Mein Urteil Können Übergewichtige gegen Diskriminierung klagen?

Fast 19 Prozent der über 50-Jährigen gelten derzeit als fettleibig, Tendenz steigend. Das ist ungesund, sogar lebensbedrohlich. Aber ist es auch ein Kündigungsgrund? Mehr

11.09.2014, 05:00 Uhr | Beruf-Chance
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 14.04.2012, 13:44 Uhr

Der Apple-Hype ist zurück

Von Carsten Knop

Egal ob Europa, Amerika oder Australien: Überall stehen Kunden vor den Apple-Stores in langen Warteschlangen, um die neuen iPhones zu kaufen. Die Erben des Steve Jobs führen die Marke perfekt weiter. Mehr 20 15


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Auf dem Weg in eine neue Internetblase?

In den Vereinigten Staaten mehren sich die Stimmen, die vor einer neuen Technologie-Blase warnen. Denn die Risikobereitschaft der Investoren ist so hoch wie lange nicht mehr. Mehr 1

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden