http://www.faz.net/-gqe-89bwj

Kfz-Diebstahl : Hier werden die meisten Autos geklaut

Ein Autoknacker am Werk Bild: dpa

Witze über langfingrige Polen sind seit Jahren beliebt. Ein Fünkchen Wahrheit steckt dahinter. Die meisten Täter sind jedoch Deutsche und klauen am liebsten im Osten.

          Die Zahl der gestohlenen Autos ist im Jahr 2014 zurückgegangen: 36.388 Autos wurden geklaut. Das sind 1100 weniger als noch 2013. Doch die Schadenssumme erreicht mit mehr als 474 Millionen Euro einen neuen Spitzenwert. Das ermittelte das Verbraucherportal billiger.de und beruft sich auf Angaben der zuständigen Polizeidirektionen.

          Anna Steiner

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Trotz aller neuartigen Sicherungssysteme, auf die immer mehr Autohersteller zurückgreifen, bleibt Deutschland ein „Selbstbedienungsladen“, schreibt das Portal. Diebstahlhochburg – und zwar mit deutlichem Abstand – ist Görlitz in Sachsen. Doch auch in Berlin, Köln oder Hamburg wechseln mehr Autos unfreiwilligerweise den Besitzer als im Durchschnitt. Zwar verschwanden in den ostdeutschen Staaten in absoluten Zahlen weniger Autos als in den westlichen und südlichen Bundesländern, umgerechnet auf die zugelassenen Wagen ergibt sich jedoch eine Diebstahlquote von 176 gestohlenen Wagen auf 100.000 gemeldete Autos, während es im Westen nur 75 gestohlene Wagen je 100.000 Zulassungen sind.

          Wirklich entspannt parken können Autofahrer nur im Landkreis Miesbach in Bayern. Dort meldete die Polizei im Jahr 2014 lediglich einen Diebstahl. Auch in Neumark in der Oberpfalz oder in Fürth liegt die Diebstahlquote im einstelligen Bereich je 100.000 zugelassener Autos. Im Süden und Südwesten dürften Autobesitzer nach der Erhebung einen wesentlich ruhigeren Schlaf bekommen. Städte in Baden-Württemberg und Bayern stellten sich als besonders sicher heraus.

          Die Aufklärungsquote ist äußerst gering

          Der Schaden pro geklautem Auto wird derweil immer größer. 1991 entstand ein Schaden von umgerechnet durchschnittlich 6500 Euro pro gestohlenem Auto, im vergangenen Jahr waren es bereits etwa 13.000 Euro. Während vor 25 Jahren Autos noch mit einem Schraubenzieher zu knacken waren, gingen mit der Weiterentwicklung in der Automobil-Branche und der Verbesserung der Diebstahl-Sicherheitssysteme die Straftaten zurück. Um die Zeit der Wende waren außerdem nur 15,3 Prozent der Diebe „nichtdeutsche Tatverdächtige“. Nach dem Wegfall der Grenzkontrollen und mit den neuen technischen Möglichkeiten was die Sicherheit von Fahrzeugen betrifft, verfügt fast nur noch die „organisierte Kriminalität“ über das Know-How und die kriminelle Energie, Fahrzeuge zu knacken. Daraus folgt eine wesentliche höhere Schadenssumme je gestohlenem Wagen als früher.

          Negativ auffallend sind auch die miserablen Aufklärungsquoten. Weniger als ein Drittel (nur etwa 27,5 Prozent) der gestohlenen Wagen können wieder aufgefunden werden. 17 der 24 Städte, in denen besonders viele Wagen gestohlen werden, liegen noch unter den mageren 27,5 Prozent der bundesdeutschen Aufklärungsquote. Hier fallen besonders Rostock (6,7 Prozent) und Aachen (8,5 Prozent) ins Auge.

          Einen Opel klauen? Nee, danke! Bild: FAZ.NET / Statista - Lizenz: CC BY-ND 3.0

          Wenn die Polizei die Diebe zu fassen bekommt, zeichnet sich folgendes Bild: Die Mehrheit der Tatverdächtigen (65 Prozent) besitzt deutsche Papiere, rund 35 Prozent sind sogenannte „nichtdeutsche Tatverdächtige“. Damit ist deren Anteil seit der Wiedervereinigung deutlich angestiegen und hat sich in den letzten 25 Jahren verdoppelt. 92 Prozent der ertappten Autoknacker sind Männer, die 25 bis unter 40 Jahre alten Personen stellen die größte Gruppe. 37 Prozent der ermittelten ausländischen Tatverdächtigen besitzen einen polnischen Pass. „Funfact“ zum Schluss: Zehn Prozent der Diebe beginnen ihre Straftaten unter Drogeneinfluss, 13 Prozent sind betrunken.

          Quelle: anst.

          Weitere Themen

          Revision im Prozess um Scharia-Polizei Video-Seite öffnen

          BGH prüft Freigesprochene : Revision im Prozess um Scharia-Polizei

          Im Jahr 2014 war eine Gruppe von Männern durch Wuppertal patrouilliert und wollten junge Muslime ansprechen und sie ermahnen, nach der Lehre des Korans zu leben. Nachdem vor einem Jahr das Landgericht Wuppertal die Männer freigesprochen hat, ist die Staatsanwaltschaft in Revision gegangen.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          SPD und Regierungsbildung : Stabile Gedanken

          Die Union blockt Forderungen der SPD schon jetzt ab. Das wird nicht einfach für Schulz. Immerhin vereint ihn ein stabiler Gedanke – ausgerechnet mit der CSU. Ein Kommentar.
          Schon das Software-Update aufgespielt?

          Diesel-Affäre : Zeit für Mogel-Volkswagen läuft ab

          Wer einen manipulierten Volkswagen besitzt, muss seine Ansprüche schnell geltend machen. Etliche auf Massenverfahren spezialisierte Kanzleien mahnen deshalb zur Eile.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.