08.09.2010 · Filet aus China, Rollmops aus Polen: Viele Fische, die in Deutschland verspeist werden, kommen aus dem Ausland. Dabei werden die Fischimporte oft noch nicht mal in den Meeren der Länder gefangen, in denen sie für den Verzehr verarbeitet werden.
Von Johannes Ritter, HamburgViele Fische haben eine lange Reise hinter sich, wenn sie im Netz eines Fischers landen. Doch danach beginnt für etliche von ihnen eine noch viel längere Reise. Manchmal werden sie um den halben Erdball transportiert, bevor sie bei uns in der Pfanne braten. Der deutsche Markt ist dominiert von Importfischen. Von den 2,1 Millionen Tonnen Fisch und Fischereierzeugnissen, die im vergangenen Jahr hierzulande angeboten wurden, kamen 87 Prozent aus dem Ausland.
Dabei handelt es sich in schwindendem Maße um Direktimporte, wie das Beispiel China zeigt. Aus dem Reich der Mitte kommen mittlerweile fast 12 Prozent der Fischimporte. Das ist insofern befremdlich, weil es im Gelben Meer kaum Fische gibt, die dem deutschen oder europäischen Geschmack entsprechen. Liegt es vielleicht daran, dass die Chinesen mit Zuchtfischen in Binnengewässern ihre Geschäfte machen, ähnlich wie die Vietnamesen mit dem Pangasius? Nein, sagt Matthias Keller, Geschäftsführer des von der deutschen Fischwirtschaft getragenen Fisch-Informationszentrums (FIZ) in Hamburg. Er hat eine andere Erklärung: „Länder wie Russland fangen den Fisch vor ihren Küsten, frieren ihn ein und schicken ihn zur Handfiletierung nach China. Von dort wird er in tiefgefrorenen Blöcken oder in einzeln verpackten Filets nach Deutschland gebracht. Aus den Fischblöcken schneiden die deutschen Anbieter dann ihre Schlemmerfilets und Fischstäbchen heraus.“
Zukunft der deutschen Fischwirtschaft
Dank der niedrigen Löhne in China fällt der Mehraufwand für Transport und Kühlung nicht weiter ins Gewicht. Hinzu kommt ein weiterer Vorteil: Bei der Filetierung von Hand ist die Ausbeute um 10 Prozent höher als beim Einsatz von Filetiermaschinen. „So rechnet sich das Ganze“, sagt Keller. Allerdings steht diese Kalkulation zunehmend auf dem Prüfstand. Weil China inzwischen etliche Agrarbetriebe im Inland subventioniert, fehlt vielen Arbeitern der Anreiz, in die Fischverarbeitungsbetriebe an der Küste zu kommen. „Daher müssen die Betriebe jetzt höhere Löhne zahlen. Und auch die Energiekosten steigen“, sagt Keller.
Polen ist mit einem Anteil am Importaufkommen von fast 13 Prozent Deutschlands größter Fischlieferant. Sind unsere Nachbarn im Osten einfach geschickter und mithin erfolgreicher auf der Ostsee unterwegs als die deutschen Fischer? Das ist es nicht. „In den vergangenen zwei bis drei Jahren haben wir 50 Prozent der Räucherlachsproduktion nach Polen verloren“, erklärt Keller. „Auch die meisten Rollmöpse werde inzwischen in Polen gedreht.“ Den in Essig und Salz eingelegten Heringslappen zum Rollmops zu befördern, erfordert mehr Handarbeit, als in Deutschland bezahlbar wäre. Aus demselben Grund kommen auch allerlei andere marinierte Fische heute aus Polen – auch wenn sie die dortigen Gewässer niemals durchschwommen haben. China ist für die Anbieter dieser beliebten Produkte keine Alternative, denn für Rollmops & Co. wird Frischfisch benötigt. Der Weg bis zum Endkunden darf also nicht zu weit sein.
Trotz der internationalen Arbeitsteilung ist Keller nicht bange um die Zukunft der deutschen Fischwirtschaft, in der knapp 41.000 Menschen beschäftigt sind. Die Mitarbeiterzahl werde zwar noch etwas sinken, aber nicht dramatisch fallen. Hersteller wie der Marktführer Deutsche See GmbH aus Bremerhaven setzten sich mit aufwendig produzierten Fischprodukten wie etwa „Heilbuttpralinen“ erfolgreich vom herkömmlichen Angebot ab.
Außerdem ist er fest davon überzeugt, dass die Deutschen in Zukunft immer mehr Fisch essen. 2009 hat jeder Deutsche 15,7 Kilogramm Fisch verspeist. Für 2014 prognostiziert Keller einen Pro-Kopf-Verbrauch von 17,5 Kilo. Der Anstieg resultiere nicht nur aus dem Trend zu gesunder Ernährung. „Wir profitieren von der demographischen Entwicklung. Ältere Leute essen deutlich mehr Fisch und geben auch deutlich mehr dafür aus als jüngere Menschen.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |