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Zu wenig Bauland : Bodenpreise so hoch wie nie

Seltener Fund: Eine Baulücke im Berliner Stadtbezirk Prenzlauer Berg. Bild: Jens Gyarmaty

In Deutschland fehlt es derzeit an einer Million Wohnungen - besonders akut ist die Not in Großstädten. Das Geld für neue Bauten ist da. Warum wird trotzdem nicht gebaut?

          Sensible Menschen hören ja das Gras wachsen, sagt man. Wenn aber an innerstädtischen Baulücken oder an einem Acker am Großstadtrand das Gras wächst, ist Sensibilität gar nicht vonnöten, um mit Sicherheit sagen zu können: Dieses Stück Boden ist viel wert.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Allein in den vergangenen fünf Jahren sind die Bodenpreise um mehr als 30 Prozent gestiegen, hat dieser Tage das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) ermittelt. Es hat dazu die Daten sämtlicher deutscher Kommunen ausgewertet, das heißt: Die Preissteigerung ist nur der grobe Bundesdurchschnitt, denn es sind etliche Kommunen dabei, in denen nicht viel Bewegung herrscht. In den großen Städten dagegen, in Berlin, Hamburg, Frankfurt oder München haben die Bodenpreise im selben Zeitraum sogar um ein Vielfaches angezogen. Weil Bauland dort absolute Mangelware ist.

          Das ist eine alte, weitverbreitete Kritik. „Wir könnten viel mehr bauen, aber wir bekommen einfach keine Grundstücke mehr“, sagt ein großer, alteingesessener Bauunternehmer aus München, „denn wenn überhaupt Flächen auf den Markt kommen, gehen die zu solchen absurden Phantasiepreisen weg, dass wir da nicht mehr mithalten können.“ Egal ob Projektentwickler, Makler, Immobilienökonomen oder Wohnungsverbände, alle sagen: Das Geld für neuen Wohnraum wäre da, allein, es fehlt an Flächen. Sie seien der „entscheidende Engpassfaktor für mehr bezahlbaren Wohnungsneubau in vielen Städten“, sagt auch BBSR-Referent Matthias Waltersbacher: Gäbe es mehr Baugrundstücke, bekäme der Wohnungsbau endlich in den Metropolen jenen Schub, den er dringend bräuchte. Denn momentan fehlen der Republik rund eine Million Wohnungen, der Großteil davon in den großen Städten, schätzen Wirtschaftsforschungsinstitute. Gemessen an den Zehntausenden Zuzüglern, die jährlich vom Land in die Städte ziehen, wird dort viel zu wenig gebaut. Deshalb explodieren seit Jahren die Mieten und Immobilienkaufpreise, und die Nachfrage nach bezahlbaren Wohnungen wächst ungebremst.

          Städte weisen nicht genügend Bauland aus

          Die Forderung aller Beteiligten und des Bundesinstituts für Raumforschung ist deshalb ebenso klar wie einfach: Die Hochpreisstädte müssten dringend neues Bauland ausweisen. Das sagen übrigens auch überwältigende 88 Prozent von 150 Immobilien-Großinvestoren, die vom Immobilienvermittler Engel&Völkers befragt wurden: Würden die Städte schneller Bauland schaffen, könnten sie den Neubau in den Metropolen deutlich steigern.

          „Bisher aber passiert da nichts“, staunt Michael Voigtländer vom arbeitgebernahen Wirtschaftsforschungsinstitut IW. Oder es geschieht das genaue Gegenteil: In Berlin schrumpfte die Fläche sogar, die jährlich für den Wohnungsbau zur Verfügung gestellt wird, von rund zwei Millionen Quadratmetern 2008 auf zuletzt rund 1,4 Millionen. In München blieb sie gleich, obwohl die Nachfrage gewaltig stieg. Insgesamt, so stellte das Immobilienforschungsinstitut Bulwiengesa fest, stagniert die Fläche für den Neuwohnungsbau in allen sieben großen Städten seit Jahren. Kein Wunder also, dass da die Preise steigen – und zwar nicht nur die Kaufpreise für Grund und Eigentumswohnungen, sondern ebenfalls die Gesamtkosten für den Neubau und damit über kurz oder lang auch sämtliche Mieten.

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