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Wohnungsnot in Städten : Der Bauboom nervt die Bewohner

  • Aktualisiert am

Baustellenschilder gehören in vielen Städten zum Straßenbild. Die Anwohner nervt das. Bild: dpa

Der Platz in den Städten bleibt knapp. Dazu tragen ausgerechnet auch widerständige Bürger bei, die sich über die Bauprojekte ärgern. So dauert es noch länger, bis neue Wohnobjekte fertig werden.

          Parkplatzmangel, überfüllte Busse und Bahnen, knappe Kita-Plätze: Der massive Zuzug wird für viele Städte in Deutschland zur Belastungsprobe. Sie müssen kräftig Wohnraum schaffen und die Infrastruktur rasch ausbauen – und stoßen dabei zusehends an ihre Grenzen. Weil geeignetes Bauland Mangelware ist, wird auf „Nachverdichtung“ gesetzt. Das nervt viele Anwohner. Sie fühlen sich gestört von Baulärm, Sperrungen und anderen Nebenwirkungen und gehen gegen Neubauprojekte auf die Barrikaden.

          Beispiel München: Zunehmend formieren sich Bürgerinitiativen gegen Neubauprojekte in der Isar-Metropole, wie der Verband bayerischer Wohnungsunternehmen erst kürzlich mitteilte. Wenn das letzte Stück Wiese oder der letzte Bolzplatz in der Umgebung auch noch für Wohnungen vereinnahmt wird, sorge das für Unmut in der Nachbarschaft.

          Dabei bräuchte gerade München mehr bezahlbare Wohnungen für Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen, wie auch der Chef der städtischen Wohnungsgesellschaft Gewofag, Klaus-Michael Dengler, sagt. Zu durchschnittlich 15 Euro aufwärts je Quadratmeter wurden Mietwohnungen in München nach Erhebungen des Immobilienverbandes IVD Süd im vergangenen Jahr bei Neuverträgen angeboten. Damit liegt München in Deutschland mit Abstand an der Spitze, und Entspannung ist angesichts der weiter wachsenden Einwohnerzahl nicht in Sicht.

          „Wir sind leider hoffnungslos überzeichnet“

          Oft aber sind es gerade Projekte für einfache Wohnungen, die unter den Anwohnern auf Ablehnung stoßen. Denn nach der Fertigstellung wird teils auch der Einzug schwieriger Klientel befürchtet. Die Wohnungsunternehmen stellt der nachbarschaftliche Widerstand vor zusätzliche Probleme. Schon seit Jahren klagen sie über hohe Baukosten, Flächenmangel und ausufernde Bauvorschriften.

          Nun kommen noch teils längere Verzögerungen durch den Bürgerwiderstand als weitere Hürde hinzu. Was also tun? „Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation!“, sagt Dengler. „Sobald wie möglich tauschen wir uns mit dem jeweils zuständigen Bezirksausschuss zu den Planungen aus und laden die Anwohner zu Informationsveranstaltungen über das Bauvorhaben ein. Dabei versuchen wir auch, Vorbehalte auszuräumen.“ In einigen Fällen gebe es auch die Möglichkeit, dass Anwohner über Details der Bebauung mitentscheiden könnten.

          Umgekehrt sind auch schicke Luxus-neubauten und Edelsanierungen nicht überall willkommen. Alte Bausubstanz kaufen, sanieren und zu deutlich höheren Preisen weiterverkaufen, dieses Vorgehen von Investoren heizt die Gentrifizierung selbst in Problemstadtteilen wie dem Frankfurter Bahnhofsviertel oder im Hamburger Schanzenviertel seit Jahren an. Früher und noch rasanter schritt der Wandel in München voran – und trotzdem will sich mancher bis heute nicht damit abfinden: „Yuppies aus dem Stadtviertel jagen“, hat ein Unbekannter an die Reichenbachbrücke in der Münchner Innenstadt gesprüht – in direkter Nachbarschaft zu den Glockenbach-Suiten, einem luxuriösen Neubau mit Blick auf die Isar, der lange umstritten war, auch weil für ihn ein kleiner Biergarten mit Baum weichen musste. Für einige der Wohnungen in dem Neubau sollen Millionenpreise aufgerufen worden sein. Und die Glockenbach-Suiten sind nur eines von zahlreichen Luxusprojekten auf dem engen Münchner Immobilienmarkt.

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          Menschen mit schmalerem Geldbeutel können da natürlich nicht mithalten. Um sich gegen den Kostenanstieg zu stemmen, tun sich immer mehr Bewohner in den Großstädten zusammen. Wohnungsgenossenschaften erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Die Anteilseigner wollen sich damit vergleichsweise günstigen Wohnraum sichern und haben zugleich Mitspracherechte, aber auch die Pflicht zur Mitwirkung an gemeinschaftlichen Zielen.

          Allerdings ist die Nachfrage in bereits bestehenden Genossenschaften oft weit größer als das Angebot. Deshalb macht beispielsweise auch die Frankfurter Wohnungs-Genossenschaft auf ihrer Website wenig Hoffnung: Momentan könnten leider nur Wohnungssuchende versorgt werden, die schon Mitglied seien oder Fürsprecher in den Reihen der Genossenschaft haben, heißt es auf der Website. „Wir sind leider hoffnungslos überzeichnet, tragen Frankfurt im Namen und würden gerne so viel mehr Frankfurter versorgen.“ In München haben jetzt Mitarbeiter und Betriebsräte der Stadtwerke gemeinsam die Initiative ergriffen und die Stadtwerkschaft eG gegründet. Immer noch würden Werkswohnungen in der bayerischen Landeshauptstadt eher verkauft als gebaut, hieß es in der Einladung einer Pressekonferenz kürzlich. Dem wolle man mit der Stadtwerkschaft etwas entgegensetzen.

          Quelle: F.A.Z.

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